Einkauf ohne Empörung

Verbraucherzentrale klärt über verbreitete Rechtsirrtümer auf

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Petra Golly und Volker Mahlich von der Verbaucherzentrale klärten Passanten in der Neheimer Fußgängerzone über verbreitete Rechtsirrtümer auf.

Neheim/Hochsauerland. Sie lauern überall: Beim Einkauf oder der Bezahlung im lokalen Handel oder im Internet erliegen Kunden immer wieder verbreiteten Rechtsirrtümern. Händler müssen gekaufte Ware immer zurücknehmen? Kartenzahlungen lassen sich immer rückgängig machen? „Denkste!“ – mit diesem Motto wies die Verbraucherzentrale am Weltverbrauchertag, der jedes Jahr am 15. März stattfindet, darauf hin, dass Dinge, die Kunden oft als „ihr gutes Recht“ ansehen, genau das nicht sind.

„Es ist bei uns schon häufig vorgekommen, dass wir Verbraucher beraten, die nur unzureichend oder falsch über das Thema Kauf und Reklamation informiert sind“, erklärte Petra Golly, Leiterin der Beratungsstelle in Arnsberg. Die Menschen seien bei Waren aller Art im Online- sowie im Einzelhandel mit den unterschiedlichen Regeln oft überfordert. 

Beispielsweise existiere der Irrglaube, dass Verträge nur mit einer Unterschrift gültig sind. Am einfachen Beispiel eines Brötchenkaufes zeige sich aber, dass Verträge auch mit einer mündlichen Übereinstimmung gültig sind. „Verbraucher benötigen hier dringend eine ordnende Orientierung und objektives Wissen, um einwandfreie Kaufentscheidungen zu treffen und bei Problemen angemessen zu reagieren“, meint Petra Golly. 

Weiterhin hielten viele Verbraucher die Bezeichnungen Garantie und Gewährleistung für einen Begriff. „Dabei ist es hier besonders wichtig, zwischen den beiden Begriffen zu trennen“, so Petra Golly weiter, „denn Garantie ist etwas, was der Hersteller anbieten kann, aber nicht muss. Dagegen ist die Gewährleistung gesetzlich verpflichtend.“ Diese gilt zwei Jahre lang und besagt, dass der Händler in diesem Zeitraum die Ware im Falle eines Defekts oder Mangels reparieren oder ersetzen muss. Mit der Garantie kann der Hersteller den Zeitraum über den gesetzlichen hinaus verlängern. 

Online gelten andere Regeln

Darüber hinaus glauben viele Kunden, dass sie gekaufte Ware in jedem Fall zurückgeben beziehungsweise umtauschen können – dem Internet sei Dank. Denn bei Online-Käufen gelte grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht, wohingegen das im lokalen Handel nicht der Fall sei. Petra Golly nannte hierfür ein „tragisches Beispiel“: Ein Ehepaar habe sich zur Silberhochzeit eine neue Couchgarnitur angeschafft. Die gleiche Idee hätten allerdings auch die Kinder des Paars gehabt und ihren Eltern ein neues Sofa geschenkt. „Am Ende konnte leider kein Kaufvertrag rückgängig gemacht werden und die Familie musste beide Garnituren behalten“, berichtete Petra Golly. Zwar böten viele größere Geschäfte die Möglichkeit, die Ware in einem bestimmten Zeitraum umzutauschen, allerdings geschehe das auf freiwilliger Basis. Beim Kauf von hochwertigeren Artikeln rät die Verbraucherzentrale daher, sich vorher über Umtauschbedingungen zu informieren. 

Weit verbreitete Irrtümer gibt es auch bei der EC-Kartenzahlung im Geschäft. Denn viele Kunden gingen davon aus, dass diese problemlos zurückgebucht werden könnten. Das hänge allerdings davon ab, ob die Zahlung mit Unterschrift oder mit PIN erfolgt sei. Nur wer seine Kartenzahlung auch mit einer Unterschrift quittiere, könne den Kaufbetrag innerhalb von acht Wochen ohne Angaben von Gründen auf sein Geldkonto zurückbuchen lassen. Das bedeute aber nicht, dass Kunden ihrer Zahlungspflichtigkeit nicht nachkommen müssen. 

Bei diesem sogenannten Lastschriftverfahren erteilten Kunden per Unterschrift ihre Zustimmung, dass Händler den Kaufpreis von ihrem Konto einziehen dürften. Bei einer Kartenzahlung per PIN werde der Kaufbetrag hingegen sofort vom Konto abgebucht und an den Händler gezahlt. Eine Rückbuchung des Betrags ohne weitere Begründung sei somit nicht möglich. So könne es vorkommen, dass für eine Packung Kaugummi nach Mahnkosten und Inkassogebühren plötzlich 50 Euro fällig würden, berichtete Petra Golly.

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