Jedes Grab erzählt eine Geschichte

Verein setzt sich für den Erhalt des Eichholzfriedhofs in Arnsberg ein

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Es sind die besonderen Gräber wie das von Engelbert Schlüchter – aus dem Jahre 1740 – die Norbert Baumeister und Jochem Ottersbach faszinieren.

Arnsberg. „Der Zustand vieler Grabstätten auf dem Eichholzfriedhof in Arnsberg hat mich über eine lange Zeit gestört“, erinnert sich Norbert Baumeister. Dass man da etwas tun sollte, war der Anstoß einen Verein dafür zu gründen, sagt der jetzige Vorsitzende des Vereins „Erhaltet den Eichholzfriedhof“. Bereits im Jahre 2012 gegründet, ist der Verein jüngst mit dem „Heimat-Preis der Stadt Arnsberg“ für sein Engagement ausgezeichnet worden. Und das ist natürlich ehrenamtlich.

Es war diese Rede zum Volkstrauertag im Jahr 2009, die Norbert Baumeister als Chorsprecher zu halten gebeten wurde. Sie hat für den heute 77-Jährigen den Anstoß gegeben, sich mehr mit dem alten Friedhof in Arnsberg und seinen Gräbern zu beschäftigen. Und nach einem Rundgang mit einem Mitarbeiter des Friedhofsamtes sei ihm die Erkenntnis gekommen: Das ist gut geeignet für ein Ehrenamt. „Von der Engagementstelle der Stadt und aus dem Stadtarchiv hat es gleich viel Zuspruch gegen“, erinnert sich Baumeister. Und zwei Mitstreiter für den Start seien auch schnell gefunden gewesen.

Das war so etwa vor sieben Jahren. Heute freut sich der Verein über 13 Aktive, die die selbst gesteckte Aufgabe des Vereins praktisch unterstützen: Die Gräber auf dem Eichholzfriedhof zu sichern, zu restaurieren und somit zu erhalten. Jedes Grab hat seine Geschichte – und Norbert Baumeister, Jochem Ottersbach sowie die anderen Mitglieder des Vereins kennen sie genau. Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf die dort beerdigten Menschen aus Arnsberg – auch die an den Gräbern geleisteten Arbeiten sind noch in bester Erinnerung.

"Der Friedhof ist ein kulturhistorisches Zeugnis"

„Wir haben schon an über 50 Gräbern nötige Steinarbeiten verrichtet“, weiß Mitglied Jochem Ottersbach, an 40 weiteren habe man an der Bepflanzung gearbeitet. Dabei hat der Verein ein klares Ziel vor Augen, der Eichholzfriedhof soll als Naherholungsgebiet unweit des Stadtkerns erhalten werden, so Ottersbach, der sich vor allem um die Dokumentation der Arbeiten kümmert und auch an der Recherche zu den Grab-Geschichten interessiert ist. „Der Friedhof ist ein kulturhistorisches Zeugnis“, bringt der Vorsitzende Baumeister bei dem Rundgang über den Friedhof es auf den Punkt. Neben den besagten Geschichten zu den dort beerdigten Familien lege die Gestaltung der Gräber auch Zeugnis über die Veränderungen in der Beerdigungskultur ab.

Mit Ausdauer arbeitet der Verein mit seinen Mitgliedern vor allem daran, die Grabsteine vor dem Umfallen und weiterer Zerstörung zu sichern. Mühevoll hat man an vielen Stellen die Bodensockel freigelegt und ausgegraben, die Grabsteine aufgerichtet und Beschädigungen am Stein mit eigenen Mitteln behoben. „Wir kaufen vom Verein einen Teil des benötigten Materials wie Beton oder Steine“, sagt Baumeister, auch die Stadt Arnsberg hilft dabei. Für spezielle Arbeiten müsse man jedoch fachlichen Rat hinzuziehen. So gibt es inzwischen eine sehr gute Zusammenarbeit mit heimischen Schmieden, die vor allem fehlende Ketten oder Gitter an den Gräbern nachgeschmiedet haben.

So einige Gräber sind den Aktiven um Norbert Baumeister ganz besonders in Erinnerung geblieben. „Es war zum Beginn unserer Arbeit vor allem das Grab von Feaux, dessen schlechter Zustand mich schockiert hat“, so Baumeister. Für das „Arndts“-Grab auf dem Friedhof hatte man sich sogar Hilfe aus Sundern geholt. Künstler Johannes Dröge war mit seinem Portalkran nach Arnsberg gekommen und hatte bei der Umsetzung des ganzen Grabes geholfen. Das – so Baumeister – habe es aber erst drei Mal gegeben. Ziel der Arbeiten sei, die Gräber an Ort und Stelle zu restaurieren.

Unterstützung von Angehörigen

„Das ist schon ein tolle Arbeit, die der Verein hier macht“, befindet Mechthild Hausschulte aus Ense-Bremen, während sie sich um das Grab ihrer Familie namens Schwartekopp kümmert. Der Zustand einiger Gräber habe auch ihr zu Denken gegeben, jetzt, so Hausschulte, sei schon an vielen Stellen Erstaunliches erreicht worden.

Zusammen mit Renate Mäuser bietet der Vereinsvorsitzende auch Führungen über den Eichholzfriedhof an. Die persönlich-historischen Biografien der Verstorbenen sind es neben den beeindruckenden Grabsteinen, die vor allem auf Interesse stoßen. Und wer dann immer noch nicht genug hat, der kann sich einen Flyer des Vereins mitnehmen, auf dem über seine Arbeit und die Gräber berichtet wird.

Dass es so weit gekommen ist, verdankt der Verein „Erhaltet den Eichholzfriedhof“ genau diesem Anspruch. Eine heimische Bank, der Lions Club und sogar der Eichholz-Verein hat schon Geld gegeben. Einiges komme auch von Privatspendern hinzu. „Geld kommt von den Angehörigen, deren Familienmitglieder hier noch beerdigt sind.“ Und die 5000 Euro Preisgeld aus dem Heimatpreis der Stadt Arnsberg? „Wir freuen uns über diese Unterstützung und können das Geld sinnvoll einsetzen“, erklärt Norbert Baumeister. Neben Material müsse auch Gerät angeschafft werden. Was sich alle wünschen ist eine Akku-Heckenschere, denn mit dem Strom ist es an weit entfernten Gräbern schon so eine Sache.

Der Eichholzfriedhof wurde 1954 für weitere Beerdigungen geschlossen. In wenigen Fällen gilt seitdem für 70 Jahre das Recht, noch Familienmitglieder beizusetzen. Der Eichholzfriedhof war der erste kommunale Friedhof in der Region. Ein altes Dokument hat schon früher 84 erhaltenswerte Gräber auf eine Liste gesetzt. Weitere Informationen sowie Mitgliedsanträge für interessierte Fördermitglieder gibt es unter www.eichholzfriedhof.de

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