Wärme aus der Tiefe

Das Projektteam stellte das neue System der doppelten Rohre für die Wärmegewinnung in Hüsten vor. Foto: G.D.

"Die zukunftsfähige Energieversorgung für das "Nass" in Hüsten, wird nicht "von der Stange" kommen. Ulrich Midderhoff von den Stadtwerken Arnsberg stellte gemeinsam mit Andreas Tönies von der Firma Daldrup und Dirk Rosenberg von Aquatherm, das neue Rohrsystem für die Hüstener Tiefenbohrung vor.

Unabhängig von der fossilen Energie kann das Nass schon ab Dezember beheizt werden. Um sich einigermaßen vorstellen zu können, in welcher Größenordnung man sich hier bewegt, zog Midderhoff das Beispiel von 140 Wohnhäusern heran, die im Vergleich mit der Geothermie beheizt werden könnten. 2,1 Millionen Kilowattstunden pro Jahr ist die Leistung der Anlage.

Wichtig für die Umwelt - 800 Tonnen Co2 pro Jahr werden eingespart. Der Kostenumfang beträgt 3,35 Millionen Euro. Davon trägt das Land 850.000 Euro. Der Eigenanteil beläuft sich auf 2,5 Millionen Euro.

Zwei unterschiedliche Materialien

Bei der neuen Lösung der Tiefenbohrung in Hüsten werden erstmalig zwei unterschiedliche Materialien in der Förderung der Erdwärme zusammengebracht. Ein Polypropylen-Rohr wird in ein Stahlrohr geschoben. Ein Stahlrohr allein hätte den Nachteil, dass zuviel Wärme verloren geht. Die Leitfähigkeit hängt also am Kunststoffrohr.

Die Stabilität dagegen kommt vom Stahlrohr. Die Belastungen auf das Polypropylen-Rohr werden abgefangen. Getestet wurde das Verfahren bei 300 Bar und 100 Grad. Diese Art von Lösung zu praktizieren, wurde möglich durch die Zusammenarbeit der Firmen Daldrup und Aquatherm.

Zur Erinnerung: Als zum ersten Mal im Jahr 2008 versucht wurde, ein Rohr in die Tiefe von 2835 Metern zu verlegen, war das Förderrohr auf 1200 Metern Tiefe gebrochen.

"Um sicher zu gehen, dass die neue Lösung standhält, wurden die Rohre an der Technischen Universität Clausthal getestet. Die Universität verfügt über Druckkammern, die es ermöglichen, Druck- und Temperaturverhältnisse realitätsnah zu simulieren", erklärt Andreas Tönnies von der Firma Daldrup.

Zur Wirtschaftlichkeit des Projektes erklärte Ulrich Midderhoff: "2006 hätten wir pro Mega Watt Stunde 41,50 Euro bekommen. Für 2012 erwarten wir 60 Euro pro Stunde." Andreas Tönies und Dirk Rosenberg sind sich darüber einig, dass das Projekt in Hüsten Leuchtturmcharakter hat und für die Geothermie zukunftsweisend ist, Arnsberg also ein Alleinstellungsmerkmal hat. Dirk Rosenberg weist darauf hin, dass die lebensdauer der Rohre mehr als drei Generationen beträgt. "Und", so Rosenberg weiter, "sie sind wartungsfrei".

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