Plädoyers gehalten, Urteil fällt am 13. Februar

Waffenschmuggel-Prozess: Staatsanwalt fordert vier Jahre und zehn Monate Haft für Hauptangeklagten

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Im Arnsberger "Waffenprozess" wurden am Donnerstag die Plädoyers gehalten. Das Urteil soll am 13. Februar gesprochen werden. 

Arnsberg – Nach inzwischen neun Verhandlungstagen wurden am Donnerstag im Landgericht Arnsberg die Plädoyers von Seiten der Staatsanwaltschaft als auch der Verteidigung im aufsehenerregenden sauerländer Waffenschmuggel-Prozess gehalten.

Der zuständige Staatsanwalt Thomas Schmelzer forderte für den Hauptangeklagten Arnsberger eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten für den Diebstahl der Waffenteile in besonders schweren Fällen, den dauerhaften Besitz von Waffen und Munition sowie für den gewerbsmäßigen Handel der genannten Kleinkaliberpistolen. 

Für die vier Mitangeklagten forderte er jeweils zwei Jahre und drei Monate, acht Jahre und neun Monate, vier Jahre sowie zwei Jahre und zehn Monate. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, im Zeitraum von Juli 2015 bis Ende März 2019 Waffenteile aus der Firma Umarex in seiner Thermoskanne als auch Geldbörse geschmuggelt zu haben. Insgesamt soll er mindestens 70 Walther P22, 16 Walther PK 380 und eine Walther CCP zu Hause zusammengebaut und verkauft zu haben.

Waffen im Ruhrgebiet und in Niedersachsen sichergestellt

In seinem ausführlichen Plädoyer ging Staatsanwalt Schmelzer auf das Geständnis des Angeklagten ein, der sofort nach der Hausdurchsuchung 2019 alle Taten einräumte und seinen Kontaktmann in der „Waffenszene“ nannte. Er erläuterte weiterhin, dass die Halbautomatikpistolen nicht registriert seien und keine Kennzeichnung hätten, sie an Personen im kriminellen Milieu abgegeben worden seien. „Die Waffen hatten kein Beschusszeichen, das heißt, dass sie aus dem Produktionsprozess bei Umarex herausgenommen worden sind. Durch die Optimierung der Sicherheitsmaßnahmen flog der Angeklagte schließlich auf“, so Staatsanwalt Thomas Schmelzer. Die Waffen seien nach Bekanntwerden der Taten teilweise im Ruhrgebiet, aber auch in Niedersachsen sichergestellt worden. 

Der Waffenfirma könne nach Angaben des Staatsanwalts kein strafrechtlicher Vorwurf gemacht werden. „Umarex hat dem Angeklagten gar nicht zugetraut, die Waffen zusammenzubauen“, so Schmelzer. Das Geständnis des Angeklagten, der drei Monate für den ersten Zusammenbau der Walther P22 benötigte, die er anschließend für 250 Euro verkaufte, stufte er als glaubhaft ein. Jedoch hatte der Staatsanwalt Zweifel an dessen Einlassung, mit dem Waffenhandel aufhören zu wollen. 

Beihilfe zur Aufdeckung der Straftaten

In Bezug auf die anderen vier Angeklagten berücksichtigte er genau wie bei dem Arnsberger Hauptangeklagten die Geständnisse und somit die Beihilfe zur Aufdeckung weiterer Straftaten. Bei einem der Angeklagten wurden bei einer Hausdurchsuchung in dessen Garage zusätzlich noch sieben Kilogramm Marihuana gefunden. Diesen Fund in Kombination mit einer gefundenen Waffe gewichtete Schmelzer so schwer, dass er acht Jahre und neun Monate forderte. 

Im anschließenden Plädoyer forderte die Strafverteidigerin des Hauptangeklagten als Höchststrafe vier Jahre. Zudem gab sie zu verstehen, dass sowohl das Geständnis als auch die fehlenden Sicherheitsvorkehrungen bei dem Sportwaffenhersteller strafmildernd zu berücksichtigen seien. „Die unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen haben es erst möglich gemacht, dass Waffenteile aus den offenen Kisten in anderen Abteilungen entwendet werden konnten. Als wäre das ein Spaziergang durch einen Betrieb, der als Endprodukt Waffen herstellt. Gelegenheit macht Diebe“, so die Strafverteidigerin. Sie ging weiterhin darauf ein, dass ihr Mandant sich am Firmenrechner „bedienen“ konnte, indem er die Konstruktionszeichnungen aufrief und entsprechend laut angegebenen Artikelnummern im Betrieb die benötigten Einzelteile „einkaufte“, um die Waffen zu Hause zusammenzubauen. 

"In den Waffenhandel hineingeschlittert"

Der Waffenhandel sei dann nur zustande gekommen, da er in der Dortmunder Nordstadt anfangs nach Munition gefragt habe. „Er brauchte keine Kontakte, wurde dort direkt auf Drogen angesprochen. Durch einen späteren Anruf ist er in den Waffenhandel hineingeschlittert, wurde zum Bau der Waffen verleitet. Er hatte Gewissensbisse und wollte damit aufhören“, erklärte die Anwältin vor Gericht.

Das Urteil und die letzten Worte der Angeklagten werden am letzten Verhandlungstag gesprochen, Donnerstag, 13. Februar, ab 9.30 Uhr.

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