Der Leiter der Feuerwehr über Kameraden, Kinderfeuerwehr und Klimawandel

Wehrführung im Interview: Arnsberger Feuerwehr ist personell vorerst noch gut aufgestellt

Mitte des Jahres 2018 sorgte ein Brand in einem Entsorgungsbetrieb in Obereimer für einen Großeinsatz der Feuerwehr. Foto: Feuerwehr Arnsberg

Arnsberg. Nicht nur „Leben heißt Veränderung“, auch „Feuerwehrleben heißt Veränderung“. So muss sich die Feuerwehr der Stadt Arnsberg ständig auf die unterschiedlichsten Herausforderungen einstellen – nicht nur im Einsatz. Eine besonders wichtige Aufgabe: das überwiegend durch Ehrenamt gestützte System Feuerwehr dauerhaft zu sichern. Darüber, wie das im Stadtgebiet gelingen kann, wie die Bilanz des Jahres 2018 ausfällt und welche Aufgaben 2019 auf die Kameraden warten, spricht der Leiter der Arnsberger Feuerwehr, Stadtbrandinspektor Bernd Löhr, im Interview mit Rebecca Weber.

Welche Einsätze prägten das Jahr 2018 im Stadtgebiet besonders?
Bernd Löhr: Von den insgesamt 1.026 Einsätzen im Jahr 2018 war der arbeitsintensivste Einsatz die Abarbeitung der Schäden des Sturmtiefs „Friederike“ im Januar 2018. Es waren innerhalb von wenigen Stunden 127 Unwettereinsätze, vorwiegend umgestürzte Bäume, im gesamten Stadtgebiet zu bewältigen. Das Ausmaß erforderte den Einsatz aller Einheiten der Feuerwehr der Stadt Arnsberg über Stunden. Daneben konnte der Waldbrand im Ortsteil Breitenbruch Anfang August durch das beherzte Eingreifen der Feuerwehr auf ein noch beherrschbares Ausmaß gehalten werden. Letztendlich können wir in der Stadt Arnsberg von Glück reden, dass es aufgrund der langanhaltenden Trocken- und Hitzeperiode im Sommer des Jahres nicht zu größeren Schäden gekommen ist. Angesichts des Klimawandels muss jedoch und wird generell bei der Feuerwehr eine Anpassung in Bezug auf Ausrüstung und Ausbildung stattfinden müssen.

Was ist dafür erforderlich?
Löhr: Nach den Starkregenereignissen ist die Ausrüstung der Feuerwehr bereits angepasst worden. Es befinden sich jetzt zum Beispiel Tauchpumpen auf allen Löschfahrzeugen und es wird ständig eine große Anzahl an gefüllten Sandsäcke vorgehalten. Die Ausstattung in puncto Waldbrand wird derzeit angepasst. So verfügen die neuerdings beschafften Feuerwehrfahrzeuge über größere eingebaute Löschwassertanks. Aber auch die interkommunale Zusammenarbeit mit den Feuerwehren der Nachbarkommunen muss noch weiter ausgebaut werden.

Wie ist die Arnsberger Feuerwehr personell aufgestellt?
Löhr: Der Personalstand konnte im Vergleich zum Vorjahr leicht ausgebaut werden. Zum 31. Dezember 2018 waren 496 Frauen und Männer in der sogenannten Einsatzabteilung in der Feuerwehr der Stadt Arnsberg aktiv tätig (Vorjahr 486). Erfreulich ist das Ergebnis der vielen unterschiedlichen Bemühungen und Kampagnen um sogenannte Quereinsteiger, welche also nicht den Weg über die Jugendfeuerwehr zu uns gefunden haben. Im Jahr 2018 konnten insgesamt 29 Männer und Frauen in die Einsatzabteilung aufgenommen werden (Vorjahr 20).

"Arnsberg hat eine der größten Kinderfeuerwehren"

Gibt es damit überall im Stadtgebiet ausreichend viele Einsatzkräfte?
Löhr: Derzeit steht der Feuerwehr der Stadt Arnsberg in allen Ortsteilen eine noch ausreichende Anzahl an ehrenamtlichem Personal zur Verfügung. Aber im Verhältnis zur Bevölkerung ist die Anzahl der Einsatzkräfte in den dörflich geprägten Ortsteilen höher, als in denen mit städtischer Prägung. Gerade dort liegt jedoch das größte Einsatzaufkommen. Eine Entwicklung die noch nicht besorgniserregend ist, der wir aber mittelfristig gemeinsam entgegenwirken müssen. Angesichts des demografischen Wandels muss selbstverständlich weiter ohne Unterlass an der Personalgewinnung und der Personalerhaltung im Ehrenamt sowie aber auch im Hauptamt gearbeitet werden.

Die Wehrführung der Feuerwehr Stadt Arnsberg: Stadtbrandinspektor Bernd Löhr (Mitte) mit den beiden Stellvertretern Stadtbrandinspektor Martin Känzler (li.) und Brandrat Harald Kroll. Foto: Rebecca Weber

Hier setzt ja seit 2016 auch die Kinderfeuerwehr an, um den Nachwuchs früh für die Arbeit der Feuerwehr zu begeistern. Wie fällt die Bilanz bislang aus?
Löhr: In Nordrhein-Westfalen sind in 66 Kommunen Kinderfeuerwehren mit rund 1.800 Mädchen und Jungen eingerichtet worden. Allein in der Stadt Arnsberg sind hiervon mehr als 170 Kids (!) in der Kinderfeuerwehr aktiv. Damit besteht in der Stadt Arnsberg landesweit betrachtet eine der größten, vermutlich sogar die größte, Kinderfeuerwehr. Derzeit wird die Gründung einer Kinderfeuerwehrgruppe im Ortsteil Holzen vorbereitet. Der offizielle Start ist für Anfang April geplant. Danach ist die Kinderfeuerwehr dann bis auf die Ortsteile Breitenbruch und Voßwinkel im gesamten Stadtgebiet flächendeckend eingerichtet. Bis zum Jahresende rechnen wir mit einer Gesamtzahl von rund 200 Kids in der gesamtstädtischen Kinderfeuerwehr. Neben der Feuerwehr der Stadt Arnsberg besteht im HSK nur noch eine Kinderfeuerwehr in der Stadt Medebach.

"Aggressionspotential steigt stetig"

Gewalt gegen Einsatzkräfte ist immer wieder ein Thema in den Medien – auch im Stadtgebiet Arnsberg? 
Löhr: Verbale Angriffe auf die Einsatzkräfte gehörten leider in der Vergangenheit immer mal wieder zum Dienst dazu. Leider müssen wir jedoch feststellen, dass sich das Aggressionspotential immer drastischer entwickelt. Die Bereitschaft zur körperlichen Gewalt steigt bedauerlicherweise stetig an. Gerade die Kolleginnen und Kollegen im Rettungsdienst mussten dies leider im vergangenen Jahr bei einigen Einsatzsituationen erleben. Im Bereich der Feuerwehr wurde vor einiger Zeit ein Löschfahrzeug bei einer Alarmfahrt in Neheim mit einer Glasflasche beworfen. Zum Glück ist kein nennenswerter Schaden entstanden und das Fahrzeug konnte seine Fahrt fortsetzen. Dieses nicht nachvollziehbare Verhalten dringt leider immer weiter aus den Großstädten auch in unsere ländlichen Regionen vor.

Gibt es Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken?
Löhr: Der Deutsche Feuerwehrverband hat die Resolution „Unsere Einsatzkräfte – unsere Sicherheit!“ verfasst, die mehr Respekt vor Einsatzkräften und unter anderem eine Strafverschärfung beziehungsweise konsequente Strafverfolgung fordert. „Feuerwehrmänner und -frauen sind zur Stelle, wenn Menschen in Not sind. Sie riskieren dabei sowohl in der Brandbekämpfung als auch im Rettungsdienst uneigennützig und oftmals im Ehrenamt ihr eigenes Leben. Als zentrale Säule der Gefahrenabwehr ist die Feuerwehr auf Unterstützung und Respekt bei der Ausübung ihrer Aufgaben angewiesen“, heißt es in der Resolution.

Der Rat hat Ende November den Brandschutzbedarfsplan verabschiedet. Was sind die ersten Maßnahmen, die nun 2019 angegangen werden?
Löhr: Nachdem der Haushaltsplan der Stadt Arnsberg von der Kommunalaufsicht freigeben wurde erfolgt vorrangig die Personalgewinnung für die hauptamtliche Feuerwache in Alt-Arnsberg. Des Weiteren stehen unterschiedliche Baumaßnahmen im Stadtgebiet an. Als größtes Projekt gilt es, den Umbau des Feuerwehrgerätehauses in Arnsberg an der Ruhrstraße zur Feuer- und Rettungswache umzusetzen. Der Brandschutzbedarfsplan ist als Handlungs- und Strategiepapier für die kommenden fünf Jahre ausgelegt. Die unterschiedlichen Inhalte werden wie vom Rat der Stadt Arnsberg beschlossen stufenweise umgesetzt.

Vielen Dank! 

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