Erntebilanz im Hochsauerland

Vor welche Probleme stellt die Dürre die Bauern bei der Ernte?

Landwirte unter sich: Auf dem Hof von Familie Nagel (Mitte) stellten die Vertreter des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland die Bilanz der Grünland- und Getreideernte vor.
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Landwirte unter sich: Auf dem Hof von Familie Nagel (Mitte) stellten die Vertreter des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland die Bilanz der Grünland- und Getreideernte vor.

Die seit drei Jahren anhaltende Trockenheit geht auch an den Ernten der Landwirte im Hochsauerland nicht spurlos vorbei. Wie sich der fehlende Niederschlag auf den Ernteverlauf bei Grünland und Getreide in diesem Jahr ausgewirkt hat und wie sich die Landwirte für die Zukunft wappnen können, stellten Vertreter des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland bei der diesjährigen Erntedank-Pressekonferenz auf dem Betrieb der Familie Nagel in Arnsberg-Wettmarsen vor.

Arnsberg/Hochsauerland – „Die Frühjahrsfeuchtigkeit reichte nicht aus. In diesem Jahr haben wir nur drei Schnitte gehabt, sonst sind es immer vier bis fünf“, mit diesen deutlichen Worten betonte Klaus Bauerdick, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland, vor welche Probleme die Dürre die Bauern der Region bei der Ernte von Grünland stellt. Die drei Schnitte hätten nämlich mindestens 20 Prozent weniger Ertrag gehabt, seien aber zumindest von guter Qualität gewesen. 

Als „unterdurchschnittliche Ernte“ bezeichnete auch Markus Stratmann vom Öffentlichkeitsausschuss des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes und Biolandwirt in Schmallenberg-Grafschaft die diesjährige Situation. Jedoch gebe es dabei durchaus regionale Unterschiede. Während in Grafschaft an einigen Stellen der Wassermangel deutlich sichtbar sei, gäbe es in Bödefeld „tiefgrüne Talwiesen“, da dort mehr Niederschlag gefallen sei. Für die Zukunft sieht Stratmann eine Veränderung des Anbaus voraus. „Hier hat sich herausgestellt, dass das Wasser der begrenzende Faktor ist und die Witterungsverhältnisse örtlich sehr unterschiedlich waren und somit auch örtlich unterschiedliche Erträge zustande gekommen sind.“ Wasser, das einige auch als das „neue Gold“ bezeichneten, werde knapp. Daher sei es sinnvoll kleinstrukturierter flächenspezifisch zu handeln und das Risiko auf verschiedene Pflanzen zu verteilen. „Das heißt, wir müssen unsere Anbausysteme dem Klimawandel durch Diversifizierung anpassen.“ So wie die Natur sich an die Bedingungen anpasse, müsse auch der Mensch sich anpassen, so sein Appell. 

An Klimawandel anpassen

Auch Klaus Bauerdick sprach sich für eine Umorientierung aus, eine Idee, die „dem Sauerländer vielleicht etwas schwer fallen wird“. Er gab jedoch zu Bedenken, dass im Bereich Grünland die Möglichkeiten stark eingeschränkt seien. „Graspflanzen sind auf das Wasser von oben angewiesen. Daher braucht man ein neues Konzept. Man könnte etwa auf tiefwurzelnde Pflanzen setzen.“ Ob das den gewünschten Erfolg bringt, konnte Bauerdick jedoch nicht garantieren. Dazu müssten Landwirte erst einmal die nötigen Erfahrungen sammeln. 

Die Einbußen bei der Ernte haben Auswirkungen auf den Futterbestand der Landwirte. Durch die Ausfälle beim Grünschnitt müssten einige Bauern schon jetzt das Futter, das für den Winter eingeplant gewesen sei, verfüttern. „Es muss also Futter für die Wintermonate zugekauft werden. Wir beziehen dann zum Beispiel Futter aus dem Allgäu. Das ist der Wahnsinn“, so Markus Stratmann. Futter für die Nutztiere wie etwa Silomais sei durch den fehlenden Niederschlag der vergangenen drei Jahre teurer geworden. Während vor dieser Dürre zu 30 bis 35 Euro je Tonne frei Hof gehandelt worden sei, liege der Preis nun bei etwa 55 bis 60 Euro. „Hier schlägt sich der niedrige Ertrag sofort auf den Preis nieder.“ 

Viele Betriebe hätten aufgrund der Gegebenheiten bereits mit der Tierhaltung aufgehört beziehungsweise sich neue Lösungen überlegt. „Mehrere Standbeine zu haben, das ist auf jeden Fall zukunftsweisend“, sagte Stratmann. Auch Familie Nagel aus Wettmarsen, die im Rahmen der Pressekonferenz ihren Hof, der eine 900-jährige Geschichte vorweisen kann, vorstellte, hat sich zukunftsorientiert für mehrere Standbeine entschieden. Besonders gewinnbringend sei dabei die Direktvermarktung. Ein Erwerbszweig, der für Markus Stratmann ganz eindeutig „der Gewinner der Corona-Krise“ ist. „Der globale Markt verändert sich. Der regionale Bezug ist mittlerweile enorm wichtig geworden“, so sein Eindruck. Die Direktvermarktung könnte man also als „kleinen Lichtblick“ bezeichnen. Auch die Ernten von Kartoffeln, Gemüse und Getreide hellten die Bilanz auf. So sei der Ertrag beim Getreide konstant geblieben. 

„Es kam zum richtigen Zeitpunkt Regen. Daher ist diese Ernte nicht völlig in die Hose gegangen“, sagte Klaus Bauerdick mit einem Lächeln im Gesicht. Die Ernte von Kartoffeln und Gemüse sei normal aber nicht übermäßig gewesen. Mit dieser durchwachsenen Bilanz im Gepäck steht nun das Erntedankfest an, das „natürlich trotz allem gefeiert wird“. „Wir sind dankbar, glücklich und stolz in enger Verbundenheit mit der Natur wirtschaften zu können“, so der stellvertretende Vorsitzende abschließend.

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