35. Jahresausstellung von "Der Bogen"

"Wildwechsel": Neheimer Künstlergemeinschaft stellt aus

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Karlheinz Hosse interpretierte das Thema mit Vögeln, Raupen, Hirschgeweihen und Schnecken.

Neheim. „Wildwechsel“, ein Wort, das im Sauerland bekannt und geläufig ist. Es bedeutet, auf manchen Straßen besonders achtsam zu fahren, weil Wildschwein und Reh die Seite wechseln könnten, um ihre Pfade auszuweiten oder die bekannten Wege weiter zu gehen. Wildwechsel ist auch das Thema der 35. Jahresausstellung der Künstlergemeinschaft „Der Bogen“ in Neheim. Sie zeigt, wie dieser Begriff neu interpretiert werden kann und der eine oder andere Künstler die bekannten Pfade verlassen hat, um eine weitere Seite der Kunst für sich zu entdecken und zu gestalten.

Der stellvertretende Landrat Dr. Michael Schult sprach Grußworte und Glückwünsche an die Künstler des Bogens. Es sei eine Zeit gewesen, in der sehr viel in der Welt passiert sei. „Es ist schon herausragend, 35 Jahre als Gruppe zu existieren“, erklärte Schult. Frank Eickel von der RWE sprach ebenfalls ein kurzes Grußwort und überreichte Kirsten Minkel, die das Programm moderierte und Mitglied der Künstlergruppe ist, 3000 Euro aus der Sponsoring Vereinbarung, unter anderem für die Nachwuchsarbeit. Für musikalische Unterhaltung sorgten neben der Bläsergruppe der Jäger auch Silas Eifler und Pit Schrage. Außerdem gab es eine Performance von Schülern des St. Ursula Gymnasiums. Die spanische Künstlerin Laura Velasco blieb bei dem Thema Wildwechsel in ihrem eigenen Genre der Malerei. „Ich habe abstrakte Formen zusammengetragen, so ist dieses Bild mit Pfaden und Bäumen entstanden. Auch hier habe ich mich vom Expressionismus inspirieren lassen, wie in meinen meisten anderen Arbeiten auch“, erklärt sie ihre Vorgehensweise. „Es ist mir wichtig, mit meinen Arbeiten klar zu machen, dass es auch in unserem digitalen Zeitalter wichtig ist, sich mit den Farben – mit der Malerei – zu beschäftigen. Wechsel des Ausgangspunktes Völlig anders begegnete Karlheinz Hosse dem Thema. Weinbergschnecken beim Fressen „zuzuhören“ ist sicher eine Art der Umsetzung, die bei dem einen oder anderen Erstaunen hervorruft. „Haben Sie gewusst, dass eine Weinbergschnecke circa 40.000 Zähne hat und das beim Fressen dadurch mahlende Geräusche entstehen?“ Nein – in dieses Thema ist wohl kaum einer soweit eingestiegen. „Ich habe die Schnecken in dieses Glasgefäß gesetzt, ihnen Futter gegeben, ein Mikrofon hineingehängt und gewartet. Aber ich musste erkennen, dass sie wohl ihre eigenen Futterzeiten haben, bis jetzt war nichts zu hören.“ Hosse gibt noch den Tipp, einmal Gartenbesitzer nach den Weinbergschnecken zu fragen. „Die können bestätigen, dass es diese Geräusche gibt.“ Damit es noch etwas zu sehen gibt, hat Hosse einen Kasten mit vielen kleinen Plastikvögeln und einer Spielzeugraupe aufgestellt, ebenso bemalte, aber echte Gehörne von Tieren. Sie dokumentieren auf ihre Weise den Wechsel – vom Leben zum Tod. Ein riesengroßer bunter Fisch, mit einem sehr großen Loch im Bauch, wird mit einem Seil aus einer Wanne gezogen. In der Wanne sieht der Betrachter blau gefärbtes Wasser. „Im Bauch des Fisches ist ein Eimer befestigt, in regelmäßigen Abständen fällt ein Tropfen in die Wanne“, erklärt Haimo Hieronymus. Er hat diesen Fisch zusammen mit Künstler-Kollegin Stephanie Neuhaus gestaltet. „Jeder wird etwas anderes in diesem Fisch sehen“, erklärt Hieronymus und bestätigt damit, was das Thema Wildwechsel möglicherweise sein soll – eine Auseinandersetzung mit dem Normalen und wie es aus einer anderen Perspektive betrachtet sein könnte. Eben ein Wechsel des eigenen Ausgangspunktes. Insgesamt waren sieben Künstler des Bogens an der Jahresausstellung beteiligt.

Die Ausstellung ist bis zum 19. Dezember geöffnet. Donnerstags von 17 bis 20 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung:  02932/203130.

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