Sinnvoll oder nutzlos?

Zeitumstellung sorgt auch im HSK immer wieder für Diskussionen

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In der vergangenen Nacht wurde die Uhr von 2 auf 3 Uhr vorgestellt.

Arnsberg/Sundern. Die einen freuen sich, dass es abends länger hell ist, die anderen sind genervt, weil sie unzählige Uhren von Hand umstellen müssen. Die Zeitumstellung entfacht zweimal im Jahr die Diskussionen über ihren Sinn oder Unsinn. Weil es an diesem Wochenende mal wieder so weit ist, hat der SauerlandKurier sich zu diesem Thema in verschiedenen Bereichen umgehört.

Die erste Zeitumstellung gab es bereits vor über 100 Jahren im Jahr 1916. Nur drei Jahre später wurde sie allerdings schon wieder abgeschafft. Die Begründung für die Einführung war damals die gleiche wie beim zweiten Anlauf im Jahr 1980, der bis heute gilt: Man versprach sich Energieeinsparungen, weil es abends länger hell bleibt und somit erst später die künstliche Beleuchtung eingeschaltet werden muss. 

Allerdings, das weiß Energieberater Carsten Peters von der Verbraucherzentrale in Neheim, liegt der Anteil des Lichts am gesamten Stromverbrauch nur bei zehn bis zwölf Prozent. Daher habe die Zeitumstellung keine größeren Effekte. „Durch den laufenden Austausch von Glühbirnen gegen LED-Leuchtmittel werden sie sogar noch kleiner. Daher stellt sich die Frage, ob das Ganze überhaupt noch Sinn macht“, meint Peters. 

Daran zweifelt auch der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Kaiser aus Neheim. „Ich persönlich finde, dass wir gut auf die Zeitumstellung verzichten könnten. Denn Vorteile kann ich kaum erkennen, aber man braucht jedes Mal mehrere Tage, um alle Uhren umzustellen.“ Damit stimmt Kaiser mit dem Großteil der Bevölkerung überein, denn laut einer aktuellen Forsa-Befragung im Auftrag der DAK-Gesundheit sprechen sich 73 Prozent der Menschen in Nordrhein-Westfalen für eine Abschaffung aus.

"Innere Uhr" aus dem Rhythmus 

Deren Umsetzung sei allerdings nicht ganz so leicht. „Zwar könnte der Bundestag theoretisch eine eigene Regelung für Deutschland beschließen, ich halte es aber für unverzichtbar, dass eine Änderung dann nur einheitlich für ganz Europa geregelt werden kann“, erläutert Kaiser. Der Christdemokrat gibt aber auch zu bedenken, dass es „im Moment dringendere Probleme“ gebe. 

Viele Menschen beklagen aber auch gesundheitliche oder psychische Probleme im Zusammenhang mit der Zeitumstellung. Laut der DAK-Umfrage war fast jeder Dritte in NRW schon davon betroffen. Wie das Schlaflabor in Neheim erklärt, gelte das vor allem für Menschen, die bereits Probleme mit dem Schlaf haben. Grund dafür sei, dass die „innere Uhr“ aus dem Rhythmus ist. Die Experten vergleichen das aber mit einem Jetlag, sodass die Probleme nach wenigen Tagen wieder verschwunden sein sollten. 

Das gilt übrigens nicht nur beim Menschen, auch Kühe gewöhnen sich – entgegen hartnäckiger Mythen – schnell an den neuen Rhythmus. „Manche Tiere liegen zwar länger in ihren Boxen, aber bei der Leistung habe ich noch keine Unterschiede festgestellt. Und nach ein paar Tagen läuft wieder alles ganz normal“, berichtet Franz Greitemann, Landwirt aus Seidfeld. Für ihn hat die Zeitumstellung sowohl Vor- als auch Nachteile: „Der Tau bleibt zwar länger auf den Wiesen, sodass die Heu- und Siloernte erst später gemacht werden kann, dafür können wir aber abends länger draußen arbeiten.“

Kühe gewöhnen sich laut Landwirt Franz Greitemann schnell an den neuen Rhythmus.

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