„Erlebnisort für alle Generationen“

„Zukunft der Innenstädte“: Verantwortliche im Austausch mit der Politik

Innenstadt Neheim neue Anforderungen Positivbeispiel HSK
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Die Innenstadt von Neheim wird den neuen Anforderungen besonders gerecht und gilt deshalb als ein Positivbeispiel im Hochsauerlandkreis.

Die Zukunft der Innenstädte war das Thema eines digitalen Dialogs zwischen Vertretern aus Bundes- und Kommunalpolitik, Handels- und Immobilienverband sowie Stadtmarketing auf Einladung der SPD-Fraktion am vergangenen Samstag. In der Gesprächsrunde um Gastgeber Dirk Wiese MdB, Bernhard Daldrup MdB und der Vertreterin von Google Deutschland, Eveline Metzen, rückten vor allem die Themen Attraktivierung der Innenstädte sowie die Stärkung des Einzelhandels in den Fokus. 

Hochsauerland – Welche möglichen Förderprogramme und Initiativen stehen den Städten und Kommunen, welche Werkzeuge dem lokalen Einzelhandel, zur Verfügung, um sich in Zeiten eines immensen Strukturwandels und dem – nicht erst seit Corona – veränderten Einkaufs- und Freizeitverhalten der Bürger kurzfristig, zielgerichtet und zukunftsfähig aufzustellen?

„Wir haben im Sauerland viele tolle Innenstädte. Zudem sehe ich ein hohes Engagement der Verantwortlichen“, betonte Wiese, der aber auch auf die Dringlichkeit verwies, schnell zu handeln, um einer schleichenden Verödung und leeren Ladenlokalen entgegenzuwirken: „Der stationäre Einzelhandel ist enorm wichtig. Doch die Herausforderungen haben sich geändert. Wir müssen die Stadtzentren in Zukunft verstärkt zu einem Erlebnisort für alle Generationen machen.“

„Es bedarf immer neuer Ideen“

Als Positivbeispiel gelte etwa die Stadt Neheim, dessen City den neuen Anforderungen besonders gerecht werde. So äußerte sich der Geschäftsführer von „Aktives Neheim“, Konrad Buchheister, zu seiner Sicht auf die Gründe dieses Erfolges, aber auch zu immer noch vorhandenen Hemmnissen: „Uns ist es gelungen, unsere Innenstadt zu einem Treffpunkt zu machen, wo man auch gut shoppen kann. Doch darauf darf man sich zu keiner Zeit ausruhen. Es bedarf immer neuer Ideen. Und man muss den Besucher immer mal wieder überraschen. Auch kurzfristig, wie beispielsweise mit einem Lauf-Act.“

Doch der Citymanager bemängelte indes auch, dass etwa die bestehende, in manchen Aspekten nicht mehr zeitgemäße, Gestaltungssatzung der Flexibilität und Spontanität im Wege stünden. Zudem bräuchten die Städte eine solide Grundlage für Planungen. Auch in Bezug auf die öffentliche Sicherheit.

Harmonisches Gleichgewicht zwischen Einkaufen und Erleben

Eine weitere Sauerländer Stadt, in der das harmonische Gleichgewicht zwischen Einkaufen und Erleben funktioniere, sei Brilon. Als großer Erfolg hätte sich hier das bei den Kunden sehr beliebte Gutschein-Programm „HuberTaler“ erwiesen, so Bürgermeister Christof Bartsch: „Und selbstverständlich profitieren wir auch von einer guten Ausgangssituation mit unserer schönen, kleinen Altstadt und toller Gastronomie als touristischer Aspekt.“

Wichtig für jede Stadt sei, die Bürger bestmöglich in die Pläne mit einzubeziehen und auch mit in die Verantwortung zu nehmen. „Die Politik kann an vielen Stellschrauben drehen“, so Wiese, „darüber hinaus gibt es vielseitige Möglichkeiten, um wertvolle Unterstützung zu erhalten, um die Innenstädte und Ortskerne mit neuem Leben zu füllen.“ Ob für die Kommunen oder den Einzelhändlern, ob mit finanzieller Unterstützung oder mittels beraterischer Impulse.

Weg von der City als Verkaufscontainer.

Bernhard Daldrup MbB

Städtebauförderung

Ein wertvolles Instrument sei etwa die vor 50 Jahren ins Leben gerufene Städtebauförderung, die die Städte für den Strukturwandel aktuell mit einer Rekordsumme von 790 Millionen Euro pro Jahr unterstütze: „So kann die Bundesebene helfen. Aber in erster Linie ist es Aufgabe der Stadtgesellschaft, ihre Innenstadt mehr zu einem multifunktionalen Treffpunkt und Sozialraum umzugestalten. Weg von der City als Verkaufscontainer“, betonte Bernhard Daldrup MbB, Sprecher der AG Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen, der das Programm als einzigartigen Erfolg der SPD lobte.

Aber selbst der Bundestagsabgeordnete sieht bei der Städtebauförderung ein großes Manko: Das Problem sei, dass es nicht schnell genug greife, weil es auf lange Zeit ausgerichtet sei.

„Dringende Empfehlung“ an die Kommunen

So appellierte Daldrup mit einer „dringenden Empfehlung“ an die Kommunen, sich mit dem neuem Projektpool „Stadtimpulse“, einem Bündnis führender Fachverbände und Institutionen für Städte und Gemeinden in Deutschland, der unter anderem vom Handelsverband Deutschland (HDE) sowie dem Deutschen Städtetag unterstützt wird, auseinanderzusetzen und sich schnell dort zu bewerben. „Es gibt keinen besseren Pool. Er ist flexibel, schnell und kein Bürokratiemonster. ‘Stadtimpulse‘ unterstützt auch bereits vorhandene Stadtentwicklungspläne.“

Chance des Internets nutzen

Grundsätzlich einig war man sich in der Diskussionsrunde darüber, dass auch bei den Einzelhändlern vielerorts ein Umdenken noch nicht in ausreichendem Maße erfolgt sei. „Analog und digital muss Hand in Hand gehen“, äußerte sich Eveline Metzen, Google-Director Government Affairs & Public Policy DACH, die in Zusammenarbeit mit dem HDE maßgeblich an der Initiative „ZukunftHandel“ mitarbeitet, zu den Chancen, sich in Zeiten des veränderten Einkaufsverhaltens besser aufzustellen: „40 Prozent der Einzelhändler haben noch keine Internetseite, noch weniger einen Online-Shop. Doch 70 Prozent der Deutschen haben eine enge Verbindung zu den lokalen Einzelhändlern. Daher soll der digitale Weg keinesfalls Ersatz sein, sondern zur Stärkung der Kundenbindung beitragen.“

Der Kunde fordere heute eine niedrigschwellige Kontaktaufnahme sowie schnelle Abrufbarkeit aller wichtigen Informationen, wie etwa zu Warenangebot und Öffnungszeiten. Daher biete die Initiative die erforderlichen Tools, die bei der Digitalisierung eine professionelle Unterstützung leisten können.

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