Neujahrsempfang der Frauen widmet sich dem Thema „Zeit“

Zwischen Wollen und Können

Jule Vollmer, Ulrike Quante, Elmar Dissingers, Dr. Angelika Engelbert und Monika Espert beim Neujahrsempfang der Frauen im Alten Rathaus. Foto: Gaby Decker

Die neunjährige Mona Otto aus Herdringen eröffnete am vergangenen Wochenende den Neujahrsempfang der Frauen am Klavier. Der Rittersaal des Alten Rathauses war wieder bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die Frauen hatten sich die Zeit dafür genommen. Das Jahr 2014 steht unter dem Motto „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und war auch das Thema an diesem Morgen und das beinhaltet zweifellos auch das Thema „Zeit“.

Dr. Angelika Engelbert von der Ruhr-Universität in Bochum referierte darüber. Nach dem traditionellen Stehcafe begrüßte Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Quante die Frauen und sprach ein paar einleitende Worte zum Thema. Dr. Angelika Engelbert stieg anschließend in ihr Fachgebiet ein und beleuchtete die eigentlich bekannte Thematik, die aber, wie es heute immer noch scheint, nicht oft genug wiederholt werden kann, um irgendwann zu ihrem Ziel zu kommen.

In einem kurzen Ausflug in die Geschichte erklärte Angelika Engelbert, dass es in früherer Zeit feste Strukturen gegeben habe, „Wer hat wann was zu tun“. Alles war übersichtlich geordnet und ließ keinen Raum für Interpretation. „Dann wurde irgendwann dieses Muster aufgebrochen“, so Angelika Engelbert – Frauen blieben nicht länger ausschließlich zu Hause, sie wurden erwerbstätig, Männer waren nicht länger die alleinigen Ernährer der Familie, es wurde auch plötzlich anderes, Kinderbetreuung und Hilfe im Haushalt, von ihnen erwartet.

Behalf man sich zunächst noch in der Kinderbetreuung mit Oma und den starren Öffnungszeiten der Kindergärten, so ist heute die Frage: Welche Kita kommt dem Zeitmanagement (meistens dem der Frau) am ehesten entgegen. „Auch heute ist es noch so, dass der Mann Vollzeit arbeitet und nur wenig Anteil an der Familienarbeit hat. Er kann sich einen Teilzeitjob auch nicht wirklich vorstellen“, so Engelbert.

Die Zeit in der Familie muss ausbalanciert werden. „Die Zeitvorgaben im Leben jedes Einzelnen geben hierbei schon die Richtung vor, sind die Taktgeber im Leben“, so Engelbert. Ein großes Thema in den Familien sei auch der Zeitmangel in den Beziehungen – die Zeit, die Paare für einander haben sollten, bleibt oft auf der Strecke. „Ganz unterschiedlich bewerten Mann und Frau den allgemeinen Zeitmangel. Männer wünschen sich mehr Zeit für die Familie, Frauen wünschen sich mehr Zeit für sich selbst“, erklärte Angelika Engelbert. Das schlechte Gewissen ist wohl bei beiden Geschlechtern ständiger Begleiter. Die Familie kommt zu kurz und die dringend benötigten Auszeiten zum Kraft schöpfen fallen der Familienarbeit und dem Beruf anheim.

Angelika Engelbert von der Interdisziplinären Regionalforschung der Ruhr-Universität Bochum wusste zu berichten, dass die Diskrepanz zwischen Wollen und Können inzwischen den Alltag in den Familien prägt und nur die Veränderung vieler, auch öffentlicher Strukturen auf lange Sicht helfen kann.

Den komödiantischen Teil des Neujahrsempfanges übernahm Jule Vollmer aus Witten, am Klavier begleitet von Elmar Dissingers, mit Teilen aus ihrem kabarettistischen Programm – „Zuckersüß und Bitterbös“. (Von Gaby Decker, neheim@sauerlandkurier.de)

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