1. SauerlandKurier
  2. HSK
  3. Bestwig

2G im Einzelhandel sorgt für Verständnis – aber auch Kritik

Erstellt:

Von: Daniela Weber, Stefanie Schümmer, Julia Kleinsorge

Kommentare

Zutritt nur für Geimpfte und Genesene: Im Einzelhandel gilt ab sofort die 2G-Regel.
Zutritt nur für Geimpfte und Genesene: Im Einzelhandel gilt ab sofort die 2G-Regel. © Daniel Reinhardt/dpa

Lange Schlangen vor den Geschäften? Genervte Kunden, überlastete Mitarbeiter? Mehraufwand bei Kontrollen? Umsatzeinbußen? Seit einigen Tagen gilt im Einzelhandel die 2G-Regel. Nur wer geimpft oder genesen ist, erhält Zutritt zu den Geschäften.

Meschede/Bestwig/Brilon/Olsberg/Marsberg/Willingen – Der SauerlandKurier hörte sich bei Einzelhändlern vor Ort um, welche Erfahrungen sie in den ersten Tagen gemacht haben.

Die jüngsten Corona-Maßnahmen sorgen bei den Unternehmen aus Einzelhandel, Gastgewerbe, Freizeitwirtschaft und Dienstleistungen für einen Umsatzeinbruch und gestiegene Kosten.

IHK Arnsberg

Das ist das Ergebnis einer Blitzbefragung der Industrie- und Handelskammer Arnsberg, Hellweg-Sauerland. 631 Unternehmen haben an der Befragung teilgenommen. Jedes zweite Unternehmen verzeichnet demnach einen Umsatzeinbruch.

Zusätzlich sorgen die 2G- und 3G-Kontrollen nicht nur für einen höheren Organisationsaufwand, sondern bei jedem zweiten Betrieb auch für höhere Kosten.

Trotz der Auswirkungen auf Kosten und Umsatz erzeugen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung und Vermeidung eines Lockdowns ein geteiltes Echo. 30 Prozent bezeichnen die Maßnahmen als „überzogen und bringen nichts“, 36 Prozent sagen „gerade richtig“ und 34 Prozent sagen sie seien „nicht ausreichend und sollten ergänzt werden“.

Modehaus Leisse

„Die neue Regelung ist ein zweischneidiges Schwert“, sagt auch Christian Leiße, Vorsitzender von Prima Brilon und Inhaber von Herrenausstatter und Damenmoden Leisse. „Positiver Aspekt ist, wir bieten dem Kunden die größtmögliche Sicherheit, weil nur geimpfte oder genesene Personen im Geschäft sind. Mit diesem Wissen fühlen sich viele sicher wohler. Aber natürlich bindet es unheimlich viel Personal. Wir bemühen uns, die Regeln perfekt umzusetzen. In Geschäften, in denen nur eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter arbeitet, muss für jede Kontrolle – auch wenn es wirklich schnell geht – das Verkaufsgespräch unterbrochen werden.“ Langfristig favorisiere er die Lösung mit einem Armbändchen. Das habe sich am vergangenen Wochenende bei der Breylsker Wintermeile in Brilon bewährt.

„Am heutigen Samstag werden wir es wieder so handhaben. Das heißt, der Impf- oder Genesenenstatus wird nur einmal kontrolliert, dann bekommt der Kunde ein Armband. Beim Bummel durch die Geschäfte muss dann nur noch das Armband gezeigt werden. Das erleichtert alles“, findet Leiße und wünscht sich die Armband-Lösung auch gerade für touristisch geprägte Orte wie Winterberg und Willingen: „Dort wäre es gut, wenn es für mehrere Tage gelten würde, beispielsweise von Freitag bis Sonntag. Das muss aber politisch noch geklärt werden.“

Mikado

Als „mittelschwere Katastrophe“ bezeichnet Steffi Brüschke vom Kreativ- und Bastellädchen Mikado in Olsberg die 2G-Kontrolle: „Die neue Regelung ist sehr umständlich und mit einem höheren Personalaufwand verbunden. Wir müssen jetzt immer zu zweit arbeiten.“ Die meisten Kunden seien jedoch sehr vorbildlich und hielten den Impfausweis bereit. Trotz der Maßnahme habe sie „gut zu tun“. Das liege auch an der neuen Kooperation mit der Olsberger Werbeagentur Medienbuffet, mit der Mikado die „Skylines“ der Ortsteile herausbringt.

Möbelmarkt Bestwig

Für Derya Eroglu, Geschäftsführerin vom Möbelmarkt Bestwig ist die 2G-Regel im Einzelhandel eine „gerechtfertige Maßnahme bei der sich dramatisch zuspitzenden Corana-Situation“, die in dem Möbelhaus in den ersten Tagen nicht zu einer sinkenden Kundenfrequenz geführt habe. Ein großer Aufkleber auf der Eingangstür weise auf die Regelung hin, vor Eintritt werde der Kunde vom Personal empfangen und kontrolliert. „Die Kunden gehen sehr verständnisvoll mit der Situation um und haben die erforderlichen Dokumente meistens vor dem Betreten des Einrichtungshaus zur Hand“, betont Eroglu.

Möbel Knappstein

Auch bei Möbel Knappstein läuft die Umsetzung reibungslos. Björn Schulte erklärt: „Wir haben eine Mitarbeiterin mit Scanner an der Tür, die die Kontrollen vornimmt. Das läuft reibungslos und geht schnell. Die Kunden müssen sich nur erstmal daran gewöhnen. Einige haben keinen Ausweis dabei. Im Großen und Ganzen klappt es aber gut“.

Schreibwaren Podszun

Positive Erfahrungen hat auch Natalie Vogel von Schreibwaren Podszun in Brilon mit der neuen Regel gemacht: „Die meisten Kunden sind sehr einsichtig und zeigen direkt ihre Ausweise – auch wenn diese nicht immer digital sind.“ Einen Unterschied zu vorher habe sie bisher nicht beobachtet.

Bücher Podszun

Im Gegensatz zum Schreibwarengeschäft zählt die Buchhandlung Podszun zu den Geschäften des täglichen Bedarfs und ist von der 2G-Regelung ausgenommen. „Wir verkaufen Nahrung für Herz, Hirn und Seele“, betont Marianne Bange, Leiterin von Bücher Podszun in Brilon. „Bei uns gelten die regulären Masken- und Abstandregeln.“

Ausgenommen von 2G

Von der 2G-Regel ausgenommen sind laut Corona-Schutzverordnung der Lebensmittelhandel, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörakustiker, Tankstellen, Zeitungsverkaufsstellen, Buchhandlungen, Blumenfachgeschäfte, Tierbedarfsmärkte, Futtermittelmärkte, Gartenmärkte und der Großhandel. Auch Geschäfte mit Mischsortiment sind von der 2G-Regel ausgenommen, sofern sie überwiegend Waren des täglichen Bedarfs verkaufen.

Auch interessant

Kommentare