Bundesweite Woche der Ausbildung im Handwerk

Bäckerhandwerk hat im Sauerland weiterhin goldenen Boden

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Werben für den goldenen Boden im Handwerk: (von links) Berufsberater Dieter Haferkamp, Bäckermeister Peter Junker, Praktikant Marcel Titel, Verena Kurt von der Handwerkskammer Südwestfalen und Britta Wegener von der Agentur für Arbeit

Velmede/Hochsauerland. Der Duft von frischen Brötchen und knusprigem Brot in der Nase ist für viele verlockend: Doch trotz vieler Vorzüge hat der Beruf des Bäckers nicht den höchsten Stellenwert in der Beliebtheitsskala der Ausbildungsberufe. Im Rahmen der bundesweiten Woche der Ausbildung wurden in der Bäckerei Adolph in Bestwig-Velmede die Ausbildungs- und Berufschancen im Handwerk in der hiesigen Region dargestellt und ein expliziter Einblick in das Bäckerhandwerk und dessen goldenen Boden im Sauerland gegeben.

"Es gibt gute Gründe den Beruf des Bäckers zu ergreifen. Wir müssen zwar nachts um zwei Uhr anfangen zu arbeiten, dafür haben wir aber auch schon am Vormittag um zehn Uhr Feierabend. Nach zwei Stunden Schlaf können wir die Kinder vom Kindergarten abholen und anschließend viel Zeit mit der Familie verbringen“, stellt Peter Junker, Inhaber der Bäckerei Adolph, einen der vielen Vorteile heraus. Aber nicht nur die familienfreundliche Arbeitszeit spricht für den Beruf. Guter Verdienst, geregelte Zeiten (keine Schichtarbeit), kurze Wege (denn in den meisten Ortschaften gibt es einen Bäcker), die hohe Nachfrage nach Fachpersonal und somit eine gesicherte Zukunft sowie das hohe Maß an Abwechslung sprechen für den Beruf. 

Doppelt so viele Stellen wie es Bewerber gibt

Britta Wegener von der Agentur für Arbeit Meschede ergänzte: „Es gibt doppelt so viele Stellen im Bäckerhandwerk wie es Bewerber gibt. Man kann sich im Hochsauerlandkreis fast den Betrieb aussuchen, wo man arbeiten möchte. Bäckermeister Peter Junker stellte heraus: „Der Beruf des Bäcker verspricht Zufriedenheit. Wir produzieren die Backwaren vom Rohstoff bis hin zum fertigen Produkt. Das ist viel erfüllender als wenn man nur einen kleinen, immer gleichen Abschnitt in der Produktion tätigt. Wir sind nie hungrig, arbeiten in der warmen Backstube und haben jeden Tag frisches und gesundes Brot auf dem Tisch. Ein Bäcker wird meist übertariflich bezahlt, da die Gesellen abgeworben werden müssen. Wir setzen zudem Anreize wie beispielsweise ein eigener Firmenwagen, um überhaupt gutes Personal zu bekommen.“ 

Diese Eigeninitiative sei besonders wichtig, so Britta Wegener: „Die Betriebe müssen den Beruf attraktiver darstellen und Anreize schaffen wie beispielsweise den Führerschein anteilig zu bezahlen oder ein Mofa bereitstellen, da der öffentlich Nahverkehr nachts sehr schlecht ist.“ Um den Beruf des Bäckers noch mehr in den Vordergrund zu stellen und in der Beliebtheitsskala weiter voranzubringen, müssen zudem weiterhin Vorurteile abgebaut werden. Zusätzliche Anreize durch Werbefilme und soziale Netzwerke sollen geschaffen sowie die Zukunftsperspektiven hinsichtlich Selbstständigkeit und Weiterbildung herausgestellt werden. 

"Auch schulmüde Kinder müssen ins Handwerk gebracht werden"

Darüber sind sich auch Verena Kurth von der Handwerkskammer Südwestfalen und Dieter Haferkorn, Berufsberater der Agentur für Arbeit Marsberg/Olsberg, einig. „Schulmüde Kinder müssen abgeholt und ins Handwerk gebracht werden. Dort entwickeln sie sich sehr vorteilhaft. Sie werden selbstbewusster und aufgeschlossener, lernen mit Menschen umzugehen“, so Verena Kurth.
Berufsberater Dieter Haferkamp ergänzt: „Im achten und neunten Schuljahr kommen wir mit den Schülern in Kontakt. Wir gehen in die Klassen oder laden sie zu uns in die Agentur ein, geben Informationen, zeigen Filme über die Berufe und lassen die Schüler sich selbst erkunden. Wir richten uns nach ihren Stärken und Interessen, durchleuchten die Stellenangebote beziehungsweise beraten über Alternativberufe. Alle vier Wochen informieren wir die Schulen über offene Stellen.“

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