Gedenken wachhalten

Bergkloster-Schüler gedenken mit Landtagspräsident Befreiung des KZ Auschwitz

Landtagspräsident André Kuper stand den Schülern auch nach der Veranstaltung noch Rede und Antwort.
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Landtagspräsident André Kuper stand den Schülern auch nach der Veranstaltung noch Rede und Antwort.

Bestwig - Über 500 Schüler des Berufskollegs Bergkloster Bestwig gedachten jetzt in der Klosterkirche der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Und sie hatten einen ganz besonderen Gast eingeladen, der auch gerne kam: der nordrhein-westfälische Landtagspräsident André Kuper.

Er betonte: „Freiheit und Demokratie sind der einzige Weg für eine Zukunft in Frieden und Menschlichkeit. Dabei führt der Weg zum ‘Morgen’ vor allem über die Bereitschaft, sich dem ‘Gestern’ zu stellen.“ An die Jugendlichen und junge Erwachsenen appellierte er, jedem Ansatz von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten und klar Position zu beziehen: „Ganz egal, ob in der Schule, im Freundeskreis oder im Sportverein. Denn wir müssen uns klar machen: Auch in der Nazi-Zeit waren nur fünf Prozent der Bevölkerung Täter. Aber 95 Prozent waren die schweigende Masse. Soweit darf es nie wieder kommen.“

Kuper hatte im vergangenen Oktober in Auschwitz eine 31-köpfige Gruppe aus dem Berufskolleg Bergkloster Bestwig kennengelernt. Das Landtagspräsidium war dort zeitgleich mit den Schülern zu Besuch gewesen und mit ihnen ins Gespräch gekommen. Die Eindrücke von der Fahrt zu der Gedenkstätte im vergangenen Oktober sitzen bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sie miterlebten, noch tief. Das wurde in der Gedenkfeier deutlich.

Sehr persönlich schilderten sie ihre Eindrücke von der Besichtigung. „Das Gefühl der Trauer und der Wut übermannte mich innerhalb von Sekunden. Der elektronische Guide erzählte irgendetwas. Aber ich konnte gar nicht zuhören“, erinnert sich Leonie Happe. Während des Rundgangs sei ihr immer bewusst geblieben, dass sie hier ja wieder herauskäme: „Aber diesen Gedanken gab es nicht für die Menschen, die hierhin deportiert worden waren.“

"Das Thema hat uns als Schule gepackt"

Pauline Hanfland hatte ein Gedicht im Stile eines Poetry-Slam-Beitrages verfasst. Und die beiden Schülerinnen Marlene Esten und Lea Marie Ferreira da Conceicao trugen eigene Geschichten vor, die die Deportation der Juden und ihre Repressalien im Konzentrationslager beschrieben. Lehrerin Ilona Mathes hatte Kontakt zu der jüdischen Pianistin Rimma Gotlib und der Sängerin Dr. Ulrike Mellert aufgenommen. Sie bereicherten die Gedenkstunde mit jüdischen Liedern.

Die über 500 Schüler und Lehrer saßen dicht gedrängt in der Kirche, teilweise sogar auf dem Boden – und dennoch blieb es zwei Stunden lang still im Raum. Christoph Recker stellte angesichts dieser Atmosphäre fest: „Das Thema hat uns als Schule gepackt. Und es lässt uns nicht wieder los.“ Den Schülern machte er klar: „75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz wird dies das letzte große Jubiläum sein, das wir mit Zeitzeugen begehen. In Zukunft liegt es an Euch, dieses Gedenken wach zu halten.“

Pauline Hanfland und Leonie Happe gehören zu jenen, die entschlossen sind, das zu tun. Leonie Happe sagt: „Ich bin überwältigt von der Resonanz auf den heutigen Tag. Das gibt mir Mut und Hoffnung, dass so etwas nie wieder passiert.“

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