Macht und Ohnmacht der Magie

Bestwiger Autorin veröffentlicht gesellschaftskritischen Fantasy-Roman

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Die junge Autorin Monika Loerchner, gebürtige Bestwigerin, präsentiert ihren Debütroman.

Bestwig/Leipzig. Weltfrauentag? Equal-Pay-Day? Frauenquote in Führungspositionen? Auf all diese vermeintlich emanzipatorischen Errungenschaften verzichtet die junge Autorin Monika Loerchner aus dem Sauerland in ihrem Debütroman „Hexenherz. Eisiger Zorn“ gleich ganz. Der Grund dafür ist so einfach wie bemerkenswert: In der fiktiven Erzählwelt des Goldenen Reiches sind die Frauen den Männern gegenüber von Natur aus überlegen, weil sie über Magie verfügen, und sich so eine Weltordnung schaffen konnten, in der nun die Herren der Schöpfung das schwächere Geschlecht sind. So ist ein Fantasy-Roman entstanden, der mit seiner entlarvenden Gesellschaftskritik nicht nur zum Lesen sondern auch zum Nachdenken anregt.

Zum Inhalt: Europa, 1466: Als die Hexenverfolgung immer weiter um sich greift, schreitet die bisher geheime Elite der Hexen ein und offenbart: Jede Frau ist der Magie fähig! 550 Jahre später wächst die junge Hexe und staatstreue Gardistin Helena in einer Gesellschaft heran, in der die Vorherrschaft der Frauen unumstößlich scheint. Sie träumt davon, weiter im Dienst der höchsten Hexe, der Goldenen Frau, aufzusteigen. Doch als sie Opfer einer Intrige wird und fliehen muss, gerät sie in die Fänge von Rebellen. Denn auch das stärkste Regime hat seine Fehler – und seine Feinde.

„Da ich selbst ein großer Fantasy-Fan bin, wollte ich mit dem Buch eine ganz neue, magische Welt erschaffen. Und zwar nicht irgendwo, sondern hier, mitten in Deutschland“, erklärt Autorin Monika Loerchner. Für die gebürtige Bestwigerin ist „Hexenherz – Eisiger Zorn“ zwar ihr Debütroman, Erfahrungen im Schreiben hat sie dennoch schon reichlich gesammelt. Bereits als Schülerin begann Monika Loerchner, Kurzgeschichten zu schreiben und sich damit bei diversen Wettbewerben zu bewerben – überaus erfolgreich, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. „Ein Leben ohne selber zu lesen und zu schreiben ist für mich nicht vorstellbar. Wenn ich schreibe, bin ich“, sagt die junge Autorin, aus deren Feder auch das Ende 2015 geschriebene Theaterstück „Ein Winterberger Winterkrimi“ stammt. Auf die Bühne gebracht wurde es bisher allerdings noch nicht. „Aber vielleicht ändert sich das ja noch“, erklärt die 34-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Lesung morgen auf Leipziger Buchmesse

Was sich zweifelsohne bereits geändert hat, ist der Bekanntheitsgrad der Sauerländer Newcomerin in der Literaturszene. Das liegt nicht zuletzt an ihrem im Februar erschienenen Erstlingswerk, welches sie an diesem Wochenende im Rahmen der Leipziger Buchmesse bei gleich zwei Lesungen und einer Signierstunde vorstellen darf. Die zweite Lesung findet am morgigen Sonntag, 26. März, von 12.30 bis 13 Uhr beim Read&Greet in Halle 5 der Buchmesse in Leipzig statt.

Damit schließt sich für Monika Loerchner ein Kreis: Denn auf eben jener Buchmesse nahm der Roman „Hexenherz – Eisiger Zorn“, der auf einer ihrer eigenen Kurzgeschichten basiert, im vergangenen Jahr seinen Anfang. Nach einem Speed-Dating mit Verlegern vor Ort wurde die zweifache Mutter als nur eine von elf aus über 60 Autoren mit einem Vertrag ausgestattet. Am Ende bekam der acabus Verlag in Hamburg den Zuschlag.

Ein Buch aus dem Genre "Alternative History-Roman"

Und so entstand ein Buch, das Monika Loerchner in nur fünf Monaten geschrieben hat und welches sie selbst in das Genre „Alternative History-Roman“ einordnen würde.  Für den „History“-Anteil (also den geschichtlichen Stoff) setzte sich die junge Autorin dabei intensiv mit der europäischen Historie und der allgemeinen Weltgeschichte auseinander. Dass das nicht immer Spaß gemacht hat, bekennt die Nachwuchsautorin freimütig. „Wenn man ein ganzes Wochenende mit Nazis, Apartheid und der Rolle der Frau in Regimen verbringt, hat man erstmal keine gute Laune“, so die 34-Jährige schmunzelnd. Dennoch durchzieht das Buch eine Zeitachse, die mit der Zeit der Hexenverfolgung 1466 beginnt und sich bis etwa 1700 fortsetzt, wobei historisch reale Ereignisse hier der Handlung entsprechend fiktiv abgeändert werden. Deshalb tauchen auch Persönlichkeiten wie Heinrich VIII., Papst Innozenz oder Caterina de´ Medici in ungewöhnlichem Kontext auf. Auch der große Reformator Martin Luther hat einen eher „kopflosen“ Auftritt – er wird kurzerhand hingerichtet. Der Fortschritt der Wissenschaft kommt wiederum gänzlich zum Stillstand, stattdessen richtet sich die gesamte Gesellschaft nach den Möglichkeiten der Magie.

Magie liegt durch Fruchtbarkeit ausschließlich in den Händen der Frauen

Und dass diese Magie ausschließlich in den Händen der Frauen liegt, stellt den entscheidenden „Alternative“-Anteil an diesem Fantasy-Roman dar, der das Buch so ungewöhnlich macht. Denn berauscht von ihrer neuentdeckten Macht löschen die Frauen das vorherrschende Patriarchat aus und errichten eine neue Ordnung, in der die nun schwächeren Männer unterdrückt werden – ein unmissverständlicher Seitenhieb auf das aktuell vorherrschende gesellschaftliche Rollenbild. Diese bewusste Umkehrung der Verhältnisse wird transportiert durch die resolute Hauptfigur Helena, die mit ihrem machohaften und unkonventionellen Erzählstil eher unweiblich daherkommt, stets aber loyal zur höchsten Hexe steht. Monika Loerchner erläutert: „Helena ist sicherlich keine sympathische Hauptfigur, aber immer ehrlich. Die Frage ist: Was verzeiht man ihr? Bis wohin ist sie ein Kind ihrer Zeit/Welt und ab wann muss das eigenständige Denken einsetzen? Schließlich muss jeder irgendwann Rechenschaft ablegen – spätestens vor sich selbst“.

„Geschlecht bestimmt nicht den Charakter“

Überhaupt durchziehen gesellschaftskritische Themen die gesamte Handlung. Die Tatsache, dass Frauen ihre Magie aus ihrer Fruchtbarkeit beziehen und nur während ihrer Periode Macht ausüben können, stellt sie zwangsläufig vor die Frage: Nachwuchs oder Magie? Im übertragenen Sinne heißt das: Kind oder Karriere? Auch die Frage nach Diskriminierung und Stigmatisierung scheint immer wieder durch. So sind unfruchtbare Frauen im Goldenen Reich nichts wert, weil sie keine Magie ausüben können. Vor allem aber sind es die Männer, die hier unterdrückt werden.

Als Feministin sieht sich die Autorin deswegen aber nicht: „„Ich bin keine Feministin, ich bin ein Mensch“, sagt Monika Loerchner und erklärt, das nicht das Geschlecht den Charakter bestimmt sondern der Mensch selbst: „Die Welt wäre nicht besser, wenn Frauen an der Macht wären. Das zeigt mein Buch eindeutig. Darum war es mir auch besonders wichtig, gewisse Werte zu vermitteln: Grausamkeit, Machtgier und Gewalt haben viele Gesichter, aber kein Geschlecht. Freundlichkeit, Güte und Anstand zum Glück aber auch nicht.“

Info: Angaben zum Buch:
Monika Loerchner Hexenherz. Eisiger Zorn Buch: ISBN 978-3-86282-456-4 Epub-E-Book: ISBN 978-3-86282-458-8 PDF-E-Book: ISBN 978-3-86282-457-1 Buchpreis: 15 Euro, E-Book-Preis: 5,99 EUR 440 Seiten, Paperback 21,0x 13,8 cm

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