Wegen versäumter Fristen

Dorfladen vor dem Aus? Ramsbeck bekommt keine eigene Poststelle mehr

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Leerstand mit Konfliktpotenzial: Der Dorfladen in Ramsbeck soll keine eigene Poststelle mehr erhalten. Das Nachfolgeprojekt ist ins Stocken geraten.

Ramsbeck - Hiobsbotschaft für alle Ramsbecker: Nachdem bereits Ende Dezember vergangenen Jahres der beliebte „Tante-Emma-Laden“ (Nah&Frisch-Markt) unter der Leitung von Anja Nölke seine Pforten schloss, ist nun auch das geplante Nachfolge-Projekt ins Stocken geraten. Die vorgesehene Poststelle wird es vor Ort jedenfalls nicht geben.

„Das Vorhaben scheiterte letztlich daran, dass die benötigten Unterlagen nicht fristgerecht herbeigebracht werden konnten“, erklärt eine sichtlich frustrierte Bauingenieurin Sibylle Reker-Vogel. Bis heute habe sie nach eigenen Angaben weit über 100 Arbeitsstunden in die geplante Neueröffnung des Dorfladens investiert, der mit verkürzten Öffnungszeiten als Geschäft mit Lotto- und Totoannahme, Post und Zigarettenverkauf sowie Marktstand mit frischem Gemüse in Eigenregie fortgeführt werden sollte. Für das Scheitern machen sich nun Hauseigentümerin und Dorfgemeinschaft gegenseitig verantwortlich.

Zur Erinnerung: Das Ramsbecker Projekt wurde 2019 unter dem Namen „Die alte Kirche – der etwas andere Dorfladen“ durch Initiative einiger Dorfbewohner ins Leben gerufen und war bereits sogar als Förderprojekt von Leader genehmigt, scheiterte jedoch in der ursprünglichen Version an der geforderten Eigenbeteiligung in Höhe von 35 Prozent. „Wir hätten für die erste Idee 80 Leute gebraucht, die sich mit 200 Euro beteiligen, damit das Leader-Projekt realisiert werden kann. Das hat leider nicht geklappt“, so Reker-Vogel.

"Ihr Konzept hat nicht überzeugt."

Einen Grund dafür sieht die Dorfgemeinschaft Ramsbeck im zu wenig schlagkräftigen Konzept der Bauingenieurin. „Ihr Konzept mit einer Feststelle und einer 450-Euro-Kraft hat nicht überzeugt. Zumal sie nicht konkret sagen konnte, wie beliefert wird. Darum wollten viele nicht mehr mit einsteigen“, erklärt Paul Schüttler stellvertretend für die Dorfgemeinschaft.

So entstand die abgespeckte Version mit der angestrebten Idee, zusätzlich ein Shop-in-Shop-System zu integrieren, um den Laden doch noch zu retten. Dies scheiterte, wie eingangs erwähnt, an den versäumten Fristen. „Dabei hatte Frau Reker-Vogel genug Vorlaufzeit, um die Fristen einzuhalten. Sie wusste Monate vorher von der Schließung des Ladens“, betont Paul Schüttler.

Die Bauingenieurin ihrerseits sagt: „Seit August stand ich telefonisch oder per Mail in ständigem Kontakt mit der Post. Ich hatte die Zusage, dass es weitergeht. Eine vorab geschickte Vertragsausfertigung lag vor. Der Lottovertrag ist am 3. Dezember 2019 unterschrieben worden.“ 

Dorfgemeinschaft auf Vorlaufzeit hingewiesen

Verkäuferin, Aushilfe und selbst die Lottotheke – alles habe parat gestanden. Gescheitert sei die Umsetzung letztlich an Unklarheiten bezüglich der genauen Firmenbezeichnung (GmbH, GbR, UG) sowie fehlender konkreter Anmeldung und Ansprechpartner. Dabei habe sie, so betont Reker-Vogel, die Dorfgemeinschaft auf der Dorfversammlung am 12. November 2019 eindringlich darauf hingewiesen, dass die Post neun Wochen Vorlaufzeit für die Einrichtung benötige und darum gebeten, einen Verein zu gründen, damit die Fristen eingehalten werden können.

„Bis dahin hatte ich die Post immer wieder vertröstet. Abgesprochen war schließlich mit dem zuständigen Vertriebsmanager telefonisch eine Betriebskündigung. Mir wurde gesagt, das wäre kein Problem, da es einen neuen Pächter gebe“, so die Bauingenieurin. Am 30. Dezember erhielt sie jedoch per Mail die Mitteilung, dass die Eröffnung der Poststelle neu geprüft werden müsse. Ein Nackenschlag, der am 8. Januar zu einem endgültigen Knock Out wurde. An diesem Tag teilte die Post Sibylle Reker-Vogel per Mail mit, dass es keine neue Poststelle geben werde. Begründung: Ramsbeck sei zu klein für eine derartige Einrichtung.

Poststelle in Ramsbeck "wirtschaftlich nicht relevant"

Der zuständige Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group, Achim Gahr, bestätigte dem Kurier auf Nachfrage, dass aufgrund der Betriebsschließung zum Ende des Jahres eine Prüfung in der Zentrale in Bonn stattgefunden habe. Die Filialsituation sei schließlich als „wirtschaftlich nicht relevant“ eingestuft worden. Gahr teilte weiterhin mit, dass derzeit noch geprüft werde eventuell einen Paketshop in Ramsbeck einzurichten.

Paul Schüttler wiederum verspricht: „Wir haben noch nicht aufgegeben, sprechen auch nochmal mit Anja Nölke. Wir suchen einen Betreiber, der mit der halbierten Angebotsversion sowie eventuell kürzeren Arbeitszeiten weitermacht.“

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