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Happy End für Familie Darbinyan: 288 Tage nach der Trennung ist die Familie wiedervereint

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Von: Claudia Metten

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Pure Wiedersehensfreude: Elina Darbinyan nimmt am Flughafen überglücklich ihr Schwesterchen Emeli in den Arm. © Claudia Metten

Velmede/Frankfurt. Es ist dunkel, nur das Licht der entgegenkommenden Fahrzeuge erhellt den Weg. Die Stimmung im Auto ist angespannt. Geredet wird wenig, jeder hängt seinen Gedanken nach. Nur das leise Schmatzen des kleinen Mädchens auf dem Rücksitz, das zufrieden in seinem Maxi Cosi sitzt, durchdringt die Stille. Es ist 7.50 Uhr und noch fast 150 Kilometer Wegstrecke sind zu bewältigen. Noch zwei Stunden sind zu ertragen, zwei Stunden, die sich im Vergleich zu den 288 Tagen der Trennung wie eine Ewigkeit anfühlen. Nona und Meruzhan Darbinyan (beide 42 Jahre) sowie die kleine, 11 Monate alte Emeli sind auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen, um ihre Tochter Elina abzuholen. Um ihr großes Mädchen nach fast zehn Monaten wieder in die Arme zu schließen und nach Hause zu bringen.

Rückblende: Die Geschwister Elina (21 Jahre) und Edgar Darbinyan (19 Jahren) wurden am 1. März morgens um 6 Uhr von zwei Frauen und vier Männern, fünf davon in Uniform, in Bestwig-Velmede abgeholt und zum Flughafen Köln/Bonn gebracht. Ihre Abschiebung nach Armenien stand bevor. Angekommen am Flughafen stürzte sich Edgar damals aus purer Verzweifelung sieben Meter in die Tiefe, Elina wurde ins Flugzeug abtransportiert und abgeschoben. Während für Edgar das Drama nach dem Krankenhausaufenthalt eine positive Wendung nahm und er inzwischen eine Ausbildung absolviert, standen die Zeichen für Elinas Rückkehr äußerst schlecht. 

Flugkosten durch Waffelaktion gedeckt 

Lange Wochen und Monate des Wartens und Hoffens standen bevor. Dank der Unterstützung durch das KinderRechteForum Köln wurden schließlich alle Missverständnisse, Verfahrensfehler und Ungereimtheiten aus dem Weg geschafft, sodass Elina das Visum für ihre Rückreise nach Deutschland erteilt werden konnte. Der Flug und alle damit verbundenen Kosten wurden durch die Einnahmen aus der großen Waffelbackaktion vom Studienkreis Olsberg, unter der Leitung von Gudrun Straberg, getragen. „Ich glaube kaum, dass sich jemand vorstellen kann, wie schlimm diese Situation für alle Familienangehörigen war. Das hätte man alles durch bessere Beratung und Zusammenarbeit verschiedener Stellen vermeiden können. Der Sachverhalt zeigt aber auch, dass alles möglich ist, wenn man nur will. Trotzdem bin ich froh, diesen Fall abschließen zu können. Ich bin überaus glücklich, dass Elina endlich wieder bei ihrer Familie ist“, erklärt Üwen Ergün, Geschäftsführer vom KinderRechteForum Köln.

"Gott sei Dank. Wir haben es geschafft."

Es ist 9.13 Uhr, nur noch 17 Kilometer bis zum Frankfurter Flughafen, bis zu Halle 2 in Terminal 1, wo die Armenierin Elina Darbinyan genau um 9.50 Uhr mit der Maschine aus Warschau, sie musste dort umsteigen, landen soll. Die Nervosität steigt, der Stau, der sich so kurz vor Frankfurt gebildet hat, trägt nicht dazu bei, die Stimmung zu erleichtern. Die kleine Emeli fängt an zu weinen, sie fühlt die Anspannung, den Druck, der sich immer weiter ausbreitet. Im Schneckentempo geht es die nächsten Kilometer weiter. Dann ist es soweit. Die Abfahrt zum Flughafen kommt immer näher. „Gott sei Dank. Wir haben es geschafft“, flüstert Mutter Nona vom Rücksitz aus mit Erleichterung in der Stimme.

Tränen der Erleichterung

Der Flughafen wird angesteuert. Schnell wird ein freier Parkplatz gesucht, die Rosen für Elina liegen griffbereit im Kofferraum. Im Eiltempo, mit der kleinen Emeli auf dem Arm, geht es dann zum Gate. Dort stehen bereits Elinas Freundinnen: Saime Islam, Luisa Bigge und Jane Prigoda mit Rosen und Luftballons zur Begrüßung in der Hand. „Ich kann es gar nicht mehr abwarten meine beste Freundin in die Arme zu schließen. Elina und ich haben jeden Tag stundenlang geskypt, um diese schlimme Zeit zu überstehen. Gleich sind wir endlich wieder vereint“, so Saime Islam. 

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Nach 288 Tagen Trennung sind die Darbinyans aus Velmede wieder eine glückliche, vereinte Familie. © Claudia Metten

Die Maschine aus Warschau ist inzwischen gelandet. Das Warten nimmt kein Ende. Dann endlich der Moment des größten Glücks. Die Tür öffnet sich und Elina kommt mit ihrem blauen Koffer den Gang entlang. Nona und Meruzhan Darbinyan schließen nach fast zehn Monaten ihre große Tochter in die Arme. Die kleine Emeli erkennt ihre große Schwester, streckt ihr die Ärmchen entgegen. Die großen, dunklen Augen von Nona füllen sich mit Tränen. Diesmal mit Tränen der Freude, der Erleichterung, der Glückseligkeit. Wie ein modernes Weihnachtsmärchen fühlt sich das Drama um Edgar und Elina, um Familie Darbinyan, an. Ein Märchen, dass so kurz vor dem großen Fest doch noch zu einem wunderschönen Ende führt.

„Schlimmste Monate meines Lebens“ 

„Das waren die schlimmsten Monate meines Lebens so weit weg von meiner Familie und meinen Freunden. Ich war bei meiner Oma und habe ihr im Haushalt geholfen, für sie das Essen gekocht. Jeden Tag habe ich mit meinen Eltern, meinem Bruder Edgar und Emeli geskypt. Ich habe die Kleinen buchstäblich über das Internet aufwachsen sehen. Wir wurden getrennt als meine kleine Schwester einen Monat alt war. Ohne den täglichen Kontakt hätte ich diese Zeit nicht ausgehalten“, berichtet das zierliche Mädchen. Die Rückfahrt nach Hause fühlt sich kurz an, selbst der Stau trägt nicht dazu bei, die Stimmung zu trüben. Alle sind völlig entspannt, es wird viel geredet und gelacht. Die Augen von Elina, Nona und Meruzhan strahlen vor Glückseligkeit. Eine Familie hat endlich wieder zusammengefunden. Nur noch wenige Kilometer bis nach Hause.

Große Wiedersehensfeier

In Velmede wartet bereits Elinas Bruder Edgar. Der Tisch ist zur Begrüßung schon festlich gedeckt, das Essen steht vorbereitet im Ofen, der Kuchen für die große Wiedersehensfeier muss nur noch angeschnitten werden. Dann geht die Tür auf und schon fallen sich die beiden Geschwister, die genau 288 Tage getrennt waren in die Arme. „Ich bin so glücklich, dass Elina endlich wieder zu Hause ist und wir alle wieder zusammen sind“, presst der glückliche Bruder mit leuchtenden Augen hervor. 

Auch für Üwen Ergün, Leiter des KinderRechteForums in Köln, schließt sich mit dem Happy End der Kreis – zumindest in diesem Fall: „Auch wenn, es viel Arbeit war: Am Ende ist es doch nochmal gut gegangen. Damit wir aber auch in Zukunft Familien mit dem gleichen Schicksal unterstützen können, sind wir auf Spenden angewiesen.“ Elina selbst kann nun das Kapitel über die schlimmste Zeit ihres Lebens ein für allemal beenden und anfangen, ein eigenes Märchen zu schreiben – der ihr zugesicherte Ausbildungsplatz macht es möglich. Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk für Familie Darbinyan. 

Wer das KinderRechteFroum in seinem Ansinnen unterstützen möchte, kann dies unter folgender Bankverbindung tun: DE 05 3705 0198 1933 1605 64 (IBAN), COLSDE33XXX (BIC). Alle Infos: www.kinderrechteforum.org

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