„Ampeln von Grün auf Gelb“

Tital als erste Firma im HSK mit Tageswarnstreik – Unternehmer verärgert

+
Schrieben in dieser Woche Geschichte: Die Beschäftigten der Firma Arconic legten erstmals im HSK für 24 Stunden die Arbeit komplett nieder. 

Bestwig/Wehrstapel. Jetzt macht die IG Metall ernst: Seit Dienstagabend 22 Uhr streiken bundesweit 370.000 Metaller in zahlreichen Betrieben, so auch in Bestwig bei der Firma Arconic, ehemals Alcoa Power and Propulsion Tital. Nachdem auch die fünfte Tarifrunde am vergangenen Samstag in Baden-Württemberg nach 16 Stunden Verhandlungen ergebnislos auseinander gegangen war, setzen die Gewerkschafter ihre Ankündigung nun um.

„Seit Dienstagabend 21.30 Uhr ruht die Produktion. Damit wird die Firma Geschichte schreiben. Denn Tital ist das erste Unternehmen, das sich an einem Tageswarnstreik im Hochsauerlandkreis beteiligt. Wir können uns auf die Belegschaft in den Tarifverhandlungen verlassen. Tital ist ein gutes Beispiel für die Berechtigung unserer Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn. Dem Unternehmen geht es wirtschaftlich gut. Das spiegelt deutlich die wirtschaftliche Lage in ganz Deutschland wieder“, so Wolfgang Werth, erster Bevollmächtigter der IG Metall Arnsberg. Er lobte die Geschlossenheit der Arbeitsniederlegung bei Tital. „Die Resonanz ist hervorragend und die nicht gewerkschaftlich Organisierten zeigen sich solidarisch“, betonte Werth.

Für sechs Prozent mehr Lohn, eine befristete 28-Stunden-Woche, Lohnausgleich von bis zu 200 Euro sowie ein Miteinander für Morgen und die Zukunft streikten die insgesamt 709 Metaller und 196 Metallerinnen aus dem Bestwiger Betrieb. „Die Arbeitgeber meinten, uns am Samstag ein Top-Angebot unterbreitet zu haben. Mit diesem 24-Stunden Warnstreik schalten wir im ersten Schritt die Ampel von Grün auf Gelb. Die Arbeitgeber müssen wissen, dass wir uns nicht mit ihrem provokativen Angebot von 3,5 Prozent für 27 Monate abspeisen lassen“, verdeutlichte Wolfgang Werth.

Unternehmerverband droht mit Klage

Harsche Kritik kommt indes vom UnternehmensverbandWestfalen-Mitte. „Die Ganztagesstreiks sind überflüssig, rechtswidrig und schädlich“, betonte der Vorsitzende Egbert Neuhaus. Er wirft der IG Metall vor, eine Lösung der laufenden Tarifrunde von vornherein nur nach verschärften Arbeitskampfmaßnahmen angestrebt zu haben. „Für eine derartige Eskalation habe ich kein Verständnis.“

Mit ihrer nach wie vor bestehenden Forderung nach einem Teillohnausgleich für ausgewählte Beschäftigtengruppen wolle die IG Metall erreichen, dass die Unternehmen Mitarbeiter für gleiche Arbeitsleistung unterschiedlich vergüten. Das sei eine im Kern rechtswidrige Forderung, für die nicht gestreikt werden dürfe. Neuhaus: „Aus diesem Grund werden wir über unsere Landesvereinigung Metall NRW gegen diese Maßnahme in einem Hauptsacheverfahren am Arbeitsgericht Frankfurt klagen. Stellt das Gericht eine Rechtswidrigkeit der Forderung und des Streiks fest, muss die IG Metall mit Schadensersatzforderungen in beträchtlicher Höhe rechnen.“ Neuhaus forderte die IG Metall auf, gemeinsam mit den Arbeitgebern alle Möglichkeiten auszuloten, doch noch zu einer tragfähigen Lösung in der Tarifauseinandersetzung zu kommen. In einem auf Arbeitskampf programmierten Tarifklima lasse sich ein vernünftiger und für beide Seiten tragfähiger Kompromiss jedenfalls nicht erreichen, so der Vorsitzende UnternehmensverbandWestfalen-Mitte.

Dass das Tischtuch noch nicht vollständig zerschnitten ist, erklärte Wolfgang Werth: „Am Wochenende wird der nächste Lösungsversuch in Angriff genommen“. Zunächst soll aber am heutigen Mittwochabend ab 22 Uhr bei der Firma Busch in Wehrstapel und Bestwig ebenfalls die Arbeit für 24 Stunden niedergelegt werden.

Tageswarnstreik bei Tital in Bestwig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare