Cronenberg bezieht klare Position

Kreisparteitag der FDP: "Wahl-Beben" in Thüringen beschäftigt das Sauerland

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Ein Bild, das für Empörung sorgte: Björn Höcke (rechts, AfD) gratuliert dem neuen Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP).

Föckinghausen/Hochsauerland – Mit großer Spannung erwartet wurde der Kreisparteitag der FDP am vergangenen Donnerstag im Hotel Waldhaus Föckinghausen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse im Thüringer Landtag und der damit verbundenen Rücktrittsankündigung von FPD-Politiker Thomas Kemmerich, der mit Stimmen der CDU und AfD als Ministerpräsident gewählt wurde, gerade einmal 24 Stunden später aber auch durch massiven bundespolitischen Druck sein Amt wieder zur Verfügung stellte, wurde die Kreispolitik zunächst zur Nebensache.

Die Rückstrittsankündigung stieß bei den Freien Demokraten im HSK auf kollektive Unterstützung. „Kein liberaler Ministerpräsident ist auf die Stimmen der AfD angewiesen. Für Kemmerich war eine Zusammenarbeit mit den Rechten ausgeschlossen“, stellte Carlo Cronenberg direkt zu Beginn der Sitzung heraus, nachdem der Bundestagsabgeordnete tags zuvor unmittelbar nach der Wahl noch auf seinem Facebook-Account „unserem Freund Thomas“ zu diesem „mutigen und wichtigen Schritt“ gratuliert hatte. Ein Statement, für das ihm unter anderem der heimische SPD-MdB Dirk Wiese Rückgratlosigkeit bezüglich dieses „inakzeptablen Vorgehens“ vorgeworfen hatte.

Nun mahnte Cronenberg in seiner Eröffnungsrede im Hinblick auf die Wahl und den wenig später erfolgten Rücktritt an, in dieser hitzigen Lage kühlen Kopf zu bewahren, da bereits öffentlich von „Dammbruch“ die Rede sei und auch die eigene Partei somit empfänglich für Parolen wäre. 

"Wir dürfen uns nicht von Extremisten spalten lassen"

Regelrecht echauffiert zeigte sich der heimische MdB über den Kommentar von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, der die FDP als „Marionetten der AfD“ betitelt hatte. Mit Blick auf die Christdemokraten warnte Cronenberg seine Partei: „Wir dürfen uns nicht von Extremisten spalten lassen und das Feld den anderen überlassen. Kemmerich wurde in geheimer Wahl gewählt. In Sachsen, Thüringen und Brandenburg hatte die AfD mit ihrer Zweitstimme 50.000 Stimmen mehr als die CDU“, so Cronenberg.

Der Arnsberger sprach weiter von einem „Tabubruch“, da AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke ein Rekordergebnis von 23,4 Prozent in Thüringen erzielt hatte. Angesichts der Tatsache, dass die Rechten und die Linken zusammen mehr als 50 Prozent der Stimmen erzielten hätten, gäbe es dort somit keine politische Mitte mehr.

Kritik an CDU: AKK lasse Führungsstärke vermissen  

„Linksaußen ist kein Stück besser als rechtsaußen. In einer Blitzumfage liegt die FDP bei sieben Prozent. Das ist besser als bei der Landtagswahl“, erklärte er bezüglich möglicher Neuwahlen, kritisierte aber zeitgleich, dass die Grünen sowie die SPD Thomas Kemmerich die Unterstützung verweigert hatten. Im Hinblick auf die CDU teilte er weiter aus, sprach davon, dass die Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) sowie Paul Ziemiak in ihrem eigenen Laden aufräumen müssten. Gerade AKK lasse die dringend benötigte Führungsstärke vermissen.

Bezog zu den Vorfällen in Thüringen klar Stellung und teilte kräftig gegen andere Parteien aus: Carlo Cronenberg, Kreisverbandsvorsitzender der FDP im HSK.


Carlo Cronenberg hob zudem in seiner Ansprache hervor, dass die FDP im Gegensatz zur AfD für Freiheit, Fortschritt, Freihandel, Toleranz und Selbstbestimmung stehe, die Medienlandschaft den Freien Demokraten derzeit aber nicht freundlich gesonnen sei. „Es hätte mich gefreut, das alles ohne die Medien zu besprechen. Klappe halten ist manchmal auch 'ne Möglichkeit.“ Für seine leidenschaftliche Eröffnungsrede erhielt der Bundestagasabgeordnete großen Beifall und viel Zuspruch.

Kein eigener Landratskandidat, Unterstützung für Dr. Karl Schneider

Im Anschluss an diese emotionale Debatte ging es zur Tagesordnung auf der Kreisparteitagssitzung über. Cronenberg lobte die konstante Mitgliederzahl von über 300 sowie den Zuwachs der FDP in Hallenberg um drei Mitglieder pro 1000 Einwohner. Weiterhin erklärte er, dass 39 kommunale Mandate im Kreistag 2020 kein Traumziel bleiben müssten.

Der Fraktionsvorsitzende Friedhelm Walter stellte anschließend die wichtigen lokalen Themen der FDP im Jahr 2020 vor, wobei hier insbesondere der Rettungsbedarfsplan im Hochsauerlandkreis, das Krankenhaus in Winterberg, die defizitäre Lade des Flughafens Paderborn, das Kinderkurheim auf Norderney sowie die anstehende Kommunalwahl im Fokus stünden. Zudem wurde empfohlen, keinen eigenen Landratskandidaten aufzustellen, sondern Dr. Karl Schneider (CDU) zu unterstützen.

Als Kreisverbandsvorsitzender wurde Carl Julius Cronenberg in seinem Amt bestätigt. Sein erster Stellvertreter ist nun Dr. Jobst Köhne, den Post der zweiten Vorsitzenden bekleidet Dr. Sabine Riechert-Rother.

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