Fußball spielende Männer wurden anfangs belächelt

Die Mannschaft des Velmeder TV Mitte der 20er Jahre: Josef Humpert, Paul Stratmann, Rudolf Senger, Heinrich Häger, Josef Pieper, Jupp Humpert, Willi Rickes, :; vorn: Josef Schnier (Huberts); Willi Erlmann und Paul Hengsbach. Foto: privat

100-jähriges Jubiläum des TuS Velmede/Bestwig — Blick zurück

Bestwig. (SK)

100 Jahre Fußball in Velmede/Bestwig bedeuten auch Jubel und Freude bei Siegen, Niedergeschlagenheit und Frust bei Niederlagen. Nicht immer endete ein Spiel so, wie es geplant war und manchmal schien es, als wenn nun endgültig das Buch zugeschlagen würde. Doch immer wieder fanden sich Männer, die den TuS in die richtige Spur brachten. Als Heinrich und Karl Brüggemann, Karl Buckemüller, Karl Dransfeld, Ferdinand Fröndhoff, Freiherr von Lüninck und Otto Schütte 1907 den SV 07 Bestwig gründeten, konnte keiner dieser Pioniere wissen, wie viel Emotionen in dem Doppelort durch diese Sportart geweckt würden. Am Anfang hatten es die Kicker nicht leicht, denn an der Ruhr wurde Leibesertüchtigung ausschließlich mit Turnen in Verbindung gebracht.

Die Männer, die dem runden Leder hinterherjagten, wurden im besten Fall belächelt oder als Proleten beschimpft. Die gesellschaftliche Anerkennung blieb dem SV 07 lange verwehrt, was allerdings nicht verwundert, denn auch Staat und Kirche waren, vorsichtig ausgedrückt, sehr kritisch gegenüber der neuen Sportart eingestellt. Der Pastor befürchtete, dass der Sonntag nicht mehr heilig war, denn an diesem Tag wurde gebolzt und die Politik stand in den Zeiten des militärischen Hochrüstens und der Gründung von Kolonien im Clinch mit dem Mutterland des Fußballs: England. Und alles, was von der Insel kam, wurde äußerst kritisch beäugt. So war es kein Wunder, dass die Kicker sich sogar als Vaterlandsverräter beschimpfen lassen mussten. So entwickelte sich der Fußball also erst einmal nur in Bestwig, während der Velmeder Turnverein sich sehr distanziert verhielt. Noch hatte diese neue Sportart auch nicht den Zulauf wie in der heutigen Zeit, denn meist traten Arbeiter, Schüler und Studenten vor den Ball und deren Arbeits(Schul)-zeiten ließen nicht viel Raum zur Ausübung ihres Hobbys.

Wende nach dem Ersten Weltkrieg

Der erste Sportplatz lag hinter der Bahn auf dem Gelände der heutigen Firma Klostermann. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs, was damals sehr wichtig war. Das meistgenutzte Beförderungsmittel war die Bahn, und wenn die Gastmannschaften angereist waren, wollten diese natürlich nicht noch kilometerweit laufen. Die Wende wurde nach dem Ersten Weltkrieg eingeläutet: Die soziale Struktur änderte sich, die Arbeitszeiten in den Firmen wurden kürzer, die Beschäftigten strömten in die Sportvereine. In Bestwig sah es erst einmal nicht gut aus für den SV 07.

Doch der Vorsitzende Heinz Schütte schaffte es mit viel Fleiß, dem Club wieder Leben einzuhauchen, und es begannen "die Goldenen Zwanziger Jahre". Gleich im ersten Anlauf glückte der Aufstieg aus der C- in die B-Liga. Die Klasseneinteilung war mit heute nicht zu vergleichen. Denn, wie bereits erwähnt, es gab nicht so viele Vereine, die Szene war erst im Entstehen. Die Reisen führte das Team der Bestwiger nach Lüdenscheid, Letmathe, Gevelsberg oder Marsberg.

So war es nicht verwunderlich, dass der SV 07 zu einer erstklassigen Adresse im Sauerland wurde. Augenzeugen erzählten viele Jahre später, dass drei Senioren- und zwei Jugendteams die blau-weißen Farben vertraten.

Zudem tauchte noch eine andere Truppe auf: Deutsch-Jugend-Kraft, kurz DJK, Velmede stellte ebenfalls ein Team. Allerdings kickten diese Neugründungen nicht unter dem Dach des DFB, sondern in eigenen Ligen.

Doch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war es mit der Vielfalt an Ruhr und Valme vorbei. Die DJK wurde verboten, VTV und SV 07 zum TuS fusioniert. Das bekam dem Verein nicht schlecht. Die Senioren spielten in der A-Liga, eventuell zu vergleichen mit der heutigen Landesliga, während die Jugend ebenfalls für Furore sorgte. Gleich drei Jahre in Folge errangen die A-Junioren den Bezirksmeistertitel und ihr Ruf drang weit über die Grenzen des Sauerlands hinaus.

Wie es nach dem Zweiten Weltkrieg weiterging, lesen Sie in der Ausgabe am kommenden Mittwoch

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