Versäumnisse bei der Planung, Tempolimit, geringe Anmeldezahlen

Hiobsbotschaft für Motorsportfans: Sauerland Bergpreis Historic findet nicht statt

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Auf Benzin im Blut und dröhnende Boliden müssen die Motorsportfreunde im Sauerland dieses Jahr leider verzichten.

Ramsbeck/Nuttlar - Qualmende Auspuffrohre, aufheulende Motoren oder quietschende Reifen wird es in diesem Jahr vom 23. bis 25. August auf der legendären Rennstrecke zwischen Nuttlar und Kallenhardt nicht geben. Zum zehnjährigen Jubiläum des internationalen ADAC Sauerland Bergpreis Historic teilt der Veranstalter auf Anfrage des SauerlandKurier mit, dass die Veranstaltung am Originalschauplatz in Nuttlar nicht wie geplant stattfinden wird. Hintergrund sind geringe Anmeldezahlen und strenge Auflagen.

„Das ist ein Kampf gegen Sicherheitsvorschriften. Die Auflagen sind zu hoch und wir können nicht gewährleisten, dass keine Zuschauer durch den Wald an die Strecke kommen“, erklärt Peter Tembusch vom MSC Bergstadt Rüthen. „In der Kürze der Zeit sind alle Auflagen nicht umsetzbar. Allein bis zum Ortstermin hat es ewig gedauert. Zudem hat Straßen NRW vorgeschrieben, dass die Fahrer nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometer fahren dürfen, in Ramsbeck waren es die letzten fünf Jahre immer 70 km/h.“ Dadurch bedingt seien deutlich weniger Anmeldungen zu verzeichnen gewesen, als in den Vorjahren. 

"Das Risiko ist hier einfach zu groß"

Die Geschwindigkeitsbegrenzung bestätigt Rainer Schütte vom Landesbetrieb Straßen NRW. Er erklärt: "In Ramsbeck durften die Fahrer durchschnittlich 70 km/h fahren, weil das eine Kreisstraße ist. In Nuttlar finden wir eine Landesstraße vor, somit fällt das in unseren Verantwortungsbereich. Das Risiko ist hier einfach zu groß, es sind schon die merkwürdigsten Geschichten passiert. Solange wir rechtlich die Verantwortung tragen, wird es keine höhere Geschwindigkeit als 60 km/h auf der Strecke zwischen Nuttlar und Kallenhardt geben. Wenn dem Veranstalter das zu langsam ist, muss er eben wieder nach Ramsbeck gehen." 

Doch das ist nicht der einzige Sicherheitsaspekt, der ein Problem birgt. Auch Missverständnisse mit der Polizei aufgrund von Bauelementen, die zur Sicherheit der Fahrer dienen sollen, haben den Veranstalter zur Absage des Kult-Rennens bewogen. Zudem sei das kommerzielle Risiko, eine Veranstaltung in dieser Dimension vorzufinanzieren einfach zu hoch, die Hürden so kurzfristig nicht zu nehmen. „Wir müssen etwa für das Rote Kreuz und die Streckenabnahme bis zu 15.000 Euro vorschießen. Für diese Summe gibt es einfach zu wenige Anmeldungen bisher", so Peter Tembusch.

Misstände bei der Organisation

Dass die Anmeldezahlen in diesem Jahr zu gering sind, hat nach Ansicht eines teilnehmenden Rennfahrers allerdings noch andere Gründe. Er weist auf einige Missstände bei der Organisation hin: „Im letzten Jahr hat es zahlreiche Probleme gegeben. Fehlende Toiletten, von 2017 publizierte Zuschauerflächen auf der Homepage www.sauerlandbergpreis.de, an denen sich die Besucher 2018 orientiert haben, sowie mangelnde Absperrungen sind weitere Gründe“, so der Rennfahrer (Name der Redaktion bekannt) . „Weder Anwohner, Waldbauern noch Förster wurden im vergangenen Jahr angesprochen. Es gab keine Parkgenehmigungen, Umleitungsschilder oder abgesperrte Wege. Die Autos standen am Straßenrand und bekamen letztendlich sogar ein Knöllchen. Der Knüller war allerdings, dass vom Nürburgring extra eine Streckensicherung für teures Geld kommen musste, da der Veranstalter versäumt hatte, die Feuerwehr mit ins Boot zu holen. Ohne diese Streckensicherung hätten die Fahrer gar nicht starten dürfen.“ 

"Es hat Versäumnisse gegeben"

Auch zu diesen Vorwürfen nimmt Peter Tembusch explizit Stellung. Er räumt Fehler ein, setzt sich aber auch zur Wehr: „Im letzten Jahr hat es einige Versäumnisse hinsichtlich Parkplätzen und Absprachen gegeben. Wir haben jedoch den Anwohnern Eintrittskarten für freie Durchfahrt gegeben. Die Feuerwehr wurde zu spät informiert, teilte dann jedoch mit, dass sie aufgrund der Waldbrandgefahr an einem anderen Platz stehen müsse. Damit war für uns die Sicherheit nicht gewährleistet, sodass ein Fahrzeug vom Nürburgring kommen musste.“ Hinsichtlich fehlender Toilettenwagen betonte Tembusch, dass sowohl beim Catering als auch im Fahrerlager jeweils ein Wagen gestanden habe. 

Neuer Versuch im kommenden Jahr

Trotz unterschiedlicher Ansichten bedauern allerdings alle Beteiligten, dass Motorsportfreunde und Adrenalinjunkies in diesem Sommer nicht auf ihre Kosten kommen und dieses besondere Kribbeln etwa während der „Berggleichmäßigkeitsprüfung“ spüren dürfen. Deshalb gibt sich der Veranstalter des Sauerland Bergpreis Historic am Ende auch versöhnlich. Tembusch verspricht: "2020 gehen wir die ganze Veranstaltung wieder neu an“. 

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