Schmickler rechnet in Bestwig mit Angstmachern ab

Balance zwischen Sarkasmus und Ironie

Wilfried Schmickler möchte nicht, dass sein Wasserkocher ein Verhältnis mit dem Kronleuchter hat. Seine klaren Worte fanden beim Publikum viel Beifall. Foto: Kultur Pur/Ulrich Bock

Bestwig. Für den Untergang des Abendlandes blieb jetzt in Bestwig keine Zeit: Zwei Stunden lang rechnete der Kabarettist Wilfried Schmickler vor 360 Besuchern im Bestwiger Bürgersaal mit den Angstmachern ab. „Die Flüchtlinge nehmen uns nichts weg. Wohl aber die Banken, die Unternehmen, die keine Steuern zahlen, Schmarotzer und Wirtschaftsflüchtlinge“, wettert Schmickler.

Es sei völliger Unsinn, Angst vor dem Untergang des Abendlandes zu haben: „Warum? Angst vor Bombardierungen, vor Hungersnöten, vor Seuchen? Bevor ich Opfer eines Terroranschlages werde, verrecke ich in einer Karambolage am Ende eines Staus auf der A1.“ Bei der Frage, wer oder was zu Deutschland gehöre, könne man ebenso über den Köttbullar diskutieren: „Was ist der Köttbullar in Wahrheit? Was sind die substanziellen Grundlagen, die dieses allerletzte Glied in der Nahrungskette ausmachen? Schwein? Rind? Pferd? Elch? Die Wahrheit kennt kein Mensch, außer dem Propheten des globalen Köttbullarismus, Ingvar Feodor Kamprad aus Församlinig.“ Aber der Ikea-Gründer habe ja nun auch den Imbus abgegeben. Ganz wesentlich trügen zu der Stimmungsmache gegen Überfremdung die sozialen Medien teil. Schmickler hadert mit dieser digitalen Welt, in der das Menschliche zusehends verloren geht: „Ich kenne Leute, die gehen gar nicht mehr vor die Tür, sondern hocken nur noch vor dem Computer und machen irgendwelche Rollenspiele, in denen sie vorgeben, jemand zu sein, der sie sein wollen, aber gar nicht sind, in einer Welt, die es eigentlich gar nicht gibt, in der sie dann tun, was sie tun würden, wenn sie der wären, der sie vorgeben zu sein.“

Vieles zwischen den Zeilen lesen 

Absurd sei auch der Online-Handel, bei dem sich manche einen ganzen Kleiderschrank zu Anprobe bestellen und dann nach „Einmal Tragen“ wieder alles zurückschicken: „Es soll ja Pläne geben, den gesamten Versandhandel in die Kanalisation zu verlegen. In Zukunft brettern die Lieferanten mit Schutzanzug und Gasmaske in eigens konstruierten Amphibien-Transportern durch die Abwasserrohre und an jedem Gullydeckel wird angehalten und ausgeliefert.“ Das macht Schmickler aus: Seine Balance zwischen offensichtlichem Sarkasmus und feinsinniger Ironie. Er kann seiner Wut lautstark Luft verschaffen und sagt doch vieles zwischen den Zeilen. Mal wirkt seine Sprache brachial, mal spielt er mit der Doppeldeutigkeit der Worte: „Warum müssen wir ständig online sein? Warum müssen wir alle Geräte miteinander vernetzen? Ich möchte nicht, dass mein Wasserkocher ein Verhältnis mit meinem Kronleuchter hat. Irgendwann komme ich mal nach Hause und dann sind die beiden weg: Durchgebrannt!“ 

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