„Hier bin ich“

Schwester Ruth Stengel legt im Bergkloster ihre Ewige Profess ab

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Feierlicher Auszug: Mit einem Lächeln verlässt Schwester Ruth die Dreifaltigkeitskirche.

Bestwig – Schwester Ruth Stengel hat im Bergkloster Bestwig ihre Ewige Profess abgelegt. Die 40-Jährige war vor neun Jahren in die Ordensgemeinschaft eingetreten, hatte in der Anfangszeit unter anderem als Gemeindereferentin im pastoralen Raum Meschede-Bestwig mitgearbeitet und lebt seit drei Jahren mit zwei Mitschwestern in Jena. Mit den Worten „Hier bin ich“ trat Schwester Ruth in der Dreifaltigkeitskirche vor den Altar. Durch die Ewige Profess bindet sie sich endgültig an das Leben für Gott in der Ordensgemeinschaft. Als äußeres Zeichen überreichte ihr Generaloberin Schwester Maria Thoma Dikow den Ordensring.

Die Worte „Hier bin ich“ haben für Schwester Ruth zentrale Bedeutung: „Sie sagen unglaublich viel: Dass ich mich mit allem, was ich bin, für Gott und in diese Gemeinschaft einbringe. Und gleichzeitig spreche ich sie vor Gott und dieser Gemeinschaft aus.“ Jetzt sei für sie der richtige Zeitpunkt, dieses Versprechen dauerhaft abzugeben: „Ich stehe in der Mitte des Lebens und habe meinen Weg als Ordensfrau gefunden.“

In Jena gibt die studierte Theologin und Religionspädagogin Grundschulkindern sowie Fünft- und Sechstklässlern Religionsunterricht. Sie arbeitet als Gemeindereferentin in einer jungen, wachsenden Pfarrgemeinde. Und mit einer Viertelstelle engagiert sie sich gemeinsam mit Schwester Christine Romanow, einer Missionarin vom kostbaren Blut, in der „Orientierung“. Sie erklärt: „Dabei handelt es sich um eine Anlaufstelle für Suchende“. Die Räume liegen am Rand der Innenstadt von Jena. Es kämen Gruppen, die nach religiöser Einkehr suchten, aber auch Studenten, die nach Lebensorientierung fragten. Menschen jeden Alters.

In Jena lebt Schwester Ruth mit Schwester Maria Elisabeth Goldmann, die ebenfalls bis 2016 im Bergkloster arbeitete, und Schwester Christine gemeinsam in einem Konvent, im fünften Stock einer Plattenbausiedlung am Rande der Stadt. „Die wenigsten Menschen haben da Berührung mit der Kirche. Aber entsprechend vorbehaltlos begegnen sie uns auch. Das Spektrum reicht von Neugier bis Ignoranz“, beobachtet Schwester Ruth.

"Wichtig, in diese Welt hinein zu gehen"

Es sei wichtig, dass Kirche an solchen Orten präsent sei. Jesus Christus habe das deutlich gemacht: „Der stand derart mitten im Leben, war so ehrlich und radikal, dass die Flucht aus der Realität keine Option ist. Im Gegenteil: Er hat uns gezeigt, dass es wichtig ist, in diese Welt hinein zu gehen.“ Schwester Ruth sagt: „Als Christen müssen wir uns wieder mehr trauen, Profil zu zeigen.“ In Jena versuchten sie das.

Der Zelebrant der Messfeier, Pfarrer Ludger Eilebrecht, hat einen Teil des Berufungsweges von Schwester Ruth miterlebt. Er hatte sie als früherer Leiter des Pastoralverbundes Höxter kennengelernt, in dem Schwester Ruth zuerst als Gemeindereferentin tätig war. In seiner Predigt sagte er: „Du findest Deine Antwort auf Deine Berufung im Du zu Christus. Immer wieder hat er sich Dir in anderen Menschen zu erkennen gegeben.“ Ob in ihrer Heimat im Lippetal, als Gemeindereferentin an der Weser, im Bergkloster im Sauerland und sogar in Südamerika, wo Schwester Ruth nach ihrem Abitur ein Jahr als Missionarin auf Zeit verbrachte.

Dass sie auf ihren weiteren Weg ebenfalls von vielen Menschen begleitet wird, erfuhr Schwester Ruth in der Professfeier durch die Anwesenheit von 200 Mitschwestern, Familienangehörigen und Freunden. Auch in ihrer Pfarrgemeinde in Jena, in der sie nun berufstätig ist, wird die Profess im September noch groß gefeiert.

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