"Sehe uns in der Pflicht, einen Zwischenerwerb vorzunehmen"

"Viel auf den Weg gebracht": Ralf Péus zieht eine positive Bilanz nach seinem ersten Amtsjahr als Bürgermeister. Foto: Björn Theis

Bestwigs Bürgermeister möchte Nutzung des Bahnhofes so besser steuern

Bestwig.

Der Quereinstieg ins Bürgermeisteramt, B7-Neubau, die Aufregung um eine eventuelle Ansiedlung des Sozialwerks St. Georg und vieles mehr: Für Ralf Péus war es ein arbeitsreiches erstes Jahr als Chef der Gemeinde Bestwig. Im Gespräch mit dem SAUERLANDKURIER zieht der 45-Jährige Bilanz. SAUERLANDKURIER: Herr Péus, Orkan Kyrill hat im gesamten HSK extreme Schäden angerichtet. Wie sehr war auch die Gemeinde Bestwig betroffen:

Ralf Péus: Große Gebäudeschäden sind ausgeblieben. Allerdings hat der Sturm große Teile des Waldbestands zerstört. Besonders betroffen waren der Ostenberg, Valmetal, Wasserfall und Föckinghausen. Den Forstwirtschaftsplan wird der Sturm wohl für die nächsten Jahre durcheinanderwerfen. Meine Befürchtung ist, dass wir zukünftig immer wieder von solchen Ereignissen betroffen sein werden.SAUERLANDKURIER: Etwas mehr als ein Jahr ist es jetzt her, dass Sie Christof Sommer (Anmerkung d. Red.: der dem Ruf als Bürgermeister nach Lippstadt folgte) beerbt haben. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus:

Péus: Da ich Quereinsteiger bin, war es natürlich eine große und nicht einfache Herausforderung, alle Abläufe in der Verwaltung kennen zu lernen. Aber die Mitarbeiter waren mir da sehr hilfreich. Auch die Zusammenarbeit mit den Fraktionen im Rat klappt sehr gut. Ich denke, es wurde im Laufe des Jahres viel auf den Weg gebracht.

SAUERLANDKURIER: Noch nicht lange im Amt, wurden Sie ja auch gleich von der Bild-Zeitung zu "Bürgermeister Kinderlieb" erklärt... (Anm. d. Red.: Hintergrund war, dass die Gemeinde Bestwig jungen Familien mit Kindern bis zu 100 Quadratmetern Bauland im Neubaugebiet Westfeld schenkt)

Péus (lacht): Diese Geschichte hat natürlich ein Riesen-Echo hervorgerufen. Aufgrund der Schlagzeile konnte ich mir auch so manches anhören. Es gab zwar viele Anfragen nach der Veröffentlichung, doch letztlich hat bisher keine Familie zugeschlagen und Bauland gekauft, so dass noch 15 bis 20 Grundstück im Westfeld frei sind.SAUERLANDKURIER: Der Haushalt 2007 wurde inzwischen von Ihnen eingebracht, wie sieht die finanzielle Lage der Gemeinde Bestwig aus:

Péus: Der Haushalt für das Jahr 2006 ist erfreulicherweise positiver ausgefallen als erwartet. Statt einem erwarteten Fehlbetrag von 2,1 Millionen Euro, waren es am Ende nur etwa 900.000 Euro, bedingt durch höhere Gewerbesteuer-Einnahmen. Die Lage bleibt trotzdem ernst, da auch in den nächsten Jahren im Schnitt ein Fehlbetrag von einer Miillionen Euro erwartet wird, so dass wir wohl 2008 und 2009 in die Haushaltssicherung gehen müssen. Da sind uns einfach die Hände gebunden, weil diese Summe nicht reinzuholen ist. An dieser Stelle ist die große Politik gefragt.SAUERLANDKURIER: Hohe Wellen in der Bevölkerung hat die eventuelle Errichtung eines Heimes des Sozialwerks St. Georg für Menschen mit psychischen Störungen und Suchtmittelerkrankungen auf dem ehemaligen VEW-Gelände neben dem Rathaus geschlagen. Wann ist hier mit einer Entscheidung zu rechnen:

Péus: Zunächst einmal ist zu sagen, dass sich in dieser Sache die Wogen mittlerweile geglättet haben und vieles versachlicht werden konnte. Eine Dreifachnutzung mit Sozialwerk, Betreutem Wohnen und einem Ärztehaus würde ich als optimal ansehen. Mit potentiellen Interessenten laufen derzeit Gespräche. Ich denke, dass wir gegen Frühsommer Gewissheit haben werden.SAUERLANDKURIER: Winterpause herrscht derzeit an der Großbaustelle B7 in der Ortsdurchfahrt von Velmede und Bestwig. Die befürchteten großen Verkehrsbehinderungen blieben bislang aus, was Sie sicherlich erfreuen wird.

Péus: Die Geschäftsleute leiden natürlich unter der Verkehrssituation. Aber für solch eine Großbaustelle ist bislang alles bestens gelaufen. Selbst im Zuge der Asphaltierung blieben große Staus aus. Das alles hat selbst die größten Kritiker Lügen gestraft. SAUERLANDKURIER: Aktuell wird ein möglicher Erwerb des Bahnhofes durch die Gemeinde diskutiert. Entgegen der SPD-Fraktion würden Sie einen Kauf begrüßen, warum:

Péus: Der Bahnhof hat für Bestwig eine große Bedeutung, gerade auch historisch. Sollte sich ein Investor mit einem guten Konzept finden, wäre dieses natürlich optimal. Solange dieses jedoch nicht der Fall ist, sehe ich uns in der Pflicht, einen Zwischenerwerb vorzunehmen, um die Nutzung des Gebäudes steuern zu können. SAUERLANDKURIER: Herr Péus, vielen Dank für das Gespräch.Das Interview mit Bestwigs Bürgermeister Ralf Péus führte Björn Theis

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