„missio-Truck“ informiert über Flüchtlingsschicksale

Das Spiel des Lebens

In dieser Kirche starteten die Spieler im missio-Truck ihre virtuelle Flucht aus dem Kongo. Foto: Daniel Großert

Eigentlich steht für Computerspieler generell immer der Spaß im Vordergrund. Nicht so am gestrigen Montag in Bestwig. Hier bot der „missio-Truck“ des Katholischen Missionswerks am Berufskolleg des Bergklosters allen Interessierten die Möglichkeit, mithilfe eines Simulators einmal unmittelbar mitzuerleben, welche Erfahrungen Menschen bei ihrer Flucht vor Krieg, Armut oder Hunger machen.

Die Besucher des Infomobils konnten in die Rolle von acht Flüchtlingen aus dem Kongo im Alter von 15 bis 28 Jahren schlüpfen. Ausgestattet mit einer neuen Identität führte der Weg durch verschiedene Stationen, die die ausgewählte Figur auf ihrer simulierten Flucht durchlebt und die im missio-Truck in verschiedene Räume unterteilt sind.

Einer der jungen Kongolesen, die zur Wahl stehen, ist der 18-jährige Eric. Er geht noch zur Schule und arbeitet gelegentlich als Automechaniker. Sein Wunsch ist, später Maschinenbau zu studieren, wenn er genug Geld dafür gespart hat. Doch diesen Wunsch wird er sich im Kongo nicht erfüllen können. In seiner Heimatstadt Bukavu im Osten des Landes herrscht Krieg. Daher begibt er sich auf die ebenso gefährliche wie unsichere Flucht.

"Wir wären reich, wenn wir Frieden hätten"

Die Tour durch den Truck beginnt in einer kleinen Kirche. Ein weiterer junger Kongolese, Marcel, schildert auf einem Bildschirm die aktuelle Lage in Bukavu. Dort wird das Erz Coltan abgebaut, was sehr selten und ebenso wichtig für die Herstellung von Handys ist. „Wir wären reich, wenn wir hier Frieden hätten“, sagt Marcel. Viele Einwohner sind bereits geflüchtet. Auf weiteren Bildschirmen, die die Fenster der Kirche darstellen, fahren Soldaten auf Militärfahrzeugen vorbei, es sind Schüsse zu hören. Die Atmosphäre in den engen, kleinen Räumen des Trucks ist beklemmend.

An interaktiven Stationen entscheiden die Besucher selbst, wie es mit der Flucht weitergeht. So muss der Spieler eine Wahl treffen, welche Gegenstände er mitnimmt. Ein Adressbuch, um Bekannte ausfindig machen zu können, der Reisepass und Zeugnisse für die Arbeitssuche in der neuen Heimat geben die meisten Punkte. Auch Proviant in Form von Wasser und Nahrung sind eine gute Wahl. Eric flüchtet erst auf einem Lastwagen und dann zu Fuß nach Kenia. In der Hauptstadt Nairobi kommt er bei seiner Tante unter. Jedoch fühlt er sich dort überhaupt nicht heimisch und muss sich mit Aushilfsjobs über Wasser halten. Kontakt zu Einheimischen hat er auch nicht wirklich. Die Entscheidungen, die der Spieler auf der 15-minütigen Tour getroffen hat, waren also nicht immer die richtigen, doch immerhin ist Eric dem Krieg in seiner Heimat entkommen. Bei anderen Entscheidungen wäre auch ein anderer Ausgang des Szenarios möglich gewesen.

Für das Schicksal der Flüchtlinge sensibilisiert

Der missio-Truck reist durch ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz und macht vor allem an Schulen Halt. Dort wird neben der Tour durch den Truck ergänzender Unterricht zum Thema „Flucht und Migration in Ostafrika“ angeboten. An der abschließenden Station der Tour gibt es weitere Informationen über Flüchtlinge in der ganzen Welt und auch darüber, wie man sich vor Ort für sie engagieren kann. Ziel der Organisatoren ist es, mit der Computeranimation das Erleben und Nachvollziehen von Fluchterfahrungen in den Vordergrund stellen. Die Besucher sollen an eigenen Leib nachvollziehen, warum Menschen überhaupt fliehen müssen, was es heißt. auf der Flucht zu sein und wie es sich anfühlt, als unerwünschte Flüchtlinge in der Fremde zu leben.Miriam Horneber vom Team des Katholischen Missionswerks berichtet von einem Umdenken bei einem Großteil der Besucher: „Wir merken, dass die meisten Teilnehmer für die Schicksale der Flüchtlinge sensibilisiert werden.“

 

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