„Herzlich willkommen Champion“

Stefanie Drescher aus Velmede gewinnt Silber und Bronze bei Special Olympics

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Die Judoka vom BSV Meschede lassen ihren Medaillensiegerin Stefanie Drescher (Mitte) hochleben.

Velmede/Wehrstapel. Es ist laut in der kleinen farbenfrohen Halle, alle haben sich ihre weißen Anzüge angezogen und die gelben, orangefarbenen und orange-grünen Gürtel eng umgebunden. Doch an diesem Tag stehen für die Judoka des BSV Meschede nicht die Kämpfe auf der Matte im Vordergrund, all ihre Blicke sind nur auf eine zierliche rothaarige Frau in ihrer Mitte gerichtet. Kurzzeitig herrscht Stille, dann schallt ein lautstarker Applaus durch den Raum. Stefanie Drescher strahlt. Die 32-jährige Velmederin, die für Deutschland bei den Special Olympic Weltspielen in Abu Dhabi angetreten ist , hält stolz ihre Bronze- und ihre Silbermedaille in die Höhe.

Trainer Christoph Gmyrek und Übungsleiter Lothar Braukmann schnappen sich ihren Schützling und lassen sie hochleben. Die quirlige Judoka wirkt überwältigt von dem Beifall ihres Teams und auch von den Erlebnissen im fernen Wüstenstaat. 

„Die Eröffnungsfeier war schon total toll. Ich war überrascht, wie viele Zuschauer da waren. Die Sportsarena war sehr gut gefüllt“, erinnert sich Stefanie Drescher an ihre ersten Eindrücke von den Special Olympics. Auf der Matte ging es dann schließlich um alles oder nichts. 

"Ich lasse mich nicht unterkriegen"

Eine Situation im Turnierverlauf wird der Velmederin, die an einer geistigen Behinderung leidet, wohl ewig im Gedächtnis bleiben. „In einem Kampf hat meine Gegnerin mich in die Hand gebissen.“ Der Kampf sei daraufhin unterbrochen worden. „Ich war dann so sauer, ich wollte unbedingt weiterkämpfen“, blickt die Sportlerin mit Stolz auf ihren ersten Wettkampftag zurück. Ihr Ehrgeiz und ihr Siegeswillen wurden mit der Bronzemedaille belohnt. „Ich lasse mich nicht unterkriegen“, betont die zierliche Rothaarige. Die restlichen Entscheidungen seien aber fair abgelaufen.

Stefanie Drescher (links) erkämpfte sich bei den Special Olympics Weltspielen zwei Medaillen.

Dass sie eine Trophäe mit nach Hause bringt, damit habe sie fest gerechnet. „Dass es nun zwei Medaillen geworden sind, das habe ich nicht erwartet“, gibt die bescheidene Sportlerin zu. Die 32-Jährige hatte in Abu Dhabi nicht nur das doppelte Medaillenglück, sondern auch die einmalige Chance erhalten, an zwei Wettkampftagen teilzunehmen.

„Stefanie trat in Wettkampfklasse zwei an. In Wettkampfklasse eins war eine russische Judoka gelistet, die nur 35 Kilogramm wog und für die dann eine passende Gegnerin gesucht wurde, eben auch in Weltkampfklasse zwei. Schließlich wurde dann meine Tochter als Gegnerin auserkoren“, erklärt Mutter Ute Drescher. So kam die ehrgeizige Velmederin auch noch an einem weiteren Wettkampftag zum Zuge und sicherte sich die Silbermedaille. „Das ist eine tolle Leistung, darauf kann ich stolz sein“, betont der sympathische Rotschopf mit einem strahlenden Lächeln. 

Beim Kampf stets fokussiert

Trotz des besonderen Events sei die Sauerländer Judoka aber stets entspannt gewesen. „Wenn es losgeht, bin ich fokussiert. Meine Eltern waren auf jeden Fall viel aufgeregter als ich“, schmunzelt sie und schaut zu ihrer Mutter herüber, die mit einem Nicken und einem Grinsen im Gesicht reagiert. Für viele gemeinsame Momente mit ihren Eltern war für Stefanie Drescher in dem Wüstenstaat allerdings kaum Gelegenheit. „Wir Judokas haben die meiste Zeit in der Halle verbracht. Dort haben wir dann bis nachmittags trainiert. Ich habe mir aber, wenn es möglich war, die Kämpfe meiner Kollegen angeschaut.“ 

Der deutsche Judo-Kader setzte sich bei den Special Olympics aus insgesamt drei Frauen und drei Männern zusammen. Zusammen holten die Judoka zweimal Gold, viermal Silber und einmal Bronze. „Dank mir sind es ja dann statt sechs sogar sieben Medaillen geworden“, freut sich Stefanie Drescher.

Den einzigen freien Tag während der Special Olympics nutzte die Judoka für einen Ausflug mit ihren Eltern zum höchsten Gebäude der Welt. „Wir haben uns das Burj Khalifa angeschaut. Von dort aus hatte man einen wunderschönen Ausblick. Da sind schöne Fotos entstanden.“ 

Land und Leute lernten Stefanie Drescher und alle anderen deutschen Sportler bereits vor der offiziellen Eröffnung der Weltspiele kennen. Die deutsche Auswahl verbrachte einige Tage in Dubai. Auf dem Programm standen ein Aquariumbesuch, der Besuch einer deutschen Schule und ein Botschaftsempfang. „Wir sind auch mit dem Auto durch die Wüste gefahren und ich habe mir ein Henna-Tattoo machen lassen.“ Ob das Tattoo nun letztendlich als Glücksbringer fungierte oder nicht, ließ Stefanie Drescher unkommentiert. Zumindest ist es neben den zahlreichen Fotos, der unvergesslichen Momente und ihren beiden Trophäen ein weiteres Element, das die sympathische Judoka in ihrer Heimat an die Special Olympics erinnert. 

Ein einmaliges Erlebnis

Geschafft aber glücklich sei sie in das Sauerland nach einer aufregenden Zeit zurückgekehrt. „Meine Geschwister hatten extra ein Banner mit dem Schriftzug ,Herzlich Willkommen Champion’ über der Haustür angebracht“, freut sich Stefanie Drescher über die positive Resonanz zu ihren Erfolgen. Die Bronze- und die Silbermedaille bekommen im Haus der Dreschers einen besonderen Platz. „Sie werden zu den anderen Medaillen an meine Wand gehängt, da wo man sie gut sieht“, erklärt die Judoka. 

Doch vorher nehmen ihre Teamkollegen vom BSV die Trophäen aus dem fernen Land noch einmal genau unter die Lupe. Alle freuen sich mit Stefanie, besonders das Trainerteam zeigt sich von dem Erfolg begeistert. „Wir sind natürlich mächtig stolz. Wir hätten auch nicht mit Silber gerechnet. Das wird man wohl nur einmal im Leben schaffen“, so Lothar Braukmann. Schon alleine das Event sei etwas ganz besonderes, getreu dem olympischen Gedanken „Dabei sein ist alles.“ 

Eine strahlende Medaillengewinnerin: Stefanie Drescher ist stolz auf ihre Leistungen (für Vollbild oben rechts klicken).

Für die ehrgeizige Stefanie Drescher selbst zählt aber im Grunde nur eines: Gewinnen. So hat sie auch bereits für die Zukunft schon ambitionierte Ziele. „Nächste Woche finden die Landeseinzelmeisterschaften statt. Da versuche ich dann Gold zu holen“, sagt sie während sie auf ihre Medaillen aus Abu Dhabi blickt. „Das wäre dann eine gute Ergänzung“, schmunzelt sie. Bei der kommenden Gürtelprüfung strebt die Sportlerin den orange-grünen Gürtel an. „Ich möchte weiterkommen“, kommentiert sie ihre Ziele. 

Weit gekommen im Judosport ist der zierliche Rotschopf aus Velmede schon jetzt und ihr voller Terminkalender hält noch zahlreiche weitere Chancen für viele Erfolge bereit. „Zwischendurch habe ich aber auch mal ein paar Tage frei und kann entspannen. Ich freue mich auch schon auf Ostern.“ 

Eine weitere Teilnahme an den Special Olympics Weltspielen kann sich die ehrgeizige 32-Jährige durchaus vorstellen: „Wenn sich die Chancen ergibt, würde ich das noch mal machen. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht“, so die Judoka abschließend.

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