Wahlkreiskonferenz in Bestwig 

AfD will drittstärkste Kraft in NRW werden und mahnt zur Geschlossenheit

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Stimmten sich in Bestwig auf die Landtags- und Bundestagswahl ein: (v. l.) Werner Zoerner (stellvertretender Kreissprecher), Jürgen Antoni (stellvertrender Kreischef und Landtagskandidat), Dr. Guido Janzen (Kreissprecher), Knuth Meyer-Soltau (Landtagskandidat) und Landeschef Marcus Pretzell.

Bestwig/Hochsauerland. Die AfD im Hochsauerlandkreis hat die personellen Weichen für die Landtagswahl im Mai gestellt und sich auf den Wahlkampf eingestimmt. In Bestwig wurden in dieser Woche mit dem Briloner Unternehmer Dr. Guido Janzen ein neuer Kreissprecher und dem Bochumer Rechtsanwalt Knuth Meyer-Soltau der Landtagskandidat für den Wahlkreis 125 (Altkreis Brilon, Meschede und Bestwig) gewählt.

„Wir haben am 14. Mai die einmalige Chance die drittstärkste Kraft im Landtag zu werden“, sagte Meyer-Soltau. „Diese Wahl dürfen wir nicht verballern. Ich hoffe, dass wir das Ding wuppen.“

Der 51-jährige Meyer-Soltau, der bereits einen Platz auf der AfD-Landesliste hat, setzte sich in einer Abstimmung gegen den 50-jährigen Bauunternehmer Klaus Selter aus Ramsbeck durch, der während der Versammlung seine Kandidatur bekannt gab. Meyer-Soltau, Kandidat des Vorstands, erhielt zwölf, Selter acht Stimmen der 20 stimmberechtigten Mitglieder. „Jetzt haben wir auch im Hochsauerlandkreis beide Wahlkreise besetzt“, meinte Meyer-Soltau. „Wichtig ist, dass die AfD flächendeckend im Land in allen 128 Wahlkreisen vertreten ist.“ Kandidat im zweiten HSK-Wahlkreis 124 (Arnsberg, Sundern, Schmallenberg und Eslohe) ist Jürgen Antoni, Polizeibeamter und Fraktionschef der AfD im Arnsberger Stadtrat. Er war bereits auf der vergangenen Wahlkreiskonferenz gewählt worden.

Die erneute Wahlkreiskonferenz in Bestwig war nötig geworden, weil der bereits als Landstagskandidat gekürte Andre Monkol im Janaur überraschend seinen Verzicht auf die Direktkandidatur im Wahlkreis 125 erklärt hatte. Als Grund hatte der Neheimer „Unzufriedenheit mit der gewachsenen Funktionärs-Clique“ um AfD-Landeschef Marcus Pretzell angegeben. Derzeit, so Monkol, gehe es im Landesverband nur noch um Postengeschacher. „Dabei ist die Partei mit viel Idealismus gegründet worden.“

"Im Gegensatz zu Frau Merkel das Rechnen nicht verlernt"

Monkol hatte neben dem Verzicht auf die Landtagskandidatur auch seine Tätigkeit als Kreissprecher der AfD im HSK niedergelegt. Ein entsprechendes Schreiben war rechtzeitig zur Versammlung in Bestwig eingetroffen. Daher wurde mit Dr. Guido Janzen (51) auf dem anschließenden Kreisparteitag ein neuer Kreissprecher gewählt. Der Briloner, der sich auch zum Mediator fortgebildet hat, erhielt alle 20 Stimmen. „Ich bin Physiker, habe aber im Gegensatz zu Frau Merkel das Rechnen nicht verlernt.“ Neben Janzen wurden mit Anett Schmidt (Herdringen), Lukas Kaufmann (Marsberg) und Frank Pawlack (Arnsberg) drei neue Beisitzer in den Vorstand gewählt.

Mit großer Spannung war der Besuch von Marcus Pretzell erwartet worden. Der 43-jährige Landesvorsitzende, gleichzeitig auch Mitglied des Europaparlaments, hatte ein vierstündige Fahrt auf sich genommen, kam direkt aus Brüssel und fand in seinem 15-minütigen Grußwort sowie der anschließenden Diskussion die erwarteten deutlichen Worte, stimmte die Versammlung auf die Wahlen in diesem Jahr ein und mahnte Geschlossenheit an. Er stellte nach den Querelen der letzten Zeit eine „gewisse Befriedung“ in den Kreisverbänden fest. Es gebe keine Spaltung der Landespartei.

"Wir brauchen aktive Wahlkämpfer"

„Hier im Hochsauerlandkreis ist es nicht einfach aufzutreten, das wird nach den Wahlen hoffentlich anders. Wir brauchen aber aktive Wahlkämpfer.“ Pretzell nahm im Hinblick auf die Wahlen besonders die SPD und FDP aufs Korn. „Ich hoffe, dass Frau Kraft nach dem 14. Mai nicht mehr Ministerpräsidentin ist. Die SPD muss in ihrem Stammland so geschlagen werden, dass sie sich bis zur Bundestagswahl nicht mehr erholt, auch mit Herrn Schulz nicht.“ Das gelte auch für „Herrn Lindner und die FDP“: „Ich hoffe, dass ab September im Bundestag nur fünf und nicht sechs Parteien vertreten sind.“ Was im Klartext heißt: Die AfD schafft den Sprung, die FDP aber nicht.

Aber auch die CDU bekam ihr Fett ab. „Die Union kann es nicht besser als die SPD, besonders was das Thema Innere Sicherheit betrifft.“ Für den Zustand der Polizei in NRW sei die CDU zwar nicht verantwortlich, sie stelle aber mit der CSU sechs Innenminister, die für die Polizei zuständig sind. Daher trage sie bundesweit eine Mitverantwortung.

Pretzell verdeutlichte, dass neben der Inneren Sicherheit „die Familie das Zukunftsthema“ sei. „Das ist übrigens das ehemalige Kernthema der CDU.“ Die Familien müssten wieder im Mittelpunkt stehen. Es gehe um den „Existenzwillen“. Eigene Kinder seien die zukunftsbejahende und bessere Wahl und Alternative als der Zuzug von Kindern. „Wir brauchen eine aktive Gestaltung der Familienpolitik.“ Die Erziehung finde vorwiegend im Elternhaus statt. Deutlich wurde der Landeschef auch beim Thema Inklusion: „Diese Form der Inklusion lehnen wir klar ab.“ Sie sei weder personell noch strukturell durchdacht und angepasst. Die Förderschulen hätten „ordentliche Arbeit“ geleistet.

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