Zweieinhalb Stunden lachen

400 Zuschauer erleben Jochen Malmsheimer in Bestwig

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Jochen Malmsheimer begeisterte 400 Zuschauer im Bestwiger Bürger- und Rathaus.

Bestwig. 400 Zuschauer kamen jetzt im Bestwiger Bürger- und Rathaus kaum aus dem Lachen heraus. Zweieinhalb Stunden lang räumte der Kabarettist Jochen Malmsheimer in seinem Programm mit dem eigenwilligen, dem Neolithischen abgeleiteten Namen „Ermpftschnuggn trødå – hinterm Staunen kauert die Frappanz!“mit Missverständnissen, Unverständnissen und Einverständnissen auf.

Sei es in der ersten Reihe, im eigenen Haus, in der Ferne oder in seinen „Psalmen der Sorge.“ Die Psalmen galten der erschreckenden Entwicklung der Hose: „Wer gab dir ein, dass du dich weigerst nun seit kurzer Zeit, den Träger ärschlings zu bedecken, wie du’s tatest von alters her? Was trieb dich, abzusacken unter jene beiden Backen?“

Auch das Niveau des Fernsehens sieht Jochen Malmsheimer abgesackt: „Verweht die Tage, Fernsehen, da du Inhalte bot’st, bist heute nichts als Hülle, äuß’re Form oder, wie du das gerne nennst: Format! Das aber, Fernsehen, ist ein Irrtum, gerade Format ist’s, das so deutlich wir vermissen!“ Da passt es, dass sich viele Männer um die 50 dem sinkenden Niveau unserer Kultur auch äußerlich anpassen: „Äquitorial tut sich einiges, in der hominiden Entsprechung der Plattentektonik ändern die Kontinente ihre Gestalt. Während die rumpfmuskuläre Waschbrettplatte in die Subduktionszone hinabtaucht, um dort aufgeschmolzen zu werden, türmt sich nun in Folge intraabdominaler Konvektion das Bauchgebirge auf.“

Appell für Toleranz

Malmsheimer spielt mit der Sprache, wird mal rau und mal poetisch. Kein Wunder also, dass er auch das Archiv des Dudenverlages in Mannheim besuchte, wo die deutsche Sprache wohnt. Und wo er einer Diskussion zwischen den Millionen archivierter Begriffe über die Aufnahme des Wortes „chillen“ in den deutschen Wortschatz beiwohnen durfte: „Frei muss Sprache sein und offen für jeden Einfluss! Bildet ein Wort das ab, was der Sprecher auszudrücken wünscht, ist es gut und richtig und am Platz, egal, ob es aus dem Arabischen, dem Französischen, dem Englischen oder gar aus dem Neolithischen kommt. Nicht, wo es herkommt, ist entscheidend, sondern wo es bleibt.“

So geriet Malmsheimers Vortag ganz nebenbei noch zu einem Appell für Toleranz: „Wörter allein sind nur Geräusch, die Gemeinschaft erst macht uns zum Text! Und damit zu etwas Besonderem!“

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