Mira-Lynn aus Remblinghausen kam durch die Oma zum Nähen

Ein Engel mit Nadel und Faden: Zwölfjährige näht Kleidung für Sternenkinder

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Mira-Lynn an ihrem „Arbeitsplatz“: Für die Zwölfjährige ist das Nähen für Sternenkinder eine Herzensangelegenheit.

Remblinghausen. Hoch konzentriert sitzt das junge Mädchen mit den dunkelblonden geflochtenen Zöpfen und grünen Augen vor ihrer Nähmaschine, fädelt bedächtig den weißen Faden durch das Nadelöhr. Das Fenster in dem Nähzimmer ist leicht gekippt und die warmen Sonnenstrahlen der Februarsonne blinzeln durch die Scheibe hinein. Während von draußen das frühlingshafte Gezwitscher der ersten Zugvögel vernehmbar ist, ist es im Zimmer mucksmäuschenstill. Nur das leise Surren der Nähmaschine ist zu hören.

Die weiße, runde Uhr an der Zimmerwand zeigt 14.37 Uhr an, die Schule ist vorbei, das Mittagessen beendet und die Hausaufgaben sind bereits erledigt. Ein ganz normaler Wochentag im Leben von Mira-Lynn Szinglober aus Meschede-Remblinghausen. Das junge Mädchen näht seit geraumer Zeit bezaubernde kleine Anziehsachen für Frühchen oder Sternenkinder, also die kleinen Mäuse, die der liebe Gott vor, während oder nach der Geburt viel zu früh von dieser Welt geholt hat. Und das, obwohl sie selber erst zwölf Jahre alt ist. 

Pumphosen, Mützen und Bodys

Ihr ganzes Taschengeld gibt das zarte Mädchen für weiche, bunte Stoffe aus, um daraus in ihrer Freizeit winzige Pumphosen, Mützchen, Decken, Bodys und Wärmekissen herzustellen, um so den Eltern der verstorbenen Kinder den Abschied ein kleines bisschen leichter zu machen.

„Meine Oma Cordula hat immer viel genäht. Durch sie habe ich angefangen. Wir haben anfangs immer zusammen geübt. Zuerst waren es gerade Nähte, dann ein Kissen. Mein erstes großes Projekt war danach gemeinsam mit Oma ein Pullover“, berichtete Mira-Lynn Szinglober von ihren ersten Nähversuchen. „Oma hat mir vor zwei Jahren ihre alte Nähmaschine gegeben. Darauf habe ich dann mit Mama eine Bettschlange genäht. Etwas später habe ich dann von Oma eine neue Nähmaschine zu Weihnachten bekommen.“

Söckchen, Pumphosen oder Einschlafdeckchen gehören zum Portfolio der kleinen Näherin. 

Die kleine Nähkarriere nahm ihren Lauf. Weitere Pullover, Hosen, ein Dino T-Shirt für ihren Bruder Oskar und jede Menge Schlüsselanhänger entstanden unter den geschickten Fingern der Realschülerin, die in ihrer Freizeit ansonsten gerne Trompete spielt, im Winter Ski fährt und im Sommer Fahrrad sowie schwimmen geht.

„Bei ebay Kleinanzeigen habe ich dann irgendwann durch Zufall eine Anzeige gesehen, wo um Stoffspenden für Sternenkinder gebeten wurde. Da kam mir sofort der Gedanke: Ich habe so viele Stoffe, das kann ich auch machen“, erzählte Mira-Lynn den Beginn ihrer wunderbaren Geschichte. Eine tolle Idee, ein herzergreifender Gedanke, der schnell in die Tat umgesetzt wurde.

„Ich möchte den Eltern Mut machen“

Die erst zwölfjährige Näherin schrieb selbstständig Krankenhäuser im Sauerland, Paderborn und im Kreis Soest sowie den Verein Sternenzauber und Frühchenwunder an, bekam schnell positives Feedback, Schnittmuster als auch Stoffspenden in allen Farben aus der Bevölkerung. 

„Das Krankenhaus in Paderborn war total begeistert, genau wie der Verein. Die fanden das ganz klasse, dass ich sowas mit zwölf Jahren schon mache. Alle gaben mir Tipps und Empfehlungen, sodass ich mir weitere Schnittmuster aus dem Internet herunterladen konnte“, freute sich die kleine Schneiderin über die Resonanz.

Seitdem sitzt Mira-Lynn Szinglober täglich drei Stunden in ihrem Nähzimmer an der Maschine, fädelt ein, schneidet Schnittmuster aus und rattert anschließend fachgerecht die Stoffnähte entlang. Immer mit dem Gedanken, den kleinen Menschen Würde zu geben, denen, die still in diese Welt gekommen sind und diese direkt wieder verlassen mussten. 

„Ich möchte mit meinen farbenfrohen Sachen die Eltern ein bisschen fröhlicher stimmen. Ihnen Mut machen und etwas Licht in die Dunkelheit bringen. Die genähten Sachen für die Sternenkinder schicke ich direkt an die Krankenhäuser“, so die kleine Näherin Mira-Lynn Szinglober. Unter anderem auf ihrem Instagram-Account miris-naehkaestchen sind die wunderschönen Pumphosen, Mützen, Einschlafdecken mit Schleifchen und vielem mehr zu bewundern.

Info: Wer Stoffreste für Frühchen und Sternenkinder spenden möchte, wendet sich an: Mira-Lynn Szinglober, Am Hang 7, 59872 Meschede-Remblinghausen, ☎ 02 91/9 52 97 67 oder per Mail an mlszinglober@gmail.com. 

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