Bäume stürzen auf Straßen, Autos und Häuser

Bilanz nach Tief "Eberhard" im Sauerland: Mehr als 300 Feuerwehr-Einsätze, ein Todesopfer

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Am Schwimmbad in Eslohe stürzte ein Baum auf einen PKW.

Sauerland - Gut ein Jahr nach "Friederike" wurde das Sauerland am Sonntag erneut von einem verheerenden Sturm heimgesucht. Tief "Eberhard" fegte mit Böen bis zu 130 km/h durch die Region und hielt die Feuerwehren auf Trab. Eine erste Bilanz.

So war die Lage im HSK

Insgesamt rückten die Feuerwehren im HSK zu 219 Einsätzen aus, die Schwerpunkte lagen dabei in Arnsberg (55 Einsätze), Marsberg (26) und Schmallenberg (25). Die wenigsten Einsätze wurden in Hallenberg (4), Eslohe (7) und Medebach (8) verzeichnet. 405 Feuerwehrleute waren insgesamt im Einsatz, wie Kreispressesprecher Jürgen Uhl berichtete. 

Um die große Zahl der Alarmierungen besser koordinieren zu können, waren neben der Kreisleitstelle in Meschede-Enste auch die Feuerwehrzentralen in Arnsberg, Sundern, Schmallenberg und Brilon besetzt. "In der Stadt Sundern waren beispielsweise alle Einheiten alarmiert worden und warteten in Bereitschaftsräumen auf die Einsätze", erklärte Uhl.

Am Müggenborn in Brilon drohte ein Baum auf ein Haus zu stürzen. Der Baum wurde mit der Drehleiter entfernt.

Die Sturm-Ereignisse wurden von einem tödlichen Unfall zwischen Bestwig-Nuttlar und Rüthen-Kallenhardt überschattet: Dort war am Sonntagnachmittag das Auto eines 47-jährigen Bad Fredeburgers während der Fahrt von einem Baum getroffen. "Die Beifahrerin konnte das Fahrzeug selbstständig verlassen. Für den Fahrer kam jede Hilfe zu spät. Er konnte nur noch leblos aus dem Fahrzeug geborgen werden", teilte die Polizei am Sonntagabend mit.

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Diese Straßen sind noch gesperrt

Im restlichen Kreis kamen glücklicherweise keine weiteren Menschen zu Schaden. Größtenteils mussten die Feuerwehren umgestürzte Bäume oder sonstige Gegenstände von Straßen oder Bahnstrecken entfernen. Zeitweise mussten zahlreiche Straßen im gesamten Kreis gesperrt werden, einige davon wurden am Sonntagabend aber wieder freigegeben. Dennoch gibt es Straßen im HSK, die auch am Montag weiterhin gesperrt sind, wie die Polizei auf Nachfrage mitteilte:

  • B229 zwischen Arnsberg-Breitenbruch und Möhnesee
  • K24 zwischen Sundern-Röhrenspring und Finnentrop-Faulebutter

Die Polizei verzeichnete am Sonntag insgesamt 73 sturmbedingte Einsätze, in drei Fällen rückten die Beamten zu witterungsbedingten Verkehrsunfällen aus, wie Polizeisprecher Sebastian Held berichtete. In Arnsberg-Bruchhausen und Eslohe waren beispielsweise Bäume auf Autos gestürzt, teilten die örtlichen Feuerwehren mit. In mehreren Orten fielen zudem Bäume auf Häuser, in manchen Fällen konnte die Einsatzkräfte das aber auch verhindern. Auch abgedeckte Dächer sowie beschädigte Strom- und Telefonleitungen zählten zum Einsatzrepertoire der Feuerwehr. 

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Stärkste Böen auf dem Kahlen Asten gemessen

Wie angekündigt tobte "Eberhard" in den höheren Lagen am heftigsten: Auf dem Kahlen Asten in Winterberg wurde mit 130 km/h die stärkste Böe gemessen, aber auch in flacheren Gebieten wie Arnsberg (104 km/h) lag die Windgeschwindigkeit jenseits der 100-km/h-Marke, berichten die "Wetterjäger Südwestfalen". "Auch heute sollte man weiterhin Wälder meiden, viele Bäume sind angeknackst, da reichen auch weniger starke Böen aus, diese noch umzuwerfen", warnten die Wetterjäger am Montagmorgen.

An der Grundschule Birkenpfad in Arnsberg zerstörte der Sturm einen Teil des Daches.

Auch im Bahnverkehr gibt es am Montagvormittag noch Einschränkungen. Auf der Strecke der RE17 zwischen Bestwig und Warburg komme es unwetterbedingt zu Störungen, wie die Bahn via Twitter mitteilt. Verzögerungen seien daher wahrscheinlich. "In der Folge kommt es wahrscheinlich zu Verspätungen und Teilausfällen. Reiseverbindung vor Abfahrt prüfen", heißt es von der Bahn.

So war die Lage im Kreis Olpe

Einen arbeitsreichen Tag bescherte Sturmtief "Eberhard" den Einsatzkräften im Kreis Olpe. Der Kreispolizeibehörde sind laut Polizeisprecher Michael Klein 48 Einsätze gemeldet worden – die Gesamteinsatzzahl liegt nach Angaben von Kreispressesprecher Hans-Werner Voss bei 168. Die gute Nachricht: "Es gab weder witterungsbedingte Verkehrsunfälle, noch sind Personen zu Schaden gekommen", so Michael Klein.

In der Gemeinde Wenden waren die Feuerwehr, das DRK, das THW und der Bauhof mit 135 Einsatzkräften und 25 Fahrzeugen acht Stunden im Einsatz um 50 Einsätze abzuarbeiten. Auf der L905 zwischen Hünsborn und Wenden waren nach Angaben der Feuerwehr so viele Bäume umgekippt, dass diese Straße aufgrund einer erhöhten Gefährdung für die Einsatzkräfte vorerst voll gesperrt werden musste. Die Fachgruppen "Räumen" und "Bergen" des THW war bis in die Abendstunden an der Einsatzstelle tätig um die Bäume auf der Straße zu entfernen.

Auf der L905 zwischen Hünsborn und Wenden waren so viele Bäume umgekippt, dass diese Straße voll gesperrt werden musste.

 

Auch der Bauhof der Gemeinde Wenden war zur Unterstützung der Feuerwehrkräfte hinzugezogen worden. Dieser musste diverse Straßen aufgrund der Gefährdung absperren. In der Zwischenzeit war in Hillmicke ein Dach eines Pferdestalls weggeflogen, wodurch die Pferde durchgegangen waren. Die Eigentümer konnten die Pferde vor Eintreffen der Feuerwehr jedoch einfangen. Im Reiterweg in Hünsborn hatte sich ein ein Aluminumblech in einer Stromleitung verfangen, was zu mehreren Spannungsüberschlägen führte. Der Bereich wurde von der Feuerwehr großräumig abgesperrt und der Energieversorger wurde hinzugezogen. Kurzzeitig musste in einem Teilgebiet von Hünsborn der Strom abgestellt werden um den Fremdkörper aus der Stromleitung zu entfernen.

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A45 kurzzeitig gesperrt 

Auch am Kattenzahl in Wenden lag ein Baum auf der Stromleitung. Dieser wurde aber von der Feuerwehr "aufgrund des erhöhten Gefahrenpotenzials" nicht entfernt. Die A 45 in Fahrtrichtung Frankfurt musste kurze Zeit in Höhe Parkplatz "Löffelberg" voll gesperrt werden, um einen Baum zu entfernen, der auf die Fahrbahn zu fallen drohte. An der Grundschule in Hünsborn flog ein Teilstück der Photovoltaikanlage vom Dach.

23 Einsätze verzeichnete die Feuerwehr Olpe, davon zwei im Gebiet der Einheit Oberveischede: "Es waren 13 Bäume von öffentlichen Verkehrsflächen zu entfernen." Zwei beschädigte Dächer wurden durch die Feuerwehr gesichert. Auf dem Rückweg von einem umgestürzten Baum wurde durch die Besatzung eines Löschfahrzeugs ein Sturmschaden an einer Ampelanlage festgestellt. Mit der nachalarmierten Drehleiter konnte die Ampel instand gesetzt werden. Beim letzten Einsatz wurden die Einsatzkräfte noch einmal richtig gefordert. Eine rund 15 Meter hohe Fichte versperrte die K6 vollständig. Die elf Einsatzkräfte konnten mit Hilfe des Teleskopladers und dem Einsatz von zwei Motorsägen die Straße innerhalb von einer Stunde vom Baum befreien.

In Attendorn wurden 22  witterungsbedingte Einsätze durch die Löschzüge Attendorn, Ennest, Repetal und die Löschgruppe Listerscheid abgearbeitet. "Damit verlief der Gesamteinsatz insgesamt glimpflich und stellte die Feuerwehr vor keine größere Herausforderung. Bei der Abarbeitung der Einsätze kam es zu keinen nennenswerten Wartezeiten", so die Feuerwehr der Hansestadt Attendorn. 

Der Berlinghauser Weg zwischen der Heldener Straße (L 697) oberhalb Zufahrt Schnellenberg und der Biggeseestraße (K 17) in Bremge/Bürberg war für den Verkehr gesperrt, ebenso die Verbindung zwischen dem Bürberg und der Waldenburger Bucht.

Feuerwehr bringt Gäste von der Hohen Bracht in Sicherheit

In Lennestadt mussten die Einsatzkräfte 28 Mal ausrücken. Von 10.25 Uhr bis 14.30 Uhr waren lediglich vier Einsatzstellen im Bereich Meggen, Brenschede und Bilstein abzuarbeiten. Dabei handelte es sich um umgestürzte Bäume. Ab 16.30 Uhr nahm die Einsatzzahl rapide zu. Am stärksten betroffen waren die Bereiche Saalhausen, Oedingen, Bilstein sowie die L715 zur Hohen Bracht. Auf Grund der Vielzahl von umgestürzten Bäumen wurden die L715, die K27, die Gleiestraße sowie die Straße „Am Eiling“ gesperrt. 

Der Restaurantbetrieb auf der Hohen Bracht wurde in diesem Zuge eingestellt und die Gäste durch die Feuerwehr über Altenhundem ins Tal gebracht. Im Einsatz waren die Einheiten aus Oedingen, Oberelspe, Halberbacht, Grevenbrück, Bilstein, Altenhundem, Meggen, Saalhausen und Kickenbach mit rund 100 Kräften.

Weit weniger Stress hatten die Einsatzkräfte in der Gemeinde Finnentrop. Die Einsatzbilanz ist mit 13 überschaubar. Zwischen Serkenrode und Kückelheim (L880) musste die Straße aufgrund umgestürzter Bäume auf der Fahrbahn voll gesperrt werden. Bis Montagmittag war kein Durchkommen möglich. Die Drehleiter kam am in Serkenrode (Fretterstraße) zum Einsatz. Verrutschte Dachpfannen sollten mit dem Einsatzfahrzeug gesichert und heruntergeholt werden. 

Auf dem Gelände der Bigge-Lenne Gesamtschule Finnentrop löste sich ein Bauzaun aus der Verankerung und geriet auf die nahegelegene Fahrbahn. Gefährlich war es auf dem Kirchvorplatz in Heggen. 20 Quadratmeter der Außenfassade hatten sich von der St.-Antonius-Einsiedlee-Kirche gelöst.  In einer Pressemitteilung heißt es: „Trotz des Sturmschadens [...] können die Gottesdienste in den nächsten Tagen wie geplant stattfinden. Allerdings ist nur ein eingeschränkter Zugang möglich, da die beiden großen Treppen an der Hauptsttraße und die Pfr.-Schmalohr-Straße gesperrt sind.“

Und auch in denübrigen Kommunen des Kreises Olpe war die Feuerwehr im Dauereinsatz: In Drolshagen mussten die Einsatzkräfte 19 Mal ausrücken, in Kirchhundem je 13 Mal.

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