Der Akku ist oft leer

Petra Blanke (Beraterin in Meschede), Ellen Mendelin-Plauth (Beraterin in Brilon) und Diakoniepfarrer Peter Sinn etablieren einen ehrenamtlichen Besuchsdienst. Foto: Jana Sudhoff

Eine Münchenerin verliebte sich über das Internet und ließ für den Briloner alles stehen und liegen. Die Beziehung hat die Schwangerschaft nicht überdauert. Als Alleinerziehende ist sie überfordert, nicht zuletzt weil sie im Sauerland niemanden kennt.

Eines der Szenarien, mit denen die Mitarbeiter der Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte und Familienplanung der Diakonie Ruhr-Hellweg in Brilon konfrontiert werden. Ein ehrenamtlicher Besuchsdienst soll nun junge Familien mit null- bis dreijährigen Kindern, die nicht den nötigen finanziellen oder familiären Background haben, unterstützen. Dafür werden "Familienpatinnen" gesucht.

"Der Akku ist leer. Die jungen Mütter sind ausgelaugt", berichtet Ellen Mendelin-Plauth, Beraterin in Brilon. Bedarf gebe es beispielsweise auch in Familien mit sozial schwierigem Hintergrund, in Patchwork-Familien oder bei sehr jungen Familien, deren Eltern beruflich eingebunden sind. Ein Sprichwort besagt "Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf". Diese Voraussetzung ist in der heutigen Zeit aber immer seltener gegeben.

Unterstützung erhoffen sich die Projektorganisatoren daher von erfahrenen Frauen, die ehrenamtlich für rund zwei Stunden in der Woche in die Familien gehen. Die Einsatzmöglichkeiten richten sich nach den Bedürfnissen der Familie und den Möglichkeiten und Interesse der Ehrenamtlichen: Hilfe im Umgang mit dem Kind, Entlastung der Mutter, Gespräche.

"Die Familienpatinnen können und sollen die professionelle Hilfe in Form von Familienhebammen oder sozialpädagogischen Hilfen nicht ersetzen", betont Mendelin-Plauth. Es sei als Zusatzangebot gedacht zur professionellen Hilfe oder in Familien, die einfach überfordert sind, wo die Kinder ansonsten aber gut aufgehoben sind. Der zeitlichen Rahmen des Engagements wird in einer schriftlichen Vereinbarung zwischen der Ehrenamtlichen und der Familie festgelegt.

Im März sollen die Erstgespräche mit den angehenden Familienpatinnen geführt werden, es folgen vier kostenlose Schulungstermine, im Frühsommer soll das Projekt in Brilon starten. Einmal im Monat findet ein Treffen zum gemeinsamen Austausch statt. Unterstützt wird das Projekt von der Evangelischen Kirchengemeinde Brilon und Diakoniepfarrer Peter Sinn.

Auch die Beratungsstelle in Meschede steckt mitten in den Planungen. "Wir erhoffen uns Synergieeffekte zwischen Brilon und Meschede", so Petra Blanke, Beraterin aus Meschede. Wenngleich die Schulungen ortsgebunden stattfinden, könnten Fortbildungen und Supervisionen gemeinsam vorgenommen werden. Professionelle Anleitungen bekommen die Familienpatinnen etwa zu den Themen Familie und Distanz, Umgang mit Babys und Kleinkindern, Erste Hilfe am Kind, Rollenbilder, Kommunikation und rechtliche Grundlagen. "Wenn sich fünf Ehrenamtliche finden, wäre das für den Anfang ganz gut", sagt Mendelin-Plauth.

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