Lesung erinnert an den bekannten Dichter Matthias Claudius

„Als wäre er gar nicht tot“

Schauspielerin Barbara Auer las Gedichte von Matthias Claudius vor. Foto: Heiligers

Anlässlich des kurz bevorstehenden 200. Todestages des bekannten Autors, Journalisten, Theologen und Dichters Matthias Claudius veranstalteten die evangelische Kirchengemeinde Brilon und BWT Brilon Wirtschaft und Tourismus eine Romanlesung. So verzauberten die bekannte Schauspielerin Barbara Auer, der Briloner Pfarrer Werner Milstein, das Immanuel Quartett Leverkusen und die Sopranistin Anna Pehlken die Zuschauer in der gut gefüllten Pfarrkirche.

Die Veranstaltung trug den Namen „Jeder hat so seine Weise“ und beschrieb einen Tag im Leben des Matthias Claudius. Werner Milstein berichtete von dessen Existenz in Hamburg, Geschichten über seine Kinder, seine Sorgen und Nöte. Ein Zitat des Autors, das er seinem Sohn auf den Lebensweg mitgegeben hat, lautete: „Es gibt in dieser Welt nicht lauter gute Tage, wir kommen hier zum Leiden her.“

Es galt an diesem Abend leichte und sorglose Lyrik zu verdauen, die jedoch nicht über den mahnenden Ton hinwegtäuschen wollte. So konnte man unter anderem von Barbara Auer die Gedichte „Der Morgen“, „Der Tod“, „Christiane“ und „Die Liebe“ hören, weiterhin folgten die Besucher Werner Milstein bei Geschichten über Matthias Claudius’ junge Frau Rebecca Claudius, die Gründung der im Nachhinein erfolglosen Zeitung „Wandsbecker Bothe“ (bis 1879 noch diese Schreibweise), das Leben kurz vor Weihnachten 1770 und wie er mit Gott rang, als sein Freund und einige seiner Kinder starben.

Eines der bekanntesten Werke des Matthias Claudius ist das Gedicht „Der Tod und das Mädchen“, weil es laut Werner Milstein von Franz Schubert gleich zweimal bearbeitet wurde und zwar als Kunstlied und in D-Moll.

In den Erzählungen über den Dichter wurde deutlich, dass er seine Botschaft zu den Menschen bringen, sie aber niemandem aufzwingen wollte. Die Vielfalt der Welt war die Wurzel der Toleranz für ihn und was er glaubte, lebte er auch. „Alle Menschen sind Brüder, Gott hat sie alle gemacht“, „Wie soll ich Gott nicht loben, das Leben ist doch schön“ und „Sage nicht immer, was Du weißt, aber wisse immer, was Du sagst“ dürften an dem Abend die prägnantesten Zitate von Matthias Claudius gewesen sein. Die Lesung wurde durch immer wiederkehrende musikalische Untermalungen bereichert. Das genossen die zahlreichen Zuhörer sichtlich. Um die ruhige und entspannte Atmosphäre auf keinen Fall zu stören, wurde während der Darbietung noch nicht einmal geklatscht.

Spannungsbogen erzeugt

Der evangelische Pfarrer Rainer Müller lobte zum Abschluss die hohe literarische Kunst, diesen Spannungsbogen zu erzeugen und das Leben des Matthias Claudius in einen Tag zu fassen. „Wir haben ihn heute hier erlebt, als wäre er gar nicht tot.“

Weiterhin bedankte er sich bei dem Immanuel Quartett, weil es seiner Meinung nach in ganz besonderer Weise das Anliegen des Dichters zum Klingen gebracht hat. Aufgrund der hohen Resonanz wird diese Veranstaltung nicht die letzte ihrer Art gewesen sein. (Von Christiane Heiligers, brilon@sauerlandkurier.de)

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