„ Geld ist ein absolutes Tabuthema“

Arbeitskreis Armut lädt zu Sauerländer Tischreden im Evangelischen Gemeindezentrum Brilon 

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Gesprächsimpulse kamen an dem von Pfarrer Peter Sinn und Sandra Grimm (DGB) moderierten Abend von Susanne Schulze, Karl-Heinz Does und Gerd Heiler-Schwarz (v.l.) durch ihre Kurzstatements.

Brilon - „Gib der Armut dein Wort“ - Bei den dritten Sauerländer Tischreden im Evangelischen Gemeindezentrum in Brilon ging es um Tabus, Scham, eigene Erfahrungen im Umgang mit Geld und falsche Erwartungen.

Wie bei den vorherigen Veranstaltungen 2015 und 2017 hatte der Arbeitskreis gegen Armut im HSK vier Referenten eingeladen, die kurze Impulsvorträge hielten sowie einen breiten Kreis aus rund 50 Gästen, die beruflich, privat oder ehrenamtlich mit dem Thema Armut in Berührung gekommen sind: Mitarbeiter der Kirche, Vertreter von sozialen und caritativen Einrichtungen oder aus dem Gesundheitssektor, Pädagogen, Sozialarbeiter und Erzieher, Gewerkschaftsmitglieder sowie Politiker und Verantwortliche der Stadt. 

In Anlehnung an die Lutherischen Tischgespräche fand der Austausch an Erfahrungen und Ideen im Rahmen eines gemeinsamen, mehrgängigen Essens statt, wieder sehr lecker zubereitet und mit phantasievollen Namen „garniert“ von den „Köchelnden Kerlen“ aus Brilon. Die Teilnehmer, ließen sich, im bunten Mix zu jeweils sechs bis acht Personen als Tischgruppen nieder, sodass gute Gespräche möglich waren. Obendrein für einen akustischen Genuss sorgten Dirk Mündelein (Gitarre) und Gero Gellert (Contrabass). 

Einen regen Erfahrungsaustausch gab es auch bei den dritten Sauerländer Tischreden des Arbeitskreises gegen Armut im HSK.

Karl-Heinz Does von der Heimvolkshochschule der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) Möhnesee formulierte, angelehnt an die katholische Soziallehre, vier Leitlinien, nach denen der Sozialstaat wirken sollte: Das Prinzip der Personalität, das jedem Einzelnen das Recht auf Menschenwürde zuspricht, das Prinzip der Solidarität (Beispiel Sozialversicherung), das Prinzip der Subsidiarität, welches Hilfe zur Selbsthilfe an die Stelle von übergestülpten Konzepten setzt, sowie das Prinzip der Nachhaltigkeit, in dem sich die ökologische Verantwortung mit der sozialen Verantwortung auseinandersetzt. 

Der Gefahr, bei der Leistung sozialer Unterstützung eigene Vorstellungen vom Umgang mit Geld anderen überzustülpen, widmete sich der Impuls von Susanne Schulze, zuständig für Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Soest-Arnsberg: Anhand eines Fragebogens, den jeder für sich ausfüllen konnte, ging es darum, seinen eigenen, individuellen Erfahrungen und Einstellungen beim Umgang mit Geld nachzuspüren und - im Austausch mit den Tischnachbarn - zu hinterfragen. 

"Über Geld spricht man nicht - man hat es." (Deutsches Sprichwort)

Dabei wurde schnell deutlich, wie groß die Neigung ist, sich über materielle Fragen auszuschweigen - etwas, das sich auch in den Figuren widerspiegelte, die, im Raum verteilt, bekannte Sprichwörter zum Thema Geld aufgriffen, wie jenes: „Über Geld spricht man nicht, man hat es“. Schulze konstatierte: „Wir haben viele Redewendungen zu Geld aber es ist ein absolutes Tabu.“ 

Ganz konkret wurde es bei Gerd Heiler-Schwarz von der Diakonie Ruhr-Hellweg, der mit seinem utopischen Fallbeispiel einer personifizierten Armut augenzwinkernd aufzeigte, mit welchen, manchmal einfachen, Mitteln, soziale Hilfe ankommen und Wirkung zeigen könnte. Auf das Thema ökonomische Grundbildung ging Antonia Vogt ein. Sie stellte fest, dass, unter anderem auch wegen der Tabuisierung des Themas Finanzen, große Wissenslücken bestünden, die häufig erst dann offensichtlich werden, wenn, aufgrund von Brüchen in der Erwerbsbiographie, der finanzielle Spielraum enger wird. Es gebe zu wenige Bildungsangebote in diesem Bereich und die Bestehenden würden häufig nicht in Anspruch genommen, entweder weil die eigene Kompetenz überschätzt wird und die Motivation fehlt oder weil die Zugangsbarrieren zu hoch sind. 

Hier waren sich die meisten Gäste einig, dass eine Grundlagenvermittlung bereits an den Schulen stattfinden muss: „Man sollte die Bildung etwas von ihrem hohen Ross holen“, so ein Kommentar. Generell wurde dem Bereich Bildung eine Schlüsselfunktion bei der Bekämpfung von Armut (besonders durch Prävention) zuerkannt. Daneben seien aber auch gesellschaftliche Einrichtungen und sogar Vereine in der Pflicht. 

Nicht unbedingt mit neuen Erkenntnissen, aber mit einem neuen Schub Motivation gingen die Gäste am späten Abend auseinander. In ihren jeweiligen Funktionen werden sie, als Multiplikatoren dienend, die Anregungen des dritten Sauerländer Tischreden in ihre Heimat tragen.

Hintergrund: 

Gastgeber und Initiator der Sauerländer Tischreden ist der Arbeitskreis gegen Armut im HSK. Er besteht seit 2012 und ist ein loser Zusammenschluss von Vertretern des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, der Diakonie Ruhr-Hellweg, des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen und inzwischen auch des Caritas-Verbandes Arnsberg-Sundern.

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