Augen nicht verschließen

In Olsberg gibt es den Warenkorb seit knapp zwei Jahren. Die Mitarbeiter geben für Bedürftige Waren und Lebensmittel zu stark ermäßigten Preisen heraus. Archivfoto: J. Sudhoff

Viele Jahre gearbeitet zu haben und dennoch im Alter nicht über genug Geld für den Lebensunterhalt zu verfügen ? darüber zerbrechen sich wohl viele Arbeitnehmer den Kopf. Der erste ?Rentenreport? des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) kommt nun zu dem Schluss: Fast jeder dritte Rentenversicherte in NRW ist akut von Altersarmut bedroht. Der SauerlandKurier fragte nach, wie die Situation in Brilon und Olsberg eingeschätzt wird.

?Zunehmend sind es ältere Menschen, die den Warenkorb in Olsberg und Brilon in Anspruch nehmen?, berichtet Birgid Schultze-Neumann vom Caritasverband Brilon. ?Die Hemmschwelle ist aber noch da. Rentner haben gelernt zu sparen und mit dem auszukommen, was sie haben. Das können sie oft nicht mehr. Knackpunkt dabei: die gestiegenen Energiekosten.?

Um älteren Menschen unter die Arme zu greifen, braucht es niedrigschwellige Angebote wie den Warenkorb, berichtet Dirk Wiese, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks HSK. Darum habe die SPD vor zwei Jahren auch einen Seniorenbeirat für Brilon angestoßen: ?Altersarmut ist Thema im Hochsauerlandkreis, davor sollte man die Augen nicht verschließen. Diese Angelegenheit lässt sich zwar nur auf Bundesebene lösen, aber Organisationen wie der Seniorenbeirat sind ein wichtiger Baustein hin zu einer aktiven Bürgergesellschaft. Auf die Erfahrung der Rentner wollen wir nicht verzichten.?

Jugend früh genug sensibilisieren

Der Seniorenbeirat Brilon seinerseits beschäftigt sich momentan selbst mit dem Thema Altersarmut, wie der Erste Vorsitzende Peter Porada erzählt. Momentan sei Altersarmut in Brilon noch kein großes Thema: ?180 Fälle von über 65-Jährigen, die Hartz 4 beziehen, gibt es hier.? Die Problematik werde in Zukunft allerdings zunehmen und auch in der Region ankommen. Doch kann man dagegen ankämpfen?

Da ist Sensibilisierung das Zauberwort, meint Peter Polada: ?Als Rentner selbst kann man wenig machen. Das Einzige, was wir tun können und was der Seniorenbeirat macht, ist, die Jugend früh genug zu sensibilisieren und auf Risiken und Gefahren hinweisen.? Um dieses Ziel zu erreichen, wird wie schon zuvor eng mit dem Jugendparlament zusammengearbeitet.

?Das Problem ist, dass oft nur noch ?Minijobs? ohne Sozialversicherung angeboten werden. Da ist es an der Politik einzuschreiten?, so Polada. Anstelle von besagten 400-Euro-Jobs brauche es mehr Vollzeitstellen, die wieder in den Rententopf einzahlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare