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B7n: Fokus auf realisierbare Trassen legen

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Von: Claudia Metten

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B7n Nuttlar Brilon Trassenführung Umgehungsstraße
Lars Voigtländer, Abteilungsleiter Straßen.NRW, und Projektleiter Johannes Müller (rechts) erläuterten an sechs Meter langen Plänen, welche Varianten noch im Rennen sind. © Claudia Metten

Öffentlichkeitsbeteiligung, ein ausführlicher Dialog mit Politik, Bürgern und Landwirten sowie Transparenz und ausführliche Informationen zu allen Trassenführungen sind das Ziel von Straßen.NRW in Bezug auf den Bau der Umgehungsstraße B7n. Die Verlängerung der Bundesautobahn A46 mit dem Ende in Nuttlar bis nach Brilon zur B480 soll als sogenannter „2+1-Querschnitt“ konzipiert werden. Das bedeutet, dass den Verkehrsteilnehmern im Wechsel zwei Fahrstreifen zur Verfügung stehen werden.

Brilon/Nuttlar – „Im Frühjahr 2022 soll die Vorzugsvariante für das Linienbestimmungsverfahren vorgeschlagen werden. Um eine bestmögliche Trassenführung herbeizuführen ist ein weitgehender Konsens in der Region für die Variante mit den geringsten Betroffenheiten Voraussetzung“, so Lars Voigtländer, Straßen.NRW Abteilungsleiter Planung.

Am Montag startete in der Schützenhalle in Altenbüren der Politische Begleitkreis. Dienstagabend folgte dann das Dialogforum mit den Zufallsbürgern. Sie wurden auf den aktuellen Wissensstand gebracht. Bereits seit dem vergangenen Jahr ist bekannt, dass die Varianten 1, 3 und 8 nicht gebaut werden können wegen der streng geschützten Raubwürger – einer Vogelart, die auf der roten Liste der bedrohten Arten steht. Neu hinzugekommen ist das Vogelschutzgebiet zwischen Brilon und Marsberg. Dies verhindert die von den Zufallsbürgern im letzten Dialogforum vorgeschlagenen nördlichen Varianten 9, 10 und 11 rund um Scharfenberg. Auch eine Tunnelvariante 12 wurde zwischenzeitlich geprüft. Sie ist allerdings so teuer, dass das Nutzen-Kosten-Verhältnis sich derart reduziert, dass die Gefahr bestünde, dass die sogenannte Bauwürdigkeit nicht mehr gegeben ist und die gesamte B7n aus dem Bundes-Verkehrswegeplan fallen könnte. Zudem birgt das anliegende Karstgestein große Risiken für die Standsicherheit und bezüglich des Verschlechterungsverbotes der Wasserrahmenrichtlinie für das Grundwasser. Die Zufallsbürger sind sich einig, dass man sich – wenn auch schweren Herzens – von all diesen Überlegungen trennen muss, um schnell in der Planung voran zu kommen. „Die Planung der B7n kann nicht allen Ansprüchen genügen. Es müssen Kompromisse gemacht werden. Es gibt keine Variante ohne Konflikte“, ergänzte Voigtländer.

Darum sei es für das Planfeststellungsverfahren wichtig, die Trassenführung mit den geringsten Betroffenheiten zu generieren, da nach den Erfahrungen der letzten Baurechtsverfahren mit einem Klageverfahren zu rechnen sei.

Welche Varianten sind noch möglich?

Lars Voigtländer erläuterte mit seinem Team von Straßen.NRW an sechs Meter langen Plänen, welche Varianten noch im Rennen sind: Im Planungsabschnitt 1 zwischen der Anschlussstelle Nuttlar und Altenbüren ist die Trasse der Variante 1 gut durchführbar. Politik und Zufallsbürger begrüßen beide die Streckenführung, weil hier Hochspannungsleitungen und die neue Straße gebündelt werden. „Ich bin sehr froh, dass es bei einer deutlichen Entlastung von Antfeld bleibt“, so einer der Zufallsbürger. „Die Varianten 1, 3, 8, 9 und 11 werden aufgrund des Natur- und Artenschutzes nicht durchsetzbar sein. Variante 1 war die bevorzugte und sinnvollste Variante, da sie am Besten durch die Landschaft geht“, so der Abteilungsleiter von Straßen.NRW.

Varianten Grafik B7n Ortsumgehung Brilon Nuttlar
Die Grafik zeigt alle möglichen Varianten. © Straßen.NRW

Deutlich schwieriger ist die Abwägung im zweiten Abschnitt zwischen Altenbüren und Brilon. Die Bewertung der Varianten fällt aber sowohl in der Politik wie auch bei den Zufallsbürgern überraschend differenziert aus. Die Variante 2, die am dichtesten am Ortsrand vorbeiführt, wird nach Aussage von Straßen.NRW in den Höhenlagen ins Gelände eingeschnitten und damit tiefer gelegt. Dies hat positive Auswirkungen auf den Lärmschutz und die Schadstoffemissionen. Dennoch sorgen sich alle Teilnehmenden um die Höfe und die ohne Zweifel höhere Lärmbelastung im Ort. Die neu vorgeschlagene Variante 13 verläuft deutlich ortsferner. Sie führt von Brilon aus zwischen den Raubwürger-Gebieten hindurch und wird von vielen vor allem vor dem Hintergrund des Lärmschutzes als Favorit gesehen. Sie hat allerdings den erheblichen Nachteil höherer Kosten, weil zwei Talbrücken gebaut werden müssen und die Anschlussstelle in Altenbüren läge. „Dann liefe ja der gesamte Verkehr aus Brilon erneut durch Altenbüren“, so einer der Kommentare der Bürger. Dies wird von vielen – auch von der Politik – nicht als zielführend angesehen. Geprüft werden sollen die Auswirkungen einer alternativen Anschlussstelle an die vorhandene Ortsumgehung Brilon. Die Variante 4 liegt zwischen V 2 und V 13 und wird bereits von Stimmen aus der Politik sowie von einigen Bürgern als Kompromissvariante gesehen. Sie betrifft aber auch landwirtschaftliche Höfe. Politischer Begleitkreis und Zufallsbürger weisen deshalb auf die wichtige Einbeziehung der betroffenen Landwirte hin. Hier sind bereits erste Gespräche vereinbart und im November folgen die großen Veranstaltungen mit dem Landwirtschaftsforum.

Die Varianten 6 und 7

Auch zum Planungsabschnitt 3 nördlich von Brilon gibt es intensive Diskussionen. Der politische Begleitkreis hatte sich hier eher in Richtung einer Variante 6 geäußert, um den Verkehr von Brilon aus noch auf der alten B7 führen zu können. Vor allem die Zufallsbürger sind hin- und hergerissen. Sie sehen das Übel des hohen Flächenverbrauchs der Variante 6, die parallel zur alten B7 gebaut würde. Die V7, die auf der alten B7 verläuft, hat aber das Problem, dass keine Auffahrt mehr von Brilon aus möglich wäre. Die Bürger arbeiteten intensiv an den Kartenausschnitten und gingen von Planungsabschnitt zu Planungsabschnitt. Auch hier kam die zentrale, neue Anregung für eine Untersuchung der Verschiebung der Anschlussstelle in den Bereich nördlich des Busdepots Brilon, die eine Auffahrt in diesem Abschnitt 3 ermöglichen würde, ansonsten aber auf der alten B7 Strecke bliebe. Straßen.NRW wird diese Anregung jetzt intensiv prüfen.

Weitere Anregungen

Eine weitere wichtige Anregung kam von den Zufallsbürgern. Sie betrachteten mit Sorge eine Engstelle zwischen den Verläufen der alten B7 bzw. den neuen Varianten V7 und V6 und dem nördlich gelegenen FFH-Gebiet Blumenstein. Um zu vermeiden, dass die Trasse hier einen Hof betrifft, wird eine nördliche Umgehung vorgeschlagen, die dann im weiteren Verlauf auch nördlich der Variante 5 eine neue Linienführung bräuchte. Vorteil könnte hierbei sein, dass die sehr hügelige Topographie im letzten Abschnitt nördlich etwas sanfter verläuft und nicht so hohe Dämme gebaut werden müssen, um die Taleinschnitte auszugleichen. Straßen.NRW wird auch diesen Vorschlag aufgreifen und prüfen.

Am Donnerstag, 28. Oktober, findet von 18 bis 20 Uhr eine öffentliche, digitale Infoveranstaltung zum Stand der Planung statt. Alle Interessierte können teilnehmen unter www.b7n.nrw.de dafür die Einwahldaten beziehen.

„Unser großes Ziel ist es, die A46 bis zur A33 zu vervollständigen. Der Bau ist auch ein Stück Klimaschutz, da die Fahrzeuge nicht mehr durch die Ortschaften brettern. Ich glaube daran, dass gemeinsam eine Lösung trotz Betroffenheiten gefunden wird und die B7n gute Aussichten hat, realisiert zu werden“, lautete das abschließende Fazit von Lars Voigtländer.

Infos im Internet: www.b7n.nrw.de

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