Moralisches Dilemma

Besucher im Theater "Terror" entscheiden über das Ende des Stücks

Johannes Brandrup spielt in „Terror“ den vorsitzenden Richter. Foto: Markus Nass
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Johannes Brandrup spielt in „Terror“ den vorsitzenden Richter.  

Brilon. Der Besucherring Brilon präsentiert am Samstag, 8. Oktober, 19 Uhr das „Euro-Studio Landgraf“ mit Ferdinand von Schirachs Stück „Terror“ auf der Bühne im Bürgerzentrum Kolpinghaus. Jenes Theaterstück dreht sich um die Frage: Darf der Staat zur Terrorabwehr töten? Wie das Stück endet, hängt letztlich auch von der Entscheidung des Publikums ab.

Major Lars Koch, Kampfjetpilot der Bundeswehr, steht vor Gericht. Angeklagt ist er des 164-fachen Mordes. Was ist passiert?

Am 26. Mai 2013 erhält Koch den Befehl, einen vollbesetzten, von Terroristen gekaperten Airbus vom Kurs abzudrängen, was ohne Erfolg bleibt. Ziel der Terroristen ist es, den Airbus in die ausverkaufte Münchner Allianz-Arena stürzen zu lassen, in der 70.000 Zuschauer dem Länderspiel Deutschland gegen England entgegenfiebern. Lars Koch entscheidet sich eigenmächtig, das Passagierflugzeug abzuschießen, um die Fußball-Fans zu retten. Alle 164 Airbus-Insassen sterben. Ist Koch schuldig, weil er 164 Menschen zum Objekt gemacht hat und damit deren Rechte und Menschenwürde verletzte?

Darüber muss auch das Publikum nach bestem Wissen und Gewissen, wie es im deutschen Richtergesetz heißt, urteilen. In der Pause stimmen die Zuschauer per Hammelsprungverfahren ab, wie das Theaterstück weitergeht. Aus diesem Grund wird die Pause ausnahmsweise erst kurz vor Ende des Stückes sein. Plädiert der überwiegende Teil des Publikums für „schuldig“, wird die Schuldig-Variante gespielt, hält die Mehrheit Lars Koch für „unschuldig“, kommt diese Begründung des Richterspruchs zur Aufführung. Die Regie führt Thomas Goritzki mit Johannes Brandrup und anderen.

In „Terror“, seinem ersten Theaterstück, stellt der ehemalige Strafverteidiger Ferdinand von Schirach, der 2009 durch seine Kriminalerzählungen „Verbrechen“ schlagartig zur literarischen Sensation wurde, die Frage nach der Würde des Menschen und dessen moralischer Verantwortung: Darf ein Mensch töten, um andere zu retten? Welche Gründe kann es geben, um ein Unheil durch ein anderes, vermeintlich kleineres Unheil abzuwehren? Ist die Entscheidung von Lars Koch moralisch vertretbar oder nicht?

Ferdinand von Schirach gelingt es, die Zuschauer durch seinen suggestiven Gerichts-Thriller gleichzeitig zu emotionalisieren und zum Nachdenken darüber zu verführen, wie sie in einem ähnlichen moralischen Dilemma entschieden hätten.

Am 14. Oktober erscheint die Verfilmung in den deutschen Kinos, unter anderen mit Florian David Fitz und Lars Eidinger in den Hauptrollen.

Karten für die Aufführung in Brilon sind im Vorverkauf bei der BWT, Tel.  0 29 61/9 69 90 oder an der Abendkasse erhältlich.

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