Schützen kämpfen um Artenschutz für „Schützenvogel“

Bezug zur Realität fehlt

Bei der Kreisschützenversammlung am vergangenen Samstag gab es unter den 610 Delegierten aus den 67 Schützenvereinen im ehemaligen Kreis Brilon in der Gemeindehalle Alme vor allem ein Thema: die neue Schießstandrichtlinie.

Schützenvögel sollten fortan nur noch einen Bauchdurchmesser von nur acht Zentimeter statt bisher stattlichen 15 Zentimeter haben. Ihren geliebten Vogel auf Diät setzen? Kommt bei den Sauerländer Traditionsschützen nicht infrage.

Von Emily Engels

„Adler statt Spatz – Artenschutz für Schützenvögel.“ So heißt die Facebookseite, auf der zahlreiche Schützen dafür kämpfen, dass der Schützenvogel seine ursprüngliche Größe und Dicke behalten darf. „Der Schützenvogel ist mehr als ein Stück Holz“, heißt es dort. „Er ist Symbol für Brauchtum und ehrenamtliches Engagement im Schützenverein.“ Die Seite hat bereits mehr als 4000 Anhänger und zeigt, dass sich niemand mit der vom Bundesinnenministerium erstellten Schießstandrichtlinie zufrieden geben will.

„Die Sachen, die dort in Berlin entschieden werden, haben mit der Lebenswirklichkeit nichts mehr zu tun“, meinte Martin Tilmann, stellvertretender Bundesoberst. Die Schützenlandschaft sei viel bunter, als man es sich in Berlin vorstellen könne.

Auch Landrat Dr. Karl Schneider hofft, dass „dieser Unsinn bald wieder aus der Welt geschaffen wird.“ Er erklärt, dass der Hochsauerlandkreis stolz ist auf die Netzwerke, die Sauerländer Schützen durch ihre Schützenfeste aufbauen. Man müsse sich dringend gegen diese Schießstandrichtlinien wehren, der Hochsauerlandkreis dürfe auf keinen Fall zu einer vereinsfreien Zone werden.

Neue Richtlinie wirft viele Fragen auf

Landtagsabgeordneter Matthias Kerkhoff betonte noch einmal, wie viel ehrenamtliches Engagement in der Organisation eines Schützenfestes steckt. „Die Politik sollte alles unterlassen, was dieses Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher erschwert,“ meinte er in Alme.

Kreisoberst Dieter Braun hoffte auf Zuversicht. Am 19. März sei ein weiterer entscheidender Termin in Berlin. Dann sind die Kreisschützenbünde Arnsberg, Brilon und Meschede in das Bundesinnenministerium eingeladen und können ihr Anliegen noch einmal vortragen. Braun hofft darauf, nach dem Termin in Berlin „weißen Rauch gen Himmel schicken zu können.“ Bei den einzelnen Vereinen kommt es jetzt zu zahlreichen Fragen. Da ein Schützenvogel bekanntlich nicht erst am Tag des Schützenfestes geschnitzt wird, fragen sich viele Vereine jetzt vor allem, wie sie mit dem Bau der Schützenvögel verfahren sollen. Hierbei ist die allgemeine Stimmung trotz allen Rückschlägen optimistisch. So wollen viele Vereine mit dem traditionellen Bau fortfahren. Wahrscheinlich kommt dieser Optimismus daher, dass für die meisten Beteiligten jeglicher Bezug zur Realität und Begründung dieser Schießstandrichtlinien fehlt. Die vage Begründung des Sicherheitsaspektes vor allem nach dem Amoklauf in Winnenden wird von den Vereinen weder verstanden noch akzeptiert, da es bei Schützenfesten ausschließlich um die Ausübung des traditionellen Vogelschießens gehe, nicht aber um das für Winnenden relevante sportliche Schießen. Einen ernsthaften Vorfall, der die Sicherheit der Besucher gefährden würde, habe es auf einem Sauerländer Schützenfest noch nie gegeben.

Mehr als 13.000 Klicks bei Facebook

Auch Kreisgeschäftsführer Norbert Clement betont noch einmal, dass es auf den Schützenfesten vor allem um Tradition gehe. Darüber hinaus werde durch die Schützenfeste unter anderem auch der Erhalt der Schützenhallen finanziert. Diese seien für die einzelnen Ortschaften nicht nur wichtige Versammlungsorte, sondern dienen Jahr für Jahr auch als Theater- und Showbühnen und als Räumlichkeit zahlreicher Feste. Auch Norbert Clemens sieht trotz der Probleme zuversichtlich in die Zukunft. „Wir werden weiter kämpfen, um irgendwann als Sieger vom Platz zu gehen.“

Wie brisant das Thema ist, zeigt auch ein von der SauerlandKurier-Redaktion auf der zeitungseigenen Facebook-Seite geposteter Beitrag zu einem Sendebeitrag des ZDF: Der Artikel wurde (bei Redaktionsschluss) von mehr als 13.648 Menschen gelesen, 83 Mal geteilt und mehrfach kommentiert.

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