Schach mit Ansage

Blinde Spitzenspieler trafen sich in Brilon zur Meisterschaft

+
Nach den Gratulationen zu seinem 60. Geburtstag hieß es auch für Frank Kansier (l.) sich mit höchster Konzentration im Wettkampf zu behaupten.

Brilon. Von spielerischem Können, vorausschauenden Denken und Konzentration in Höchstform waren die Meisterschaften des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Schachbundes (DBSB) in Brilon geprägt. Bei dem „königlichen Brettspiel“ stellten die 50 Spieler trotz ihres Handicaps unter Beweis, dass sie beim Schach nicht zu schlagen sind.

Kurz vor Beginn des vierten Turniertages am Donnerstag herrschte eine entspannte Atmosphäre zwischen den Spielern, die aus ganz Deutschland zu diesem anspruchsvollen Wettkampf angetreten waren. „Man kennt sich und auch, wenn wir beim Turnier Gegner sind, so besteht doch ein freundschaftliches Verhältnis untereinander,“ erklärte Frank Kansier aus Hannover, der an diesem Tag seinen 60. Geburtstag feierte. Dies unterstrich auch Olaf Doberzin aus Leipzig, einer der ersten Gratulanten mit einem Schulterklopfen. „Weißt du noch, wie wir vor zehn Jahren zum ersten Mal am Spieltisch gesessen haben?“

Mit dem Kommando durch Spielleiter Fritz Günter Obert, der auch gleichzeitig die Schiedsrichterrolle inne hatte, verstummten die Gespräche und nur noch leises Stimmengemurmel war an den Tischen zu hören: „Bauer David 4 – Bauer Felix 5, Springer Friedrich 3 – Bauer Gustav 6“.

Jeder Teilnehmer verfügt bei Blindenschach über ein eigenes Brett. Die blinden Spieler benutzen spezielle Steckschachspiele, um die Figuren befühlen zu können, ohne dass diese verrutschen oder umfallen. Damit die blinden Spieler die weißen von den schwarzen Figuren unterscheiden können, sind die schwarzen Figuren oben mit aufgesetzten Nägeln versehen. Auf dem Brett sind die weißen und schwarzen Felder durch leicht unterschiedliche Höhen ertastbar.

Züge werden dem Gegner angesagt

Dieses Steckschachbrett wurde 1848 auf einer Blindenschule in London entwickelt. Die Züge werden dem Gegner angesagt und in Blindenschrift notiert oder in ein Diktiergerät gesprochen. Nach 40 Zügen endet die oftmals mehrere Stunden dauernde Partie.

Zu diesem Turnier hatte sich auch der Schachbundestrainer Wilfried Bode eingefunden, der neben dem Wettkampf reichlich Informationen für die Turnierteilnehmer parat hatte. „Für die Mannschaften ist es immer ein Event,“ unterstrich Thorsten Mueller, Erster Vorsitzender des DBSB, „sowohl der Wettkampf, als aus die Möglichkeit sich mit Gleichgesinnten treffen zu können.“ Großes Lob gab es von Dieter Riegler, Pressewart und als Urgestein seit 1983 im Blindenschach aktiv für das Haus am Kurpark: „Hier wurde optimal auf die Bedürfnisse der Blinden und Sehbehinderten eingegangen. Neben mit beispielsweise auf dem Fußboden aufgeklebten Wegmarkierungen und Zimmernummern in Blindenschrift wurden wir mit großem Interesse und guter Unterstützung begleitet.“ So könnte sich Brilon nach Ansicht der Organisatoren als Standort für weitere nationale und internationale Turniere etablieren. „Wir sind in Gesprächen, 2019 die nächsten Turniere wieder hier auszurichten,“ erklärte Thorsten Mueller.

Der DBSB hält unter www.dbsb.de Infos und Neuigkeiten für Interessierte bereit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare