Pilotprojekt „Flurbereinigung“ – Zeitzeugen gesucht

Brilon als Musterbeispiel

Der Hof Josef Rummel an der Propst-Meyer-Straße in Brilon siedelte in das Südfeld aus. Das stadtbildprägende Fachwerkhaus ist heute die Heimat des St.-Elisabeth-Kindergartens. Archiv des Museums Haus Hövener

Brilon erreichte vor 60 Jahren fast über Nacht nationale und internationale Aufmerksamkeit, denn: „Die Bauern von Brilon“ – titelte „Der Spiegel“ in seiner Ausgabe vom 16. März 1955 und verwies in diesem Artikel auf die größte Flurbereinigungsmaßnahme und ein Pilotprojekt in der Aussiedlung landwirtschaftlicher Betriebe der jungen Bundesrepublik. Heute oft vergessen, stand Brilon zu dieser Zeit im Fokus der Betrachtungen zur Neuordnung der Landwirtschaft und zur umfassenden Umstrukturierung des gesamten ländlichen Raumes.

Mittlerweile gilt es als erwiesen, dass der damalige Nordrhein-Westfälische Landwirtschaftsminister, spätere Bundeslandwirtschaftsminister und Bundespräsident Heinrich Lübke (1894-1972), nach Hinweis einiger Briloner Landwirte und der Landwirtschaftskammer ein Pilotprojekt umzusetzen versuchte, das wegweisend für weitere Flurbereinigungsmaßnahmen und Aussiedlungen landwirtschaftlicher Betriebe und Pilotprojekt für alle weiteren Maßnahmen in der Bundesrepublik werden sollte.

Nach der im vergangenen Frühjahr durch eine Vortragsreihe begonnenen Untersuchung werden die Forschungen zu Flurbereinigung und Aussiedlung in Brilon nun fortgesetzt. Der Briloner Heimatbund Semper-Idem und Dr. Peter Becker von der Universität Paderborn gehen aus diesem Grund weiter auf die Suche nach Zeitzeugen, Fotos, Akten und Dokumenten zu dieser damaligen Entwicklung, die Brilon und die Briloner Feldflur mehr verändert hat als die vielen Jahrhunderte zuvor. Wer kann sich noch an diese Zeit erinnern und kann durch eigene Berichte etwas beitragen? Wer hat noch Fotos und Unterlagen, die die Flurbereinigung und Aussiedlung der landwirtschaftlichen Betriebe dokumentieren? Wer weiß, was damals in Brilon so los war? Winfried Dickel vom Briloner Heimatbund bittet alle Bürger, die etwas zu diesem Thema beitragen können, ihre Fotos und Unterlagen dem Museum Haus Hövener zur Verfügung zu stellen. Die Unterlagen werden fachgerecht digital archiviert und den Eigentümern umgehend zurückgegeben.

Nach wissenschaftlicher Auswertung soll das Projekt im interaktiven Briloner Stadtmodell dokumentiert und in einer Ausstellung und weiteren Veranstaltungen näher erläutert werden. Insbesondere die Familien der Briloner Aussiedlerhöfe und die an der Flurbereinigung beteiligten Landeigentümer werden um Mithilfe gebeten.

Das Museum Haus Hövener ist außer montags täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Kontakt: Museum@Haus-Hoevener.de, % 0 29 61/9 63 99 01.

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