"Kurse leben von Gruppenarbeit"

DRK Brilon nimmt Ausbildung in Erster Hilfe nach Corona-Shutdown wieder auf

Jens Herrmann ist einer der Erste-Hilfe-Ausbilder beim DRK und freut sich über eine Wiederaufnahme der Kurse.
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Jens Herrmann ist einer der Erste-Hilfe-Ausbilder beim DRK und freut sich über eine Wiederaufnahme der Kurse.

Brilon - Gerade in Krisenzeiten kommt es auf Zusammenhalt und Menschlichkeit an. Um hier ein wichtiges Zeichen zu setzen, wurden in Brilon vor Kurzem die Ausbildungen in Erster Hilfe wieder aufgenommen. Das DRK Brilon bildet seit Jahren in der Breite sowohl junge Führerscheinbewerber als auch Ersthelfer im Betrieb aus und vermittelt ihnen die Grundlagen der Ersten Hilfe.

Ohne Kurs keine Führerscheinprüfung – entsprechend schnell waren die ersten Ausbildungen nach wenigen Stunden ausgebucht. Während der aktuellen COVID-Lage ist es schwierig, Ausbilder für einen Kurs zu finden: Viele der etwa 20 Dozenten, die regelmäßig für das DRK Brilon ausbilden, arbeiten hauptberuflich im Rettungsdienst. Ihnen war jedwede Nebentätigkeit lange verboten. Das Kontingent an durchführbaren Kursen ist entsprechend kleiner. 

Die Teilnehmerzahl muss nach dem Hygienekonzept auf maximal zwölf begrenzt werden. Jeder unnötige Kontakt zwischen den Teilnehmern ist zu vermeiden. „Ein Erste Hilfe-Kurs lebt von Gruppenarbeiten und der Möglichkeit, etwas selbst auszuprobieren. Ich kann nicht sieben Stunden lang einen reinen Beamer-Vortrag halten. Das wäre langweilig“, berichtet Dozent Jens Herrmann. 

Gerade bei der Reanimation und hier insbesondere bei der Beatmung sei es wichtig, dass die Teilnehmer selbst an einer Puppe üben können, um Hemmungen und Ängste abzubauen. Das Üben der Beatmung könne derzeit jedoch nicht durchgeführt werden, da die Aerosol-Belastung zu hoch wäre. „Auf lange Sicht müssen wir damit rechnen, dass die Beatmung in den Kursen nicht mehr durchgeführt wird“, bemängelt der 24-Jährige. Ein Herzensthema: Drücken sei zwar wichtiger als Beatmen. Durch missglückte Werbekampagnen habe sich aber weit verbreitet, dass die Beatmung heute gar nicht mehr erforderlich sei. Dabei ging es eigentlich nur darum, Hemmungen vor der Reanimation abzubauen. 

Auch bei anderen Übungen müssen derzeit Abstriche gemacht werden: Aus Infektionsschutzgründen können die Teilnehmer nicht in Gruppen üben, ein Mindestabstand von 1,5 Metern muss – wie überall anders auch – jederzeit eingehalten werden. Nur Einzelübungen sind möglich. Wenn eine Zweiergruppe gebildet wird, muss diese während des ganzen Kurses gleich bleiben. 

Das Ausbilderteam des Kreisverbandes Brilon möchte versuchen, die Kurse trotz aller Sicherheitsmaßnahmen so realitätsnah wie möglich zu gestalten. Die Teilnehmer sollen genau so viel mitnehmen wie vor Corona. Um überhaupt wieder Kurse anbieten zu können, zentralisiert der Kreisverband seine Kurse derzeit auf den Hauptsitz. Das Tragen einer Maske (Mund-Nasen-Schutz) während des gesamten Kurses ist verpflichtend. Kaffee und Kaltgetränke dürfen derzeit nicht angeboten werden. 

Dennoch möchte das DRK Brilon weiter Erste-Hilfe-Kurse anbieten. Man behilft sich: Kleine Gruppen, ein interaktives Quiz, kurze Einspielclips, Einzelübungen auf mehrere Räume verteilt, Desinfektion der Puppen nach jedem Teilnehmer. Es sei anstrengend aber möglich. Das Teilnehmer-Feedback des ersten Wochenendes war positiv. Zwei Dinge sind den Rotkreuz-Ausbildern wichtig: Helfen kann man auch während der aktuellen Lage. Und zu lernen, wie man helfen kann, soll auch momentan Spaß machen. „Das Feedback der Teilnehmer spornt uns an. Wir planen schon den nächsten Kurs“, resümiert Herrmann. Für diejenigen, die den Kurs brauchen, wolle man da sein – das sei eine der wichtigsten Aufgaben der Hilfsorganisation.

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