Auf dem Land mobil sein

Brilon-Ticket sorgt für hitzige Diskussionen im Stadtrat

Brilon. Hitzige Diskussionen gab es jetzt zwischen den Fraktionen im Briloner Stadtrat. Grund hierfür war das Brilon-Ticket. Das Monatsticket für den Bus soll 30 Euro kosten und ab 2019 testweise für ein Jahr eingeführt werden. Unumstritten ist dieses aber nicht, denn es müsste über die Stadt Brilon subventioniert werden. Die Verwaltung schlug aus diesem Grunde vor, aus dem Haushalt 100.000 Euro hierfür bereit zu stellen.

Zu Beginn der Diskussion erläuterte Bürgermeister Dr. Christof Bartsch, warum er das Ticket für sinnvoll hält. Er hob hervor, dass die Dörfer hochgeschätzte Lebensräume sind, welche auch in Zukunft geschützt werden sollen. Dazu gehöre auch, dass beispielsweise die gesundheitliche Grundversorgung in den Dörfern aufrechterhalten werden muss. Es sei notwendig, die Dörfer näher an die Kernstadt heranzubringen. Beispielsweise das Sammeltaxi oder auch der Bürgerbus würden dies gewährleisten. Auch der Radverkehr soll in Zukunft noch mehr ausgebaut werden. Die Attraktivität der Kleinstädte und Dörfer sei bereits wieder neubelebt, betonte Bartsch und berief sich dabei auf eine Bertelsmann Studie, nach der die „Landflucht“ gestoppt sei. Das Brilon-Ticket sei eine gute Möglichkeit um Brilon noch attraktiver zu machen und auch mehr Menschen für den Nahverkehr zu begeistern. 

Auch Hauke Möller, Vertreter der RLG, betonte das dies ein „sehr interessanter Ansatz“ sei, „um neue Mobilitätsstandards zu eröffnen.“ „Es ist eine Chance für die Bürger, aber auch eine Chance, um das Angebot zu sichern.“ Die Leute seien bereit für Alternativen und damit auch dazu bereit, den öffentlichen Personennahverkehr mehr zu nutzen. 

Kritik an der „kleinen“ Zielgruppe 

Kritik kam besonders aus der CDU-Fraktion. Besonders die „kleine“ Zielgruppe sorgte hier für Diskussionen. Kinder und Jugendliche sind im Besitz von Schülertickets und brauchen deswegen kein zweites „Brilon-Ticket“. Das Sozialticket für Menschen die auf Sozialleistungen angewiesen sind, ist mit 25 Euro deutlich billiger. Hinzu kommt das 60-plus-Abo. Auch dieses ist günstiger als das angestrebte Brilon-Ticket. Somit beschränkt sich der Nutzerkreis auf Menschen im Alter von 21 bis 59 Jahren, die nicht auf Sozialleistungen angewiesen sind. 

Reinhard Loos von der Briloner-Bürgerliste (BBL) sprach sich für das Monatsticket aus und widersprach der CDU. Anders als das Schülerticket oder das Ticket aus dem 60-plus-Abo sei das Brilon-Ticket nicht zeitbegrenzt. Ein Nutzer des 60-plus-Abo könne zum Beispiel erst morgens ab 8 Uhr mit dem Bus fahren. Somit sei beispielsweise ein früher Arzttermin gar nicht möglich. Loos’ Meinung nach ist die in Frage kommende Zielgruppe viel größer. 

Des Weiteren forderte die CDU, Alternativen zu überlegen. So könne es beispielsweise ein billigeres Ticket für Schüler geben, damit diese auch in ihrer Freizeit preisgünstig von einem Ort zum anderen kommen. Das geplante Ticket sei dagegen eine völlig willkürliche Förderung einer bestimmten Gruppe, so Ratsmitglied Eberhard Fisch. Die SPD hielt dagegen, dass mit diesem Ticket alle Menschen angesprochen werden sollen, denn auch in Zukunft würden Busse und Bahnen immer wichtiger werden. Die Mobilität müsse neu gedacht werden und auf diesen Versuch solle man sich einlassen. 

„Das Auto wird in den nächsten Jahren an Bedeutung verlieren“, betonte Hubertus Weber. „Wir müssen schauen, dass wir den öffentlichen Nahverkehr aufrecht erhalten.“ Zugestimmt wurde ihm auch von anderen Fraktionskollegen. Auch sie betonten, dass zum Beispiel in der Stadt immer weniger Menschen mit dem Auto fahren. Dieses würde in Zukunft auch auf Brilon zukommen. 

Thomas Becker von der CDU hielt dagegen, dass junge Leute auf das Auto angewiesen sind. Hinzugefügt wurde, dass auch Arbeitnehmer teilweise auf das Auto angewiesen seien, weil es für sie gar nicht anders möglich wäre zum Arbeitsplatz zu kommen. Ein weiteres Argument war, dass der zeitliche Aspekt immer wichtiger bliebe als der preisliche. Denn auf dem Land bliebe die Mobilität auch in Zukunft sehr individuell. 

Loos urteilte hierzu das es nicht zukunftsgerecht sei, nur auf das Auto zu setzen. Weitere Kritik kam auch von Karl Becker aus der CDU-Fraktion. Er vermisse eine innovative Herangehensweise und innovative Ideen bei dem Brilon-Ticket. Neue Ideen wären, seiner Meinung nach, beispielsweise neue Buslinien, die auch später abends fahren oder eine Briloner Mitfahrapp. 

18 „Ja“-Stimmen und 17 „Nein“-Stimmen 

Auch die Idee Carsharing wurde ins Spiel gebracht, diese solle mit Hilfe der vielen Autohäuser in Brilon angegangen werden. Am Ende wurde der Antrag in abgewandelter Form mit 18 „Ja“-Stimmen und 17 „Nein“-Stimmen angenommen. Bei dem Versuch soll der Haushalt allerdings nicht mit den geplanten 100.000 Euro belastet werden, sondern nur mit 50.000 Euro. Bei großer Nachfrage von Tickets ist die Verwaltung dazu verpflichtet mit den Nahverkehrsbetrieben in Verhandlungen zu gehen, um auch den Spitzenbedarf an Tickets decken zu können.

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