Kindheitstraum erfüllt

Briloner Autor und Reporter Michael Wigge ist im Tauschrausch

Michael Wigges Errungenschaft in Indien: ein Tuk Tuk

Brilon. Auf sehr unkonventionelle Art hat sich Michael Wigge seinen Kindheitstraum von einem Haus auf Hawaii erfüllt. Der gebürtige Briloner, der heute als Autor und Reporter in Berlin lebt, hat sich mit einem angebissenen Apfel zu einem Hippie-Holzhäuschen hoch getauscht. 200 Tage ist er dafür um die Welt gereist. ZDFneo hat seinen Selbstversuch 2011 ausgestrahlt. Die Erlebnisse seiner Tauschreise hat der 35-Jährige jetzt in seinem Buch "Wigges Tauschrausch" zusammengefasst.

Wie bekommt man aber einen angebissenen Apfel an den Mann? Das war die große Frage, als Wigge, der bereits 2009 in einem Selbstversuch ohne einen Cent bis zur Arktis gereist war, sein neues Projekt in der Mainzer Fußgängerzone begann. "Ich habe spontan angefangen, ohne groß zu planen", sagt er. Nach einigen Fehlversuchen überzeugte das angenagte Obst einen Raucher, seine 16 Zigaretten aus gesundheitlichem Interesse zu opfern. Recht zügig verwandelte der Reporter, der von einem Kameramann begleitet wurde, sein "50-Cent-Kapital" in einen Tauschwert von 20 bis 30 Euro.

Später war der Abenteurer bereits mit einem Rasenmähertraktor aus Paderborn unterwegs - keine geeignete Fracht für einen Flug. "Bevor man ins Flugzeug steigt, steht ein Kleintausch an", erklärt Wigge, der 2011 für den Grimme-Award nominiert war. Doch der Schlitten, den der 35-Jährige unter anderem in den Alpenländern ergatterte, war in Südindien nicht so gefragt. Während es dem Weltreisendem in den westlichen Ländern zugutekam, dass sich die Angesprochenen von der lustigen Aktion animieren ließen, seien die Inder pragmatischer. "In Indien wurde außerdem das Tauschen als out angesehen", berichtet der Reporter. Im neuen indischen Selbstbewusstsein komme die Geldwirtschaft besser an. "In Indien habe ich mich ein bisschen verloren gefühlt", gesteht Wigge, der nach Paniktauschen nur noch mit fünf Kilo Tee in der Hand dastand.

Von fünf Kilo Tee zum Tuk Tuk

"Ich habe mir ein Zwischenziel gesetzt. Als Nächstes wollte ich mich zu einem Tuk Tuk hoch tauschen." Was nach einer dreiwöchigen Odyssee gelang. Allerdings nicht, ohne eine Zusatzdienstleistung in die Waagschale zu werfen. "Ich habe für ein Yoga-Center ein Video gedreht."

Viel besser lief es in Brasilien, wo Wigge in Pomerode mehrere große Tauschaktionen landete. Unter anderem nannte der gebürtige Briloner einen Papagei, einen VW Käfer und Pony Hansi sein Eigen - als transportabler erwiesen sich aber doch das eingetauschte Smartphone und eine Kiste mit einem 5000 Euro teurem Porzellan-Service. Nicht nur wegen der fetten Ausbeute wird Pomerode, eine Kleinstadt, die ab 1861 von pommerschen Siedlern bevölkert wurde, in Erinnerung bleiben. "Die Menschen sprechen pommerisch, laufen in Dirndl und Lederhosen rum, leben in Fachwerkhäusern unter Palmen und haben 16 Schützenvereine", schildert Michael Wigge, der mit seiner Aktion und seinem Buch allen den Impuls geben möchte, dass es sich lohnt, Träumen nachzugehen. "Sich nicht abschrecken lassen von ,ich darf nicht' oder ,ich soll nicht.'"

Ein paar Risse hat sein Traum zugegebenermaßen jetzt bekommen. Das Holzhäuschen auf Hawaii ist im Regen etwas muffelig geworden. Wen das nicht stört, kann dort für ein, zwei Wochen wohnen. Im Tausch versteht sich. Für kleinere Instandsetzungsmaßnahmen wie Rasen mähen oder streichen.

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