Digitale Veranstaltung

Briloner Wirtschaftsforum: Zukunftsforscher fordert Mut zu Innovationen auch in Pandemie-Zeiten

Erfolgreiche Krisenmanager sind wie Feuerwehrleute. Sie löschen den Großbrand und machen sich danach bewusst: Was sind die langfristigen Entwicklungen?
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„Erfolgreiche Krisenmanager sind wie Feuerwehrleute. Sie löschen den Großbrand und machen sich danach bewusst: Was sind die langfristigen Entwicklungen?“, so Zukunftsforscher Andreas Steinle auf dem Briloner Wirtschaftsforum.

„Innovation. Jetzt erst recht!“ lautete das Thema auf dem 57. Briloner Wirtschaftsforum. In diesem Jahr hatte die Volksbank Brilon-Büren-Salzkotten erstmalig in digitaler Fom zu der hochkarätigen Veranstaltung eingeladen. 

Brilon - Dr. Christof Bartsch, Bürgermeister der Stadt Brilon, sprach davon, dass im Zusammenhang mit Corona viele Veränderungen auf den Weg gebracht worden seien. „Die Informationsgeschwindigkeit ist enorm geworden. Viele kommen nicht mehr mit, fühlen sich überfordert. Das Denken und Einführen von Neuem ist erforderlich.“ Gleichzeitig wies Bartsch aber auch daraufhin, dass Innovationen Angst erzeugen und auf Widerstände stoßen können. Darum sei es wichtig, den Mensch mitzunehmen.

Thorsten Wolff, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Brilon-Büren-Salzkotten, stellte in seiner Begrüßungsrede heraus, dass die Bank bereits vor Jahren mit Digitalisierung begonnen habe und dass sich die Innovation jetzt in der Krise bezahlt mache. Die Kunden würden digital aktiv begleitet und so persönlich angesprochen. Zudem habe die Voksbank zusammen mit Kooperationspartnern mit dem „Digitalcheck“ ein hilfreiches Tool entwickelt. „Die Gesellschaft lernt gerade, dass Veränderungen sofort eintreten. Das ist wichtig für die Zukunft, um sich auf Innovationen einzustellen. Corona wirkt als Katalysator“, so Thorsten Wolff.

In seinem anschließenden Vortrag erklärte Andreas Steinle vom Zukunftsinstitut Workshop GmbH, die Innovation sei das was wir brauchen, um gut durch die Krise zu kommen.

Wir dürfen uns von negativen Schlagzeilen nicht verrückt machen lassen. Das Virus wirkt wie der Beschleuniger eines großen kulturellen Wandels.

Andreas Steinle, Zukunftsforscher 

Eine schnelle Anpassung, Beweglichkeit, Flexibilität und eine radikale Akzeptanz stehe an erster Stelle, um erfolgreich als Krisenmanager zu fungieren. Für den Gastronomiebereich gab er Möglichkeiten an, kleine, beheizte Gewächshäuser als Speisezimmer im Außenbereich aufzustellen oder leerstehende Objekte zu Restaurants umzufunktionieren. „Singapore Airlines hat stillstehende Flugzeuge zu Restaurants umgebaut. Das macht neugierig und wird angenommen. Wir dürfen uns von negativen Schlagzeilen nicht verrückt machen lassen“, erklärte der Zukunftsforscher mit Nachdruck.

Es sei vielmehr wichtig, sich auf neue Situationen einzustellen und sie anzunehmen. Vertreter der Veranstaltungsbranche etwa könnten im Einzelhandel als Sicherheitsdienst arbeiten und dort den Einlass kontrollieren. Essentiell sei es, sich über Trends zu informieren, auszuprobieren, sich mit Workshops zu digitalisieren und neu zu erfinden. Der Modeladen um die Ecke könne beispielsweise im Live-Stream täglich seine Kollektionen präsentieren, die Kosmetikerin Schminktipps über die sozialen Netzwerke verbreiten und ihre Produkte anpreisen.

„Erfolgreiche Krisenmanager sind wie Feuerwehrleute. Sie löschen den Großbrand und machen sich danach bewusst: Was sind die langfristigen Entwicklungen? Der Fokus muss ganz klar auf die Zukunft gelegt werden. Das Virus wirkt wie der Beschleuniger eines großen kulturellen Wandels“, erklärte Andreas Steinle.

Dynamik, Mobilität und Konnektivität

Dynamik, Megatrends, Mobilität sowie Konnektivität seien wichtig für die Zukunftsgestaltung. Das beste Beispiel für die digitale Entwicklung sei dabei die beschleunigende Entwicklung im Gesundheitswesen. „Vor einem Jahr haben zwei Prozent die Videosprechstunde beim Arzt genutzt. Ein drittel mehr nutzt sie im Jahr 2020. Das spart Zeit und ist zudem gesünder“, so der Diplom Kommunikationswirt. Es sei wichtig eine Kundenbindung digital zu generieren. Die direkte persönliche Ansprache, eine virtuelle Verabredung, die ausführliche Beratung oder auch die Online Koch-Show mit viel Spritzigkeit seien die richtigen Faktoren. China würde dabei als Vorbild in Sachen Digitalisierung mit Streaming-Shopping u.v.m. agieren.

Laut Steinle verändere die Pandemie nicht nur die tägliche Kommunikation sondern auch das Bewusstsein. Der Weg von international zu national sei geebnet worden, sodass beispielsweise Soja angepflanzt werde, um vegane Produkte heimisch herzustellen. „Weggeworfene Dinge werden aufbereitet und weiterverkauft, heimische Pflanzen wie Raps werden für benötige Tenside verwendet. Die Welt rückt wieder näher zusammen. Der Mensch denkt anders über die Reccourcen“, so Impulsgeber Andreas Steinle.

Ein Perspektivwandel im Kopf und neue technologische Innovationen würden möglicherweise helfen, die Krise in den Griff zu bekommen. „Die grüne Ökologie ,Brennt die Welt nieder‘ mit Greta Thunberg basiert auf Verzicht, Angst, Mangel, Schuld und Mühe. Das neue Feld, die blaue Ökologie, setzt auf Vitalität, Erfindungsgeist, Kreativität und Erfindergeist. Die Neugier soll gefördert und trainiert werden, Fragen müssen gestellt werden. Wir müssen offen und neugierig auf alles Neue sein“, schwörte der Zukunftsforscher alle Teilnehmer abschließend auf eine neue Gegenwart ein.

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