Chance für jedes Kind

Brilonerin baut mit "264.education" Brücke zur Bildung in Nepal und Uganda

Bilder, die eine deutliche Sprache sprechen: Das Team von 264.education, darunter auch Daria Matlakiewicz, packt an, wo es am dringendsten gebraucht wird. So entstanden aus instabilen Wellblechhütten (li. oben) geschützte Schulgebäude (re. unten).

Brilon - 264 Millionen Kinder weltweit haben keinen Zugang zu Bildung. Eine Zahl, die mehr aussagt als tausend Worte – und eine Tatsache, die Daria Matlakiewicz bewegte, zu handeln. Die gebürtige Brilonerin ist Teil des Teams von „264.education“, einem Verein mit einer starken Vision: Kindern auf der ganzen Welt eine Schulbildung zu ermöglichen und damit langfristig Armut zu bekämpfen.

Morgens zur Schule gehen und Freunde treffen, geschützt im Trockenen sitzen, eine warme Mittagsmahlzeit genießen und einen Grundstein für die berufliche Zukunft legen – das, was hier selbstverständlich scheint, ist in Ländern wie Nepal und Uganda ein Privileg und bleibt unzähligen Kindern vorenthalten – eine Erkenntnis, die Daria Matlakiewicz aus ihrer Tätigkeit als „Volunteer“ in den ärmsten Regionen der Welt mitnimmt. 

Den Kontakt zu Kindern über die Grenzen hinaus knüpfte die ehemalige Marienschülerin nach ihrer eigenen Schulzeit in Brilon und dem Abi in Olsberg bei einer Stelle als Au-Pair in den USA. Anschließend ging ihre Reise von der Kölner Sporthochschule weiter nach Ghana an die „Hips Charity School“, gegründet von Brigitte Honsel aus Meschede – eine prägende Zeit, die weitere Projekte nach sich ziehen sollte. 

Durch reinen Zufall wurde sie schließlich auf „264.education“ aufmerksam. Über einem Kaffee mit ihrem Kollegen und Gründer des Vereins, Christoph Findelsberger, entstand der „Drive“, selbst Teil des Teams zu werden. „Ich fand es beeindruckend und inspirierend, dass jemand Ende 20 so eine Motivation hat, neben dem Vollzeitjob ein solches Projekt voranzutreiben.“ Ein Projekt, für das sich auch Daria Matlakiewicz im Februar dieses Jahres vier Wochen Urlaub nahm, um mit 40 weiteren Helfern nach Uganda zu reisen, Zelt an Zelt zusammen zu wohnen, zu arbeiten und vor allem mit anzupacken. So entstanden drei neue Klassenzimmer für die „Golden Hill Academy“, einer englischsprachigen Grundschule mit Kindergarten.

Das Team von "264.education" packt an, wo es gebraucht wird.

Um Bildungsungleichheit entgegenzuwirken und jedem Kind die Möglichkeit zu geben, etwas für ihr Leben zu lernen, verzichten die Teammitglieder von „264.education“ neben ihrem Vollzeitjob auf einen Teil ihrer Freizeit und arbeiten unentgeltlich. Sie alle wollen direkt vor Ort etwas bewegen, lassen aus einzelnen Ziegelsteinen ganze Schulgebäude wachsen, um Heranwachsenden die Chance auf ein gutes Leben zu geben. „Seit unserem ersten Projekt im Jahr 2018 haben wir zehn Klassenzimmer in Nepal und Uganda gebaut. Wir unterrichten derzeit etwa 320 Kinder und bezahlen 30 einheimischen Lehrern und Hilfskräften ein monatliches Einkommen“, erzählt die 31-Jährige, die mittlerweile in München lebt und bei einer Unternehmensberatung tätig ist. 

„Ein absolutes Highlight für mich war zu sehen, dass alle Helferinnen und Helfer freiwillig die Zeit und den Weg nach Uganda auf sich genommen haben, um etwas zu bewegen – und damit meine ich nicht nur die Ziegelsteine. Trotz kultureller Unterschiede funktionierte die Zusammenarbeit und Interaktion sehr gut. Uns ist es wichtig, einheimische Visionäre und lokale Handwerker in unsere Arbeit einzubeziehen – allesamt Personen, die mit ihrer starken Vision und ihrem Tatendrang ihre Gemeinschaft positiv verändern wollen“, schildert die Volunteerin ihre Eindrücke und den langfristigen Ansatz von „264.education“. Schließlich wolle das Team nicht nur in ein Entwicklungsland reisen, eine Schule hinstellen und wieder gehen, sondern nachhaltig etwas bewirken. 

Inklusion, die gelebt wird

Wie dringend diese Art „Hilfe zur Selbsthilfe“ nötig ist, zeigte sich schon vor der Gründung von „264.education“, als sich Christoph Findelsberger selbst als Volunteer nach seinem Bachelorstudium für mehrere Monate in den Bergen Nepals an der „Heaven Hill Academy“ engagierte. Die Erlebnisse dort gaben ihm den Impuls, aktiv zu werden und noch mehr Menschen zu mobilisieren, um etwas zu bewegen.

Daria Matlakiewicz blickt an die Anfänge zurück, wie und warum „264.education“ überhaupt entstanden ist. „Viele Kinder hatten einen zwei- bis dreistündigen Fußweg zur Schule. Einige werden auch gar nicht erst zur Schule geschickt, weil sie mit arbeiten müssen und kein Geld für einen Schulbesuch vorhanden ist.“ Ein weitere Hürde, die es zu beseitigen galt, waren die Themen Ausgrenzung und Gewalt. „Wir arbeiten mit unseren Partnern für Schulen ohne Gewalt, in denen die Aufnahme von allen Kindern unabhängig von Herkunft, Identität oder einer Behinderung gewährleistet wird.“ Inklusion, die gelebt wird – so besuchen in Nepal bereits Kinder mit Down-Syndrom die Schulen des Vereins. 

Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern und ihnen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, sind Ziele von "264.education".

Die Arbeit finanziert sich über Spenden und Patenschaften, die zu 100 Prozent den Schulen und Kindern im jeweiligen Projektland zugutekommen. Nepal und Uganda erhalten durch Patenschaften für rund 15 Euro im Monat unter anderem Schulmaterialien, eine warme Mahlzeit am Tag und sauberes Trinkwasser – denn beim Bau der Schulen hört die Arbeit längst nicht auf. Um laufende Kosten mit Schulpatenschaften abzudecken, ist der Verein auch weiterhin auf Spenden angewiesen, und auch, um weitere Projekte stemmen zu können – Ideen gebe es jedenfalls genug. 

Mit ihrer Arbeit zeigen Daria Matlakiewicz und das Team von „264.education“, was es bewirken kann, aus seiner Komfortzone rauszugehen und dabei über sich selbst hinauszuwachsen – und dass jeder die Möglichkeit hat, das eigene Potenzial voll auszuschöpfen, etwas zurückzugeben und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. So hat Warren Buffett einmal gesagt, dass alles Gute, das in seinem Leben passiert ist, auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass er im richtigen Land geboren wurde. „264.education“ möchte jedem Kind eine faire Chance im Leben bieten – unabhängig davon, wo es geboren wird.

Infos und Mitmachen 

264.education/de, via E-Mail: daria@264.education sowie über Instagram und YouTube.

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