Alternativer Standort könnte Lösung sein

Bürger protestieren gegen Mobilfunkmast im Sauerland - Stadt und Anwohner im Dialog

Mobilfunkmast Gudenhagen Bürgerprotest
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Tauschten sich vor Ort auch über einen alternativen Standort für den geplanten Mobilfunkmast aus: (v.l.) Reinhold Huxoll, Markus Altenbockum, Annette Altenbockum, Wolfgang Diekmann und der Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses Jürgen Kürmann.

Die Telekom will in Gudenhagen einen Mobilfunkmast errichten - in der Nähe eines Wohngebiets. Anwohner protestieren gegen das Projekt. Die Stadt sieht den Standort nicht als problematisch an.

Gudenhagen – Eine Drohne steigt in den tiefblauen Himmel. „Wow, das ist hoch. So schlimm habe ich mir es nicht vorgestellt“, sagt jemand. Da ist die Drohne auf einer Höhe von 30 Metern.

40 Meter hoch soll aber ein Mobilfunkmast werden, den die Deutsche Funkturm (DFMG) für die Telekom unterhalb des Parkplatzes vom Waldfreibad Gudenhagen errichten lassen will – in 70 Metern Abstand zu den Wohnhäusern in der Straße Schmelterfeld.

Drohne soll simulieren, wie hoch die geplante Anlage würde

Rund 30 Anwohner haben sich vor Ort mit Vertretern der Stadt getroffen, um darüber zu sprechen. Die Drohne soll simulieren, wie hoch die geplante Anlage würde.

Von dem Vorhaben erfuhr Ortsvorsteher Wolfgang Diekmann erstmals Ende 2020. Der genaue Standort wurde ihm in einer E-Mail am 1. April mitgeteilt. „Ich habe bereits vorher kritisiert, dass in diesem Verfahren keine Bürgerbeteiligung vorgesehen ist“, sagte Diekmann. Rechtlich ist wohl keine öffentliche Abwägung notwendig – das Verfahren liegt allein im Ermessen des städtischen Bauamtes. Selbst die politischen Gremien hätten hier nichts zu entscheiden.

„Erachte eine Bürgerbeteiligung schon als nötig“

„In Anbetracht der Nähe zur Wohnbebauung und der Höhe der Anlage erachte ich eine Bürgerbeteiligung schon als nötig“, betonte der Ortsvorsteher. Er informierte jedenfalls die Anlieger. Annette Altenbockum und Thorsten Hübner wurden umgehend aktiv, gründeten eine Bürgerinitiative und starteten eine Unterschriftenaktion. Alle 30 unmittelbar betroffenen Haushalte unterschrieben, bereits Mitte April übergaben sie die Liste dem Bürgermeister. Ende Mai erhoben sie in einem Brief an den Bürgermeister offiziell Einspruch.

Aus unserer Sicht erschien der Standort zunächst unproblematisch.

Reinhold Huxoll

„Funkmasten interessieren Bürger nur, wenn sie direkt vor ihrer Haustür stehen sollen – dabei wollen alle ein besseres Netz. Aus unserer Sicht erschien der Standort zunächst unproblematisch“, rechtfertigte der Erste Beigeordnete Reinhold Huxoll die Vorgehensweise der Stadt. Innerstädtisch habe man mit ganz anderen Einschränkungen zu kämpfen.

Keine Eingriffsminimierung abgewogen und alternativen Standorte geprüft

Markus Altenbockum, der nach eigenem Bekunden seit rund 30 Jahren in dieser Branche arbeitet und einige Kenntnisse der Verfahren besitzt, kritisierte, dass man hier offensichtlich keine Eingriffsminimierung abgewogen und auch keine alternativen Standorte geprüft habe. Zudem hinterfragte er, ob von Seiten der Stadt Bauanträge verschiedener Netzbetreiber koordiniert würden. Er vertrat die Auffassung, die Stadt habe die Möglichkeit, die Betreiber nachdrücklich zur Zusammenarbeit aufzufordern, indem sie die Genehmigung mit der Perspektive verknüpfe, in der Nähe keine weiteren Bauvorhaben zuzulassen.

Die vier großen Netzbetreiber (Telekom, Vodafone, Telefónica, 1&1 Drillisch) seien laut einer Vereinbarung bereits bestrebt, Anlagen gemeinsam zu nutzen, erklärte Huxoll. Bei der Suche nach einem neuen Standort bevorzugten sie städtischen Grund, weil es hier in der Regel die wenigsten Konflikte gebe.

Kleiner Punkt am Himmel: Eine Drohne visualisierte die Höhe des geplanten Funkmastes.

„Dafür kriegen wir weniger als 2000 Euro“

Den Verdacht, die Stadt habe sich mit der Wahl des Standortes auf einer städtischen Fläche einen finanziellen Vorteil verschaffen wollen, entkräftete Huxoll mit der Aussage: „Dafür kriegen wir weniger als 2000 Euro – deshalb machen wir es sicherlich nicht.“ Bei der Abwägung des Standortes spielten allein technische Gründe eine Rolle.

Was die Stadt, bzw. der Bauträger, in den Augen der Bürgerinitiative versäumt hat, ist dem Ortsvorsteher nun anscheinend gelungen: Einen alternativen Standort ausfindig zu machen. Der liegt in Höhe des Parkplatzes vom Waldfreibad zwischen der B251 und den Bahngleisen. (In der Nähe befindet sich bereits ein Funkmast der Deutschen Bahn, der aber technisch nicht geeignet sei, zusätzlich die Anlagen der Mobilfunkbetreiber zu tragen.)

Eigentümer der Fläche bereits ausfindig gemacht

Sogar die Eigentümer der Fläche hat Diekmann bereits ausfindig gemacht und mit ihnen Kontakt aufgenommen. Diese hätten sich offen für Verhandlungen gezeigt.

Der verantwortliche Mitarbeiter bei der DFMG habe erklärt, nach Kartenlage könne dies eine Option sein. Abgesehen vom größeren Abstand zur Wohnbebauung punktet dieser Standort auch damit, dass er wesentlich höher gelegen ist und somit der Mast selbst nicht ganz so hoch werden muss. Unter Umständen könnte er auch eine weitere, von einem anderen Betreiber geplante, Anlage am Hängeberg überflüssig machen.

Wir wollen den Masten nicht verhindern. Wir sind ja alle an einer Verbesserung des Funknetzes interessiert.

Anwohnerin Annette Altenbockum

Reinhold Huxoll ließ sich den genauen Standort zeigen und versprach, die Anregung umgehend aufzugreifen. Annette Altenbockum zeigte sich erleichtert: „Wir wollen den Masten nicht verhindern. Wir sind ja alle an einer Verbesserung des Funknetzes interessiert.“ Ohne ihre eigene berufliche Erfahrung als Vermessungsingenieurin und das Wissen ihres Bruders hätten sie allerdings nicht genug Ahnung von der Materie gehabt, um die Verfahrensmängel zu sehen. Ein Gutes habe die Aktion obendrein: Sie wohne noch nicht so lange hier und habe dadurch viele nette Nachbarn kennengelernt.

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