Spiegel der Gesellschaft

Diakonie-Beratungsstellen sind mit vielfältigen Lebenssituationen konfrontiert

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Mit den vielfältigsten Lebenssituationen werden die Beraterinnen der Diakonie (v.li. Annette von dem Bottlenberg, Ellen Mendelin-Plauth und Michaele Seidel) konfrontiert. Entsprechend breit ist ihre Angebotspalette.

Hochsauerland. Weiterhin viel Beratungs- und Unterstützungsbedarf bei den verschiedensten Familien- und Lebensfragen – vor allem im Bereich von Schwangerschaft und Familienplanung – gibt es bei den Beratungsstellen der Diakonie Ruhr-Hellweg in Brilon, Meschede und Arnsberg. In einem Pressegespräch wurden aktuelle Zahlen aus dem Vorjahr, Beratungsschwerpunkte und neue Angebote vorgestellt.

450 persönliche Beratungsgespräche haben die drei Sozialpädagoginnen Ellen Mendelin-Plauth (Brilon), Michaele Seidel (Meschede) und Annette von dem Bottlenberg (Arnsberg) im Vorjahr an ihren jeweiligen Standorten geführt. Der größte Anteil davon entfällt auf die allgemeine Beratung von Schwangeren, in rund 86 Fällen wurden Schwangerschaftskonfliktberatungen vorgenommen.

Ausweitung der Präventionsarbeit

Dazu kommen 114 Gruppenveranstaltungen im Bereich Prävention zu allen Fragen die Sexualität und Schwangerschaft betreffen. Dabei wurden 857 Kinder, Jugendliche und Erwachsene erreicht. Über die Jahre hinweg, seien die Zahlen relativ konstant geblieben, es ergäben sich nur – örtlich unterschiedlich - geringe Schwankungen bei der Herkunft der Beratungssuchenden und den besprochenen Themen.

Die Gründe für die Kontaktaufnahme sind vielschichtig: Persönliche und familiäre Schwierigkeiten, Krisen und Konflikte wie Krankheit und Trauerfälle, wirtschaftliche und finanzielle Not sowie das Dilemma, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen. „In unserer Arbeit spiegeln sich ganz häufig gesellschaftliche Probleme im Allgemeinen und die Lebenssituation im Hochsauerland im Besonderen“, hat Michaele Seidel beobachtet. Da geht es um Fragen weiblicher Identität und veränderter Erwartungen, um sexuelle Selbstbestimmung, aber auch um die Verkehrsanbindungen im ländlichen Raum. Die Arbeitswelt mit ihren Ansprüchen an Leistung und Flexibilität stelle Familien generell vor immer größere Herausforderungen. Verschärft stellt sich die Situation für Alleinerziehende dar.

Immer größer wird die Nachfrage nach Präventionsangeboten für Kinder und Jugendliche, erzählen die Beraterinnen. Das beginne schon im Kindergarten und den Grundschulen, wo Kinder in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden und lernen, „Nein“ zu sagen, um sich vor sexuellen Übergriffen schützen zu können.

Bei den älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen konzentriert sich die Arbeit schwerpunktmäßig auf Menschen mit geistiger Behinderung. „Dadurch dass diese vermehrt in ambulant betreuten Wohnformen eigenständig leben, hat hier der Aufklärungs und Beratungsbedarf enorm zugenommen“, erklärt Annette von dem Bottlenberg. Dabei geht es einerseits darum, wie sich Behinderte vor Übergriffen schützen, andererseits geht es um Aufklärung und Fragen der Verhütung. Geplant ist eine Mulitplikatorenschulung von Pädagogen und Erziehern.

Ein „Türöffner“ für die Beratungsstelle Meschede ist das 2012 gegründete Mütter-Cafe, das jeden Donnerstagvormittag geöffnet hat. Hier können junge Frauen zunächst zwanglos Vertrauen zur Beraterin aufbauen, bevor sie später ein Beratungsgespräch wahrnehmen.

Ein besonderes Angebot in Brilon sind die Familienpatinnen, die ehrenamtlich in Familien mit Kleinkindern gehen, um diese punktuell in ihrem Alltag zu unterstützen. Das kann die Mutter sein, die Drillinge bekommen hat, oder die alleinerziehende Berufstätige, die keine Betreuung in Randzeiten findet.

Zurzeit sind drei Ehrenamtliche im Einsatz. „Wir suchen aber noch Verstärkung“, so Ellen Mendelin-Plauth. Diese würden mittels einer Schulung auf ihre Aufgaben vorbereitet. In Arnsberg gibt es ein ähnliches Angebot, hier ist es aber die Stadt, die es organisiert.

Fachtag „Erste Hilfe“ im Herbst

Für den Herbst ist ein Fachtag „Erste Hilfe“ für den emotionalen Bindungsaufbau zwischen Mutter und Kind geplant.

Wenn man sich vor Augen hält, dass an allen drei Standorten die Beratungs- und Aufklärungstätigkeit jeweils nur von einer einzigen Halbtagskraft geleistet wird, ist es enorm, was hier an sinnvoller Unterstützung realisiert wird. Das ginge nur, betonen alle drei, weil sie gut vernetzt seien: Mit den städtischen Institutionen, anderen privaten Trägern und caritativen Organisationen sowie mit den Kirchen vor Ort. Es bleibt dennoch eine Herausforderung, alle Aufgaben zu koordinieren. „Es ist eine emotional und psychisch belastende Arbeit, besonders bei Fehl- oder Totgeburten, aber wir bekommen auch viel zurück“, betont Annette von dem Bottlenburg.

Beratungsstelle Arnsberg: Annette von dem Bottlenberg, Tel.  02931 / 7863376 Beratungsstelle Meschede: Michaele Seidel, Tel.  0291-2900150 Beratungsstelle Brilon: Ellen Mendelin-Plauth, Tel.  02961-793967.

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