"Echte Fastnachtskerle"

Bauer Ludger Kemmerling, Prinz Manfred Nüsken und Jungfrau Stefan(ie) Schröder noch ohne Kostüme im bunt-dekorierten heimischen Wintergarten. Foto: Anna Sartorius

Ein von den Nachbarn aufgehängter Plastikclown an der Haustür, Luftschlangen im Wintergarten und kaltes Bier: Nicht schwer zu erraten, dass in diesem Haus ein waschechter Karnevalist wohnt. Stefan Schröder ist einer von dreien, die das erste Dreigestirn in der Geschichte von Erlinghausen bilden.

Eigentlich stellt in Erlinghausen jedes Jahr im Wechsel ein Verein das Prinzenpaar. Der Männergesangsverein allerdings hatte in diesem Jahr Schwierigkeiten, geeignete Freiwillige zu finden. Schon im vergangenen Mai überlegte deshalb der jetzige Bauer Ludger Kemmerling: "Wenn kein Prinz gefunden wird, machen wir aus dem Prinzen halt ein Dreigestirn." Aus der Not wurde eine Tugend gemacht: "Wir sind neue Wege gegangen, weil wir uns nicht die Blöße geben wollten, keinen Prinzen zu stellen", fügt der Vorsitzende des Vereins, Karl-Josef Assauer, hinzu.

Dritter im Bunde ist der 70-jährige Prinz Manfred Nüsken. "Keine drei Sekunden hat es gedauert, bis er zugestimmt hat", schmunzelt Assauer. Nüsken war vor sechs Jahren schon einmal Prinz. Deshalb kam diese Rolle nur für ihn in Frage. Die Verteilung der anderen gestaltete sich ebenso einfach: Stefan Schröder bekam die Rolle der Jungfrau wegen seines einfach umzugestaltenden Namens in "Stefanie". Er erzählt: "Beim Aussuchen der Kostüme waren wir allerdings kurz vorm Rollentausch. Ludger passte nämlich alles, was mir nicht passte. Ich saß wie eine Maus in der Falle und hab mich nur kaputtgelacht." Der neue Bauer Ludger Kemmerling schmunzelt: "Es ist ja schon anstrengend, mit einer Prinzessin ein Kleid auszusuchen. Aber mit Stefan als Jungfrau war es schon besonders."

Ihre Premiere als Dreigestirn hatten die drei Männer bei der Eröffnungssitzung im November. Einmarschiert sind sie maskiert und mit Umhängen, damit ihre Identität unerkannt bleibt. Als sie die Maske später absetzten, war die Überraschung für die Zuschauer groß. Die richtigen Dreigestirn-Kostüme präsentierten Prinz Manfred, Bauer Ludger und Jungfrau Stefanie gestern den Narren in der Erlinghäuser Schützenhalle: "Auf jeden Fall sind die zehnmal besser als nur eine blonde Perücke", sagt Stefan Schröder.

"Ein toller Zusammenhalt"

Der Höhepunkt der Fastnacht in Erlinghausen findet am Karnevalssonntag beim großen Umzug statt. Etwa 14 Wagen, sieben Fußgruppen und vier Musiken können tausende Zuschauer vom Straßenrand beobachten. Der Prinzen-, in diesem Jahr Dreigestirnwagen, fährt traditionell in der Mitte. Mit von der Partie ist auch eine Garde von Prinzen. Am Wagen baut der Männergesangsverein schon seit Dezember. "Fast alle Mitglieder unseres Vereins engagieren sich und helfen. Gerade unser Chorleiter Reinhard Prior setzt sich richtig ein. Das ist ein toller Zusammenhalt", sind sich alle drei einig. Im Vorfeld wurde bei Hausschlachter Stefan Schröder ein Schlachtfest veranstaltet, um genügend Proviant für den Wagenbau zu haben: "Das ist sicher die erste Jungfrau im Karneval, die ein Schwein eigenhändig schlachtet", lacht das Dreigestirn.

Am Rosenmontag schließt eine alte Tradition die Fastnacht in Erlinghausen ab. Mit "Fastnachtskitteln" und Masken bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, gehen die Männer in für sie offenstehende Häuser. Hier tanzen sie mit den Frauen, die erraten müssen, wer sich hinter der Maskierung verbirgt. Erst wenn sie richtig raten, geben sich die Männer zu erkennen. Früher waren mehr Häuser offen. Leider fehlt es heutzutage an Spielern: "Aber es ist immer noch ungezwungen, unvorhersehbar, spontan und macht einfach Spaß."

Nicht alle Erlinghäuser Bewohner sind von der Idee des Dreigestirns angetan. "Einerseits halten die Leute unser Vorhaben für eine gute und lustige Idee, andererseits ist ein Prinz mit einer Prinzessin an seiner Seite auch was Feines", sagt Ludger Kemmerling. Aber nächste Karnevalssession kann schon wieder alles anders sein: Dann stellt ein anderer Verein das Prinzenpaar.

Karl-Josef Kemmerling ist sich aber absolut sicher: "Die drei sind absolute Fastnachtskerle. Was Besseres konnte uns nicht passieren."

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