Maria Anna Watzke veröffentlicht Gedichte in Plattdeutsch

„Ehe der Wind es verweht“

Ein Innenfoto des Buches zeigt die Autorin Maria Anna Watzke als Schützenkönigin mit ihrem Mann als König in den 1970er Jahren.

Erlinghausen. „Mit unserem Platt ist es wie mit allem Schönen und Kostbaren, wenn es nicht gepflegt wird, geht es verloren“, sagt Maria Anna Watzke.

Das Anliegen der Autorin aus Erlinghausen ist es, die alte Sprache weiterzugeben und für die nächste Generation zu erhalten. In der zweiten Auflage ihres Sammelbandes „Jahreszeiten“ präsentiert Maria Anna Watzke 20 Gedichte in plattdeutscher und elf in hochdeutscher Sprache. Mit der SauerlandKurier-Volontärin Stefanie Reinelt sprach die 83-Jährige über ihre Liebe zur plattdeutschen Sprache und wie sie dadurch zum Schreiben gekommen ist.

Frau Watzke, Sie sind im Jahr 1930 in Erlinghausen geboren. Sind Sie mit der plattdeutschen Sprache groß geworden?

Maria Anna Watzke: Ja, ich bin als echtes Sauerländer Mädchen mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen. Meine Eltern sprachen platt. Mit uns Kindern haben sie aber hochdeutsch geredet, damit wir keine Probleme in der Schule bekommen.

Trotzdem haben Sie plattdeutsch nicht nur verstehen, sondern auch sprechen gelernt?

Maria Anna Watzke: Die Laute und die Melodie unseres heimatlichen Platts waren mir schon seit meiner Kindheit vertraut. Aber erst nachdem meine Kinder aus dem Haus waren, habe ich mich intensiv mit der Sprache beschäftigt. Ich habe viel Literatur zu diesem Thema gelesen.

Haben Sie sich auch beruflich mit der Sprache beschäftigt?

Maria Anna Watzke: Nach der Schule schickte mich unser Pastor zu einem Seminar in Bonn, da ich Bibliothekarin werden wollte. Bücher waren und sind meine Leidenschaft. Nach dem Abschluss des Seminars habe ich in der Pfarrbücherei in Erlinghausen gearbeitet, bis ich meinen Mann kennenlernte und meine Kinder bekam. Mein Mann war 15 Jahre politisch in Düsseldorf engagiert (Anm. d. Red.: Diplom-Ingenieur Hans Watzke aus Bochum). Deshalb habe ich mich um den Haushalt und die Kinder gekümmert.

Wann kamen Sie dann dazu, plattdeutsche Gedichte zu verfassen?

Maria Anna Watzke: Zunächst habe ich keine Gedichte geschrieben, sondern, als die Kinder älter waren, plattdeutsche Abende mit meinem Frauenchor veranstaltet. Wir haben zum Beispiel an Fastnacht Büttenreden auf Platt gehalten. Die Reden habe ich selbst getextet. Später habe ich plattdeutsche Runden für jüngere Leute angeboten. Leider ließ das Interesse auf die Dauer nach. Mein erstes Buch habe ich erst 1997 geschrieben. Dabei handelte es sich um ein Kinderbuch über den Osterhasen, das ich im Selbstverlag herausgebracht hatte.

Wann erschien die erste Auflage Ihres Bandes „Jahreszeiten?

Maria Anna Watzke: Ich habe schon früher Gedichte in Zeitungen veröffentlicht. Die Gedichte habe ich etwa 20 Jahre gesammelt, bis ich sie im Jahr 2000 Walter Podszun gegeben habe, der den Sammelband veröffentlichte. Mein erstes publizierte Gedicht war übrigens „Mäkensdraeme“ („Mädchenträume“).

Fällt es Ihnen leicht, ein Gedicht auf Platt zu schreiben?

Maria Anna Watzke: Plattdeutsch ist keine Schriftsprache. Deshalb ist es besonders schwer zu schreiben. Man muss versuchen, die Wörter so zu schreiben, wie sie ausgesprochen werden. Ich finde es aber wichtig, dass die Sprache in den Gedichten erhalten bleibt. „Schreib es auf, ehe der Wind es verweht“ steht auch in meinem Buch.

Was fasziniert Sie an der plattdeutschen Sprache?

Maria Anna Watzke: Unser Platt besitzt eine Menge Herz und Gemüt. Ich finde es schade, dass die Sprache oft in die Ecke des Deftigen und Ordinären gedrängt wird. Erfreulicherweise gibt es heutzutage wieder plattdeutsche Sendungen im Radio oder Fernsehen. So wird noch heute das Interesse der jungen Generation an der alten Sprache geweckt.

Das Buch „Jahreszeiten - Gedichte in Plattdeutsch und Hochdeutsch“ von Maria Anna Watzke ist bei Bücher Podszun zum Preis von 12 Euro erhältlich.

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