"Viel Enthusiasmus und Handwerkskönnen"

„Ein Kumm rin-Haus“: Historische Forstscheune ist zur Dorfscheune geworden

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Der „harte Kern“ der Madfelder Dorfscheunenaktiven auf der Treppe ihres Erfolges.

Madfeld. „Herzlichen Glückwunsch, dass das Madfelder Projekt ,Dorfscheune’ so gut geklappt hat“, hob Bürgermeister Dr. Christof Bartsch anlässlich der offiziellen Einweihung am Samstag hervor. „Ein ,Kumm rin-Haus’ sollte es nach den ersten Planungen werden und wie man sieht, ist es gelungen. Wer hier mit offenen Augen durch das Haus geht, erkennt viel Enthusiasmus, Handwerkskönnen und Bereitschaft etwas zu schaffen.“

Ein kurzer Rückblick: Einst als Forstscheune im Jahre 1828 am Rande von Madfeld errichtet, bot das Fachwerkgebäude Schutz und Unterstand für die Tiere und auch Gerätschaften der damaligen Forstleute. Das Schicksal der meisten alten Gebäude und Scheunen, der Abriss, blieb der Madfelder Forstscheune erspart. Im Jahr 1982 vorsichtig abgebaut und mit Nummerierungen an den unzähligen Einzelteilen, sollte sie ein neues Leben im Freilichtmuseum Detmold erhalten. Doch die Planungen änderten sich und so blieben die Einzelteile über Jahre eingelagert in Detmold liegen. Dann kam der Entschluss, sie wieder zurückzuholen und in Madfeld neben dem alten Backhaus und dem Dorfplatz zum einmaligen historischen Dorfmittelpunkt werden zu lassen.

„Das ist das erste Mal, dass ein Haus aus dem Museum Detmold wieder an den Spender zurückgeschickt wird“, erklärte Anna Stein, gebürtige Madfelderin und als Fachfrau des LWL im Freilichtmuseum tätig. Doch Wunsch und Wirklichkeit liegen oft weit auseinander. Das verdeutlichte Ortsvorsteher Heinz Bickmann mit seiner Erzählung, die von vielen mit einem Kopfnicken und Raunen unterstrichen wurde: „Als die Wagen mit den zwar nummerierten Einzelteilen, die aber mehr einem undurchdringlichen Chaos ähnelten, hier im Dorf ankamen, habe ich nur gedacht, Heinz – auf was haben wir uns das eingelassen.“

Kern von 27 Aktiven

Doch die Madfelder wären keinen Madfelder, wenn sie sich davon unterkriegen ließen. Ein Kern von 27 Aktiven fand mit diesem Bauvorhaben für scheinbar nicht enden wollende Monate ein neues Zuhauses auf der Baustelle. Stefan Decker-Hibbel ging bei seiner Bilderdokumentation zur Baumaßnahme noch weiter und unterstrich vehement: „Man braucht natürlich auch Fachkräfte, aber bei solch einer umfangreichen Maßnahme stelle ich die vielen unermüdlichen Helfer auf dieselbe Stufe. Ohne diese so einzigartige Zusammenarbeit hätte dieses Projekt nicht gestemmt werden können.“ Und das konnten am Wochenende die zahlreichen Besucher in Augenschein nehmen.

Im Gespräch mit dem Kurier war der Stolz bei Werner Dufhues, einem der vielen Aktiven, auch deutlich zu spüren. Er erzählte, wie welche Schritte vonstatten gegangen sind, welche Herausforderungen zu überwinden waren und von den Glücksfällen, bei denen sich Puzzlestücke wieder zu einem Bild zusammensetzten. So beispielsweise der steinerne Fußboden im Erdgeschoss. „Das Dehnungspflaster aus Detmold war nicht mehr vollständig. Spontan haben wir von Landwirten aus Madfeld und auch aus Radlinghausen geeignetes, altes Material bekommen. Sogar die Spuren der alten Leiterwagen waren noch zu erkennen. In der Ursprungszeit unvorstellbar, sorgt heute eine Fußbodenheizung dafür, dass man bei Feiern oder Treffen in der Dorfscheune keine kalten Füße auf dem antiken Bodenbelag bekommt. Draußen sind noch einige Restarbeiten zu erledigen und den original nahekommenden dazugehörigen Holzschuppen bauen wir im Laufe des Jahres“, so Werner Dufhues, der in Gedanken schon wieder mit seinen Mitstreitern das Werkzeug in den Händen hält.

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