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Zukunft des Tierheims bis April weiter in der Schwebe

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Von: Manfred Eigner

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Die Entscheidung über die Zukunft des Tierheims in Brilon wurde vertagt © Jana Sudhoff

Brilon. Ob es in Brilon auch zukünftig ein Tierheim geben wird, bleibt weiterhin ungewiss. Die Jahreshauptversammlung am vergangenen Donnerstag im Haus  am Kurpark sollte über die Zukunft des Tierheimes entscheiden und einen neuen Vorstand wählen. Doch dazu kam es nicht. Stattdessen trat der Erste Vorsitzende Rüdiger Vieten zurück und aus dem Verein aus. Nun versucht ein kommissarischer Vorstand zu retten, was zu retten ist. Vorausgegangen war eine teils sehr emotional geführte Debatte.

Rüdiger Vieten, seit 2006 Vorsitzender des Tierschutzvereins, machte anhand von Zahlen der vergangenen Jahre deutlich, wie sehr das finanzielle Polster dahinschwindet und im Gegenzug die Kosten regelrecht explodieren. „Von 2010 bis 2012 war die Welt noch in Ordnung“, erklärte Vieten: „Doch seitdem weist das Ergebnis negative Zahlen aus. 2014 belief sich das Minus auf 36.000 Euro. 2015 sind es bisher etwa 13.500 Euro, doch es stehen noch offene Forderungen, wie beispielsweise Tierarztrechnungen, aus.“

Die Kapitaldecke schmilzt

Auch die explodierenden Lohn- und Lohnnebenkosten tragen massiv dazu bei. „Wenn wir den Tierheimbetrieb so in seiner Form weiter aufrechterhalten wollen, müssen wir von einem Ansatz von 80.000 Euro Minus pro Jahr ausgehen. Auf dieser Basis ist eine Fortführung nicht möglich“, so der Vorsitzende. „Die, besonders auf einer Erbschaft beruhende Kapitaldecke von 76.000 Euro schmilzt immer weiter dahin. Die Frage, wann wir einen Insolvenzantrag stellen müssen, lässt sich leicht ausrechnen, doch so weit soll es nicht kommen.“

Die Zahlen wurden vom Vorsitzenden mündlich vorgetragen, da der Laptop mit den Bilanzen nicht vor Ort war. Die losgeschickte Mitarbeiterin fand ihn nicht, so dass weiterhin auf die Aussagen des Vorsitzenden zurückgegriffen werden musste.

Unmut gab es beim Bericht der Kassenprüferinnen Annegret Starke-Schöpper und Marie-Luise Spiekermann, die bemängelten, dass nicht alle Unterlagen einzusehen waren. „Es hat keine Bilanz vorgelegen. Somit konnten wir nur stichprobenartig prüfen“, erklärte Spiekermann: „Das, was wir prüfen konnten, war in Ordnung.“

Darauf reagierte der Vorsitzende mit dem Hinweis: „Der gesamte Bestand geht über ein Steuerbüro. Wir haben ein absolut reines Gewissen.“ Zu dem Vorwurf, dass eventuell zu Unrecht Fahrtkosten von Vorstandsmitglieder vergütet worden seien, erklärte Vieten weiter, dies von einer Rechtsabteilung prüfen zu lassen und bei falscher Verfahrensweise das Geld wieder dem Verein zurückführen zu lassen. Die Versammlung erteilte dem Vorstand mit 14 Ja-, vier Neinstimmen und vier Enthaltungen die Entlastung.

Versammlung drehte sich im Kreis

Bei der Entscheidung, ob das Tierheim in einem neuen Gebäude (Kurier berichtete) weiterlaufen soll und wie dies finanziell gestemmt werden kann, drehte sich die Versammlung im Kreis. Die Entscheidung zu einem Neubau wegen der unzumutbaren Bedingungen für Mensch und Tier in dem marode werdenden alten Gebäude war vor zwei Jahren bei der Versammlung des Tierschutzvereins getroffen worden.

Während die zur Jahreshauptversammlung gekommenen Vertreter der Kommunen: Brilon, Willingen, Medebach, Hallenberg, Marsberg, Olsberg, und Meschede (der Winterberger Vertreter war kurzfristig erkrankt) auf einen detaillierten Finanzplan drängten, in dem alle Einnahmen und Ausgaben explizit aufgelistet sind, kam vom Vorsitzenden Vieten immer wieder der Hinweis, dass bei seinen Gesprächen mit den Banken stets die Frage gestellt würde, wer für den mit über eine Millionen Euro veranschlagten Neubau bürgen würde. „Ich als Vorstand kann so etwas nicht leisten, da ich mit meinem Privatvermögen haften müsste“, machte Vieten deutlich.

Fronten hatten sich verhärtet

„Nicht wir, die Verwaltung, sondern die Politik entscheidet über die Erhöhung der Zuschüsse“, wiederholte sich Brilons Ordnungsamtsleiter Marcus Bange mehrfach. „Für den Neubau eines Tierheimes müssen Zahlen auf den Tisch. Kein Bürgermeister wird zustimmen, wenn nicht klar ist, was es kostet.“ Diese Forderung wurde von den Vertretern der Kommunen zustimmend unterstützt.

Nachdem die Sitzung bereits drei Stunden gedauert hatte und sich die Fronten immer weiter verhärteten, kam aus der Versammlung von Elke Schramm der Vorschlag, auf den sich alle Seiten einigten. In vier bis sechs Wochen wird es eine neue Versammlung geben, zu der auch der Steuerberater, ein Jurist und ein Architekt geladen werden sollen. Dann soll über die Zukunft des Tierheimes und auch des Tierschutzvereines entschieden werden.

Rüdiger Vieten hatte von Anfang an immer wieder darauf hingewiesen, aufgrund seiner beruflichen Belastung nicht weiter als Vorsitzender zur Verfügung zu stehen. Um das weitere Procedere möglich werden zu lassen, trat er von seinem Chefposten zurück und trat aus dem Tierschutzverein aus. Um weiter als Verein handlungsfähig zu bleiben, übernahmen der bisherige stellvertretende Vorsitzende Peter Hagenacker sowie die Kassenwartin Heike Vieten kommissarisch die Vereinsführung. 

Die Kommunen sollen zeitnah die Jahresbilanz erhalten.

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