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Erste Bilanz des Konzepts „Erfahrungsschatz“ in Brilon

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Von: Claudia Metten

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Dirk Wiese, Bundestagsabgeordneter der SPD und Schirmherr des Projekts, referierte bei der Halbzeittagung des Projekts „Erfahrungsschatz“. Foto: Claudia Metten
Dirk Wiese, Bundestagsabgeordneter der SPD und Schirmherr des Projekts, referierte bei der Halbzeittagung des Projekts „Erfahrungsschatz“. © Claudia Metten

Brilon. Betroffene beraten Betroffene – das Peer (gleichrangig)-Konzept ist ein Beratungsangebot, das vom Sozialwerk St. Georg gemeinsam mit der Aktion Mensch vor 18 Monaten am Standort Brilon eingeführt wurde, um Menschen auf Augenhöhe mit psychischen, körperlichen oder geistigen Einschränkungen zu unterstützen. Auf der Halbzeittagung des Projekts „Erfahrungsschatz“ wurde am Montagabend im Bürgersaal im Kolpinghaus Brilon die Peer-Beratung aus verschiedenen Blickwinkeln durchleuchtet.

„Ich halte dieses Projekt für wichtig. Unabhängige Beratung mit eigenen Erfahrungen zu geben heißt, Menschen in schwierigen Situationen zu unterstützen, sich gegenseitig unter die Arme zu greifen. Die Peer-Beratung kann Hilfestellung geben und neue Perspektiven eröffnen“, so Dirk Wiese, Bundestagsabgeordneter der SPD und Schirmherr des Projekts. Gudrun Tönnes von der LebensArt Münster, mit eigener Psychiatriediagnose, hob in ihrem Vortrag hervor, wie wichtig es ist, dass Genesungsbegleiter ihr eigenes Wissen, ihre Erfahrung als auch ihre seelischen Erschütterungen in die Beratung einfließen lassen. „Das Berufsbild der Genesungsbegleiters beinhaltet, dass Betroffene ein Jahr lang zu Experten ausgebildet werden. Peers zeichnen sich durch großes Engagement aus. Sie haben in Krisensituationen viel über Symptome und Phänomene von psychischen Erkrankungen, Suchtproblemen als auch Behinderungen kennengelernt, das psychiatrische System mit seinen Hierarchien selbst erlebt und entsprechend Bewältigungsstrategien entwickelt“, so Gudrun Tönnes. „Diese Erfahrungen geben Genesungsbegleiter weiter. Sie helfen auf Augenhöhe. Bei uns läuft die Ausbildung in der entgegengesetzten Reihenfolge ab. Erst kommt das Sammeln von praktischen Erfahrungen, danach dann die notwendige Theorie.“

Herz, Mut und Erfahrungen

Ein Konzept, bei dem Menschen mit viel Herz, Mut und vor allem mit vielen persönlichen Erfahrungen Betroffene im Rahmen ihrer Möglichkeiten beraten, so Gudrun Tönnes weiter. Peer-Berater nehmen sich Zeit, hören zu und reflektieren gemeinsam. Die Peer-Beratung sei keine Rechtsberatung und kein Therapieangebot, sondern sie sei ein persönliches Gespräch auf Augenhöhe, das Betroffene zu mehr Selbstbestimmung und Selbstfürsorge führen soll, das ihnen zudem die Möglichkeit offeriert, selbst als Peer-Trainer nach der Ausbildung zu agieren. „Wir kämpfen dafür, dass die einjährige Ausbildung zum Genesungsbegleiter als Beruf anerkannt und gesellschaftlich aufgewertet wird“, ergänzt die Trainerin von LebensArt.

Stephan Nix, Genesungsbegleiter und Mitglied KMPE Dortmund, berichtete auf der Halbzeittagung über eigene Erfahrungen und stellte zugleich den Willen der Klienten in der Peer-Beratung in den Vordergrund: „Meine Aufgabe ist es, dem Klienten zu ermöglichen seine Lebensqualität zu verbessern. Dabei steht der Wille des Betroffenen immer an erster Stelle. Wir helfen den Leuten, damit sie sich für sich selber einsetzen können.“

Zum Abschluss der Veranstaltung appellierte Thorsten Garske, Projektleiter vom Sozialwerk St. Georg, weitere Schritte in der zweiten Phase der Peer-Beratung einzuleiten, das Projekt weiter bekannt zu machen, Betroffene zu generieren, Skepsis bei Fachkräften hinsichtlich der Beratung abzubauen als auch feste Beratungszeiten einzurichten.

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